Kultur 05.12.2011

TV-Doku über den stotternden König

"Menschen & Mächte" (20.7.2011, 23.00, ORF 2) zeigt, wie der stotternde George VI. die britische Monarchie rettete.

Die Geschichte kennen wir. Heldensagen, Märchen, Hollywood. Dazu ein bisschen Psychoanalyse à la C.G. Jung: Der Held hat ein Problem, das er mithilfe eines Mentors im Laufe einer Abenteuerreise samt Ungeheuer überwindet. Davor ist er verzweifelt, danach ist er König.

Genau so war das bei George VI., dem stotternden König, der nach der Abdankung seines Bruders Edward an die Spitze des damaligen Weltreichs England treten musste. Ein Mann, der völlig unerwartet vor eine Situation gestellt wurde, in der er sich bewähren musste.
George, der unglückliche Held, überwand seinen inneren Dämon, die Sprachbehinderung, mithilfe seines Mentors, dem ungewöhnlichen Sprachlehrer. Niemand traute es ihm zu, außer der treuen Frau an seiner Seite, Queen Elizabeth.

Ein Stoff, aus dem Hollywoodträume gemacht sind. Und so war es auch: "The King's Speech", die britische Filmbiografie des Regisseurs Tom Hooper mit Colin Firth als George, Geoffrey Rush als Sprachlehrer Lionel Logue und Helena Bonham Carter als Königin Elisabeth ist zwar ein sehr englischer Kostümfilm, eroberte aber die Herzen Hollywoods im Sturm: Vier Oscars gab es 2011 dafür, unter anderem für Colin Firth als bester Hauptdarsteller.

Die "Menschen & Mächte spezial"-Dokumentation "Die wahre Geschichte der ,King's Speech'" von Zoe Loizou und Philip Armstrong-Dampier zeigt die Geschichte dieses Film-Welterfolgs, der einen entscheidenden Moment in der britischen, aber auch europäischen Geschichte markiert. Die britisch-amerikanische Dokumentation liefert mit
Originalmaterial den spannenden Hintergrund für den Oscar-Film, der voraussichtlich 2013 im ORF zu sehen sein wird.

König wider Willen

Als Prinz Albert, Herzog von York, am 11. Dezember 1936 erfuhr, dass sein Bruder Eduard VIII. dem Thron Großbritanniens entsagt und er, der Herzog, zu seinem Nachfolger ausersehen ist, stöhnte er: "Das ist ja entsetzlich. Ich habe mir die Krone nie gewünscht, ich bin völlig unvorbereitet." So beschreibt der englische Historiker John Wheeler-Bennett, wie Prinz Albert zu George VI., einem "König wider Willen", wurde.

Sein älterer Bruder Edward hatte die Krone für seine Liebe zur mehrfach geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson aufgegeben. Eine Affäre, die unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Welt tatsächlich bewegte und möglicherweise den Lauf der Geschichte veränderte. Edward hatte klare Sympathien für das Naziregime in Deutschland und besuchte später Adolf Hitler am Obersalzberg.

Mit der Krönung von George VI. wurde die Monarchie gerettet. Gerade ihm, dem schwachen "König wider Willen", war es beschieden, den englischen Thron nach der Eduard-Krise neu im Volk zu festigen.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011