(v.li.): Julia Koschitz, Florian Stetter, Ursula Strauss, Laurence Rupp, Josefine Preuß

© KURIER/Franz Gruber

ORF2
12/27/2016

TV-Event "Das Sacher": Stars und Gefühle

Der Zweiteiler "Das Sacher. In bester Gesellschaft" ist "ein Mosaik der Jahrhundertwende" (20.15 Uhr).

von Christoph Silber

Es ist der Treffpunkt von Politik, Aristokratie, Geld-Adel und großbürgerlichen Snobs. Doch vor den Türen ist die Donaumonarchie in Unruhe und die Gesellschaft im Umbruch. "Das Sacher" liefert die Bühne für einen prominent besetzten, historischen Zweiteiler, der heute und am Mittwoch, jeweils um 20.15 Uhr in ORF2, Premiere hat.

Das Drama erzählt von zwei Paaren, die sich im Hotel zufällig treffen – mit Folgen. Fürst und Fürstin von Traunstein (Laurence Rupp, Josefine Preuß) und das Verleger-Paar Aderhold (Julia Koschitz, Florian Stetter) geraten unter den Augen von Hausherrin Anna Sacher (Ursula Strauss) in private und teils politische Turbulenzen.

Frauen-Power

Die zwei Mal 100 Minuten bieten neben viel Zwischenmenschlichem auch Momente mit Tiefgang, was die Schauspieler auszuspielen wissen. Etwa wenn "Frau Eduard Sacher", mit Anfang 30 verwitwet, um die Konzession fürs Hotel des verstorbenen Mannes kämpft – damals fast eine Provokation.

"Anna Sacher ist eine Frau mit einer starken Haltung – gegenüber den Mitarbeitern, dem Hotel und vor allem auch dem eigenen Leben gegenüber", meint Ursula Strauss. "Was mich besonders fasziniert: Dass sie sich, als Frauen so besonders abgeschnürt waren, womit sie nur die halbe Kraft und Luft zum Leben hatten und was System hatte, so befreien konnte." Die Sacher wird, Zigarre rauchend und mit ihren französischen Bulldoggen, legendär. Klar ist: "Der Herr im Haus bin ich."

Auf eigenen Beinen sollte die von Josefine Preuß ("Die Hebamme") gespielte Konstanze von Traunstein nie stehen – die jung-naive Prinzessin aus Ungarn, zwangsverheiratet in den österreichischen Adel, hat als "einzige Aufgabe, einen männlichen Erben zu gebären. Sie flüchtet sich in die Parallelwelt der Schriftstellerei, eine Welt, in der sie sein darf, wer sie will." Und bricht schließlich durch die Affäre mit Max Aderhold alle Konventionen.

Moderne Figuren

Ihr Ehemann Georg (Laurence Rupp) hat damit und mit seinem Vater (Peter Simonischek) zu kämpfen. "Georg ist in seinem Umfeld weder akzeptiert noch gleichberechtigt. Mit seinen Ideen von der Gleichheit der Menschen ist er seiner Zeit viel zu weit voraus", erläutert Rupp. Als er eine Frau trifft, die versteht, was in ihm vorgeht, verliebt er sich.

Und das just ist Martha, die als Verlegerin Konstanze zur Besteller-Autorin macht. "Martha ist eine introvertierte Frau, gleichzeitig selbstbestimmt und für ihre Zeit sehr modern", sagt Julia Koschitz ("Hin und weg"). Menschen wie ihr Mann Max oder Konstanze, extrovertiert und wankelmütig, ziehen sie an, "als ob sie ihre unterdrückten Emotionen durch sie kompensieren könnte. Mit ihrer Selbstbeherrschung behält sie aber die Kontrolle und das bis zum Letzten."

Anna, Konstanze, Martha – Frauen tragen diesen Film. Koschitz: "Was sofort auffällt, ist, dass diese Geschichte von für diese Zeit sehr modernen Frauen erzählt. Es kam mir am Anfang aber nicht so extrem vor, wie es jetzt in der Resonanz rüberkommt. Ich empfinde die Männer im Film nicht weniger präsent. Das gilt natürlich nicht für Anna Sacher, die für ihre Zeit eine revolutionäre Karriere als Frau gemacht hat."

Regisseur Robert Dornhelm: "Der Film ist ein Mosaik der Zeit um 1900 mit Bezügen zum Heute." Es geht um Neid, Rassismus, Verdrossenheit, Standesdünkel. "Man erkennt, ganz ohne Zeigefinger, dass die gleichen Emotionen wie schon einmal hochkommen." "Das Sacher" ist also "kein Besuch im Museum".