Fiona Swarovski und Michael Aufhauser 2012 bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes in Aiderbichl.

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TV
01/20/2017

TV-Kritik: Aiderbichl - Sch***gal, ob Tier oder Colaflasche

Eine "Am Schauplatz"-Doku beleuchtete das Phänomen "Gut Aiderbichl" von vielen Seiten.

von Anna Gasteiger

Ist Gut Aiderbichl ein Ort der Tierliebe, ein Symbol für das Guten im Menschen? Oder, wie eine Kritikerin sagt, ein „Symbol der Unmenschlichkeit“? Was Christine Grabner und Stefan Müller in ihrer "Am Schauplatz"-Doku (Donnerstag, 19.1., auf ORF 2) zusammenbringen, muss man einmal schaffen: eine ausgewogene, unpolemische Darstellung eines Sachverhalts, der extrem polarisiert. Da Aiderbichl-Fans, die Gründer Michael Aufhauser und sein Werk fast kultisch verehren, dort Kritiker, die kriminelle Machenschaften vermuten.

Zu Wort kam etwa eine ehemalige „Aiderbichlerin“, die, mittlerweile abtrünnig geworden, in einen Rechtsstreit mit Aiderbichl verwickelt ist. Oder ein alter Bauer, der seinen Hof an Aiderbichl überschrieben hat und sich nun übervorteilt fühlt: Die Wohnräume des Bauern Leopold wurden kaum saniert, obwohl Aiderbichl das laut seinem Anwalt bei der Schenkung zugesagt haben soll. Aber auch Aiderbichl-Chef Dieter Ehrengruber durfte sich ausführlich äußern: „Einen Aiderbichler zeichnet aus, dass er immer zu Aiderbichl steht. Auch in der Zeit, wenn nicht immer die Sonne scheint, sondern so wie jetzt ein bissl ein Gegenwind herrscht.“ An den Vorwürfen sei nichts daran, Bauer Leopold etwa habe die weitere Renovierung selbst nicht gewollt.

Groteske Gala

Die Beteiligung des ORF am Marketing-Imperium des mittlerweile schwerkranken Aiderbichl-Gründers Aufhauser wurde in der Doku immerhin gestreift: bis vor einem Jahr promotete der öffentlich-rechtliche Sender den Verein mit einer Weihnachtsgala, in der sich Prominente mit Tieren in kitschigem Ambiente präsentieren durften. Die medial vielbeachtete Kultkuh Yvonne etwa, eines der bekanntesten Aiderbichl-Tiere, hat mehr als 100 zahlungsfreudige Paten. Auf dem Zaun ihrer Weide ist ein Schild befestigt, auf dem steht: „ Persönliche Weide von Yvonne, ihren Söhnen und Freunden“ (u.a. Sohn Friesi und Schwester Waltraud, wie in dem Film zu erfahren war). Aufhauser-Kritikerin Karin Kainzbauer: „Wie er zu mir einmal gesagt hat, ob er a Tier oder eine Colaflasche vermarktet, ist ihm scheißegal.“