APA13119028 - 07062013 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT KI - Peter Seiffert als "Tristan" und Nina Stemme als "Isolde" am Freitag, 07. Juni 2013, während der Fotoprobe von "Tristan und Isolde" (Premiere am 13.06.2013) in der Wiener Staatsoper. APA-FOTO: HANS KLAUS TECHT

© APA/HANS KLAUS TECHT

Kritik "Tristan"
06/14/2013

Wagner-Rausch, Isolden-Wunder

Der Staatsopernbeitrag zum Jubeljahr für den Komponisten geriet musikalisch zum Erfolg.

von Gert Korentschnig

Es ist dem geneigten, regelmäßigen und potenziellen Opern-Publikum von einem Ereignis zu berichten. Dieses trägt einen Namen, und der lautet Nina Stemme. Die schwedische Sopranistin, die zuletzt mit der Gestaltung aller Brünnhilde-Partien im Wiener „Ring“ die Wagner-Freunde, derer es so viele gibt, erfreute, ist seit Donnerstag an der Staatsoper als Isolde in Richard Wagners „Tristan und Isolde“ zu hören, nein, zu erleben.

Die sängerische Leistung erinnert an die ganz Großen dieses Faches, die man entweder von Liveauftritten oder nur noch von historischen Plattenaufnahmen kennt. Die meisten von ihnen, ohne herausragende Künstlerinnen gegeneinander auszuspielen, übertrifft Stemme sogar bei Weitem. An der Staatsoper oder vergleichbaren Operntheatern war jedenfalls schon viele Jahre, sogar Jahrzehnte eine Wagner-Sängerin mit einer solchen Intensität und stimmlichen Sicherheit nicht zu hören.

Phänomenal

Stemmes Sopran ist enorm groß und höchst dramatisch, im nächsten Moment aber zu feinsten Lyrismen fähig. Ihre Spitzentöne sind präzise und durchschlagskräftig, dabei aber nie schrill. In den mittleren und tieferen Lagen besticht ihre Stimme mit einem geradezu noblen, warmen Timbre. Man hat als Hörer nie das Gefühl, dass sie an ihr Limit gehen muss – auch wenn sie das bei dieser Partie selbstverständlich tut.

An ihrer Seite hält Peter Seiffert als exzellenter Tristan ebenso bis zum Ende tapfer durch. Und das, obwohl er von Beginn an ohne Sicherheitsnetz agiert und loslegt, als gäbe es kein Morgen. Im zweiten Aufzug, beim traumhaften Liebesduett „O sink hernieder, Nacht der Liebe“, singt er, als handle es sich um einen Schubert-Liederabend. Die Verbindung eines derart heldischen, metallischen Tenors mit hoher Phrasierungskunst ist sehr selten.

Fotos der Oper

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

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FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

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FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA

Meisterhaft

Mit solchen Protagonisten kann auch Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst am Pult des fabelhaften, höchst konzentrierten Staatsopernorchesters ins Volle greifen, ohne die Stimmen völlig zu überlagern. Bei anderen Sängern wäre dies wohl nicht gelungen, denn wenn man diesem Dirigat einen Vorwurf machen kann, dann den, dass das Ergebnis in manchen Passagen lautstärkenmäßig zu heftig ist. Was die dramatische Interpretation, die Farbenpracht, die so häufigen Modulationen, den beim „Tristan“ zu entwickelnden Sog betrifft, darf man getrost von einer dirigentischen und musikalischen Meisterleistung sprechen.

Dieses Orchester, in dem manch junger Philharmoniker dieses Werk zum ersten Mal spielte, ist weiterhin eine erste Instanz für dieses Fach. Man versteht, warum der vor 200 Jahren geborene Wagner seinen „Tristan“ in Wiener Klangkultur herausbringen wollte – wozu es nach 77 Proben leider nicht kam.

Von den restlichen Sängern kann nur noch Stephen Milling als profunder König Marke überzeugen. Jochen Schmeckenbecher (Kurwenal), Janina Baechle (Brangäne) und vor allem Ejiro Kai (Melot) fallen ziemlich ab. Baechle ist von der Ausstattung (Robert Jones) leider auch in ein schreckliches Zelt gesteckt, Schmeckenbecher agiert szenisch phasenweise wie ein leicht trunkener Papageno.

Apropos Rauschzustände: Welser-Möst gibt sich der Musik völlig hin und dirigiert erfreulich emotional. Und auch Stemme und Seiffert lassen sich in das Werk fallen, in dem es, auf gut wienerisch gesagt, ums gegenseitige Schönsaufen mit anschließendem Liebestaumel bis zum letalen Ende geht.

Über die Inszenierung von David McVicar würde man gerne detailliert berichten – nur gab es davon nicht allzu viel. Die Personenführung ist wie aus dem Katalog für historische Operngesten. Die an zentralen Stellen eingesetzten Tänzer wirken lächerlich – es handelt sich ja nicht um „Tristan – das Musical“. Optisch wähnt man sich zunächst auf einer Schiffsgrottenbahn im Prater und dann in einer schlechten Kopie eines Entwurfes von Karl Friedrich Schinkel mit Riesenmond und Sternen.

Enttäuschend

Dass im ersten Aufzug die Sänger immer wieder von Bord eines Schiffes gehen, das noch auf hoher See sein soll, ist unlogisch. Die Szene mit dem Liebestrank ist verschenkt. Und nicht einmal mit Licht werden besondere Stimmungen erzeugt. Das Beste, das man über diese Regie sagen kann, ist, dass sie repertoiretauglich ist. Das bedeutet, man kann in Zukunft jeden Sänger auf die Bühne stellen, und er wird sich mit anderswo einstudierten Bewegungen drüberretten.

Fazit: Ein Traumpaar auf der Bühne

Das Werk: Richard Wagners „Tristan und Isolde“, eine „Handlung in drei Aufzügen“, hätte ursprünglich in Wien uraufgeführt werden sollen. Nach vielen Problemen bei den Proben wurde die Premiere abgesagt. 1865 kam die Oper, die das Tor zur Atonalität erstmals aufstieß, in München heraus. Es geht um den Liebestrank, den Brangäne ihrer Herrin Isolde und Tristan serviert – was für fast alle letal endet.

Die Produktion: Franz Welser-Möst dirigiert das brillante Staatsopernorchester, Nina Stemme ist bestechend als Isolde, Peter Seiffert famos als Tristan. Weitere Aufführungen am 18., 22., 26. und 30. Juni und dann ab September.

KURIER-Wertung: **** von *****

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