© Laura Owens/ Foto Jorit Aust

Ausstellung
07/10/2015

Trauen Sie keiner Zeitungsseite!

Die faszinierenden Bilder von US-Künstlerin Laura Owens in der Secession - bis 30.8.

von Michael Huber

Sie haben es sicher schon oft gehört, aber es ist wahr: Die gedruckte Zeitung wird überleben. Notfalls als Abdichtung in einer Dachkonstruktion. Aus einer solchen zog die US-Künstlerin Laura Owens nämlich während einer Renovierung zufällig Druckplatten der Los Angeles Times aus dem Jahr 1942 hervor. Nachrichten aus dem Verlauf des Zweiten Weltkriegs, direkt platziert neben Lokalnachrichten und Werbungen für Maßanzüge oder Zahnpasta, bildeten dabei ein faszinierendes Potpourri.

Die großformatigen Gemälde und Künstlerbücher, die Owens nun in der Wiener Secession zeigt (bis 30. August), basieren auf diesen Funden. Aber sie sind weit mehr als monumentalisierte Zeitungsdrucke, wie man sie etwa von Andy Warhol und anderen Pop-Künstlern kennt: Owens, die bei der Genese ihrer Bilder auch mit digitalen Hilfsmitteln arbeitet, treibt statt dessen ein grandioses Verwirrspiel mit den eingelernten Vorstellungen, wonach eine Zeitungsseite eine schlüssige Einheit darstellt.

Alles ist Montage

Bei Owens ist alles Collage und Montage: Einzelne Bilder scheinen aus den Zeitungsseiten herausgeschnitten und geben den Blick auf ein „Dahinter“ frei, wo sich oft lockere, großformatige Zeichnungen – vielleicht ein Baum, vielleicht ein Akt – erkennen lassen. Teile der Seiten erscheinen immer wieder wie zerschnitten und neu zusammengesetzt, in manchen Bildern wurden illusionistische „Wassertropfen“ auf die Oberfläche gemalt, die die Schrift optisch verzerrt erscheinen lassen.

Nicht nur in konzeptueller, sondern auch in handwerklicher Hinsicht sind die Bilder, die teils in Siebdruck-Technik, teils mit großzügigen Strichen und teils in akribischer Feinmalerei entstanden, brillant. Als Betrachter vertieft man sich in immer neue Details, erkennt immer neue Hakenschläge und Täuschungen.

Denn auch auf einer inhaltlichen Ebene führt die Geschichte mit dem Fund der alten Druckplatten in die Irre: Nicht nur, dass einige Artikel völlig absurd anmuten oder unvermittelt abbrechen, es finden sich auch Anzeigen mit Internet-Adressen im vermeintlich antiken Printprodukt, dazu Männerbilder des schwulen Illustrators „Tom of Finland“, die 1942 unmöglich in dieser Form erschienen sein können.

Owens’ Bilder sind ein permanenter Aufruf, der scheinbaren Schlüssigkeit von Bildern und Medien zu misstrauen – zugleich zerpflücken sie auch das Multitasking zwischen Fenstern und Ebenen, das man gern mit der heutigen digitalen Medienwelt assoziiert.

Dass die Künstlerin ihre Reflexionen an die Bildwelt alter Zeitungen und Werbungen anknüpft, lässt die Werke auch als kunsthistorischen Lichtblick erscheinen: Derlei Material schien durch die Pop Art dermaßen vereinnahmt, dass jeder Zugang dazu rasch als Retro-Schmäh erschien. Owens’ malerische Montagen sind dagegen frisch und aufregend. Als Zeitungsjournalist und -leser muss man die Bilder wohl sowieso lieben.

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