Kultur 27.02.2015

Träume von der Katze

Der Grazer Manfred Rumpl schreibt über den Nobelpreisträger aus Erdberg © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Manfred Rumpls Roman über den Nobelpreisträger.

Von Erwin Schrödinger (1887 - 1961) weiß man, dass er die Quantenmechanik begründet und den Nobelpreis für Physik gewonnen hat. Vor der Euro-Einführung Geborene kennen Schrödinger vom Tausend-Schilling-Schein. Und dann war da noch die Sache mit der Katze...

Der Grazer Autor Manfred Rumpl hat nun eine Romanbiografie über das Leben des Physikers aus Wien-Erdberg geschrieben, die nicht zuletzt die privaten Seiten dieses umtriebigen "homme à femmes" beleuchtet.

Von Christoph Ransmayrs Polarexpeditionsroman "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" bis zu Daniel Kehlmanns Theaterstück "Geister in Princeton" über den Logiker Kurt Gödel: Die Literatur hat einen Hang zur Wissenschaft. Auch Schrödinger war bereits Thema von Romanen. Sein gelinde gesagt bewegtes Leben sei geradezu ideal dafür, sagt Rumpl, der zur Recherche Schrödingers Lebensorte bereiste und die im Roman beschriebenen physikalischen Überlegungen von Fachleuten gegenlesen ließ. Auch da gibt es Interpretations-Spielraum: Oft hat man sich gefragt, wie Schrödingers berühmte Katzen-Metapher entstanden ist. Rumpl beschreibt sie als Ergebnis eines Pub-Besuchs in Oxford, auf dessen Heimweg ihm die Katze erschienen sein soll.

Ménage à trois

Geradezu filmreif liest sich Schrödingers Liebesleben: "Er war sehr unkonventionell", sagt Rumpl. Ausführlich erzählt er von Schrödingers ungewöhnlichem Privatleben zwischen Wien, Oxford, Princeton, Dublin, Zürich und Alpbach. So lebte Schrödinger während seiner Lehrtätigkeit in Oxford unter Duldung seiner Frau Anny jahrelang in einer Ménage à trois mit seiner Frau und seiner Gefährtin, der Tochter eines Kollegen, ebenfalls Physiker in Oxford. Aus dieser Beziehung stammt eine Tochter. Nebenbei hatte Schrödinger wechselnde Affären mit Studentinnen und einer Schauspielerin– aus denen zwei weitere Kinder stammen.

Thematisiert wird auch Schrödingers Freundschaft zu Albert Einstein, die durch einen Kniefall vor den Nazis in einem opportunistischen Leserbrief an die Grazer Tagespost getrübt wurde. "Viele Kollegen haben ihm das sehr übel genommen, allen voran Einstein." 1961 starb Schrödinger in einem Wiener Spital an Tuberkulose. Glaubt man Rumpls leicht zu lesendem populärwissenschaftlichen Roman, haben ihn zuletzt die Erinnerungen eingeholt. An seinen Kollegen Einstein, an seine Frau Anny – und an die Katze, die ihm einst in Oxford erschienen sein soll.

Manfred Rumpl: „Reisende in Sachen Relativität.“ Picus. 289 Seiten. 22,90 Euro.

Erstellt am 27.02.2015