"Tour de France": Werbetour für mehr Toleranz

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Foto: /FILMladen Gérard Depardieu rauft sich als Wutbürger mit Rapper zusammen

Sympathisches Multi-Kulti-Roadmovie mit Gérard Depardieu.

Gérard Depardieu, der französische Schauspiel-Titan, kann seiner alten Heimat seit einiger Zeit nicht mehr viel abgewinnen. Jetzt mischt er sich dennoch mit einem politischen Roadmovie in die französischen Präsidentschaftswahlen ein. Er verkörpert höchst gewichtig – um nicht zu sagen übergewichtig -– die Widersprüche der gespaltenen Republik, indem er dem Globalisierungsverlierer Serge seine in die Breite gegangene, aber immer noch faszinierende Visage leiht.

Auch charakterlich weist der Protagonist des Films viele Parallelen zu seinem Darsteller auf: Serge hat einen Gefängnisaufenthalt hinter sich, weil er eine Fabrik angezündet hat. Er wollte sich damit für die Entlassung der gesamten Belegschaft rächen.

Aufsässig

Ähnlich rebellisch war der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Gérard Depardieu. Er war ein aufsässiger Schüler, ging mit zehn Jahren auf den Strich und verscherbelte Schmuck, den er als Grabräuber erbeutet hatte. Auch als Lehrling in Paris blieb Depardieu der erfolglose Prolo aus der Provinz – bis ihn die Liebe zur Schauspielerei packte und er für die Leinwand entdeckt wurde. Der Franzose mit der unverwechselbaren Physiognomie ist seither aus der französischen Filmgeschichte nicht mehr wegzudenken.

Putin

Depardieu hat angeblich noch nie gewählt, was ihn freilich nicht davon abhält, sich mit Politikern unterschiedlichster Lager zu befreunden. Dem scheidenden französischen Präsidenten François Hollande hingegen weint er keine Träne nach.

Als dieser 2012 eine "Reichensteuer" forderte, nahm Depardieu die russische Staatsbürgerschaft an – ein medienwirksamer Coup, den Wladimir Putin entsprechend effektvoll zu inszenieren wusste.

Kultur-Clash

Der von Depardieu dargestellte Serge ist im Gefängnis zum Hobby-Maler geworden und will nun die wichtigsten Häfen in Öl pinseln. Eigentlich sollte er auf dieser Reise von seinem Sohn Bilal begleitet werden – einem zum Islam konvertierten Musikproduzenten. Dieser zwingt dem Vater aber einen seiner Klienten als Begleiter auf: Den arabischstämmigen Rapper Farouk, der wegen einem Streit mit einer verfeindeten Pariser Gang untertauchen muss.

Hasstirade

"Dein Radio ist voller Scheiße", beschwert sich Farouk, als er eine Hasstirade gegen Ausländer mithören muss: "Die Wahlen kommen, jetzt machen sie die Leute verrückt, damit sie zu Rassisten werden."

"Als ob dazu das Radio nötig wäre", ätzt Serge zurück: "Dafür sorgen die Islamisten schon selbst."

Das Finden eines gemeinsamen kulturellen Nenners fällt schwer.

Zum Glück gibt es melancholische Chansons, die Serge und Farouk beide auswendig kennen und gemeinsam singen – das verbindet.

Obwohl Gérard Depardieu den Gesinnungswandel des verbohrten Franzosen überzeugend mimt, bleibt der Film in Klischees stecken – was angesichts des wichtigen Themas besonders schade ist.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: Tour de France. F 2017. 95 Mi. Von Rachid Djaidani. Mit Gérard Depardieu, Sadek, Louise Grinberg.

KURIER-Wertung:

"The Founder"

McDonald’s - Mit Fast Food zum Turbo-Kapitalisten

Michael Keaton brilliert als McDonald's-Gründer.

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Foto: /Einhorn Filmverleih

"Wer eine Lizenz von McDonald’s bekommt, wird Millionär." An diesem Slogan scheinen sich die Macher dieses Films orientiert zu haben – wohl in der Hoffnung, dass die Erfolgsgeschichte des Burger-Königs auch die Kinokassen klingeln lässt.

Aber kann Popcorn-Kino nach Fast-Food-Regeln funktionieren?

Der aus Illinois stammende Vertreter Ray Kroc wurde jedenfalls Milliardär. Er machte aus dem Laden der Gebrüder McDonald ein Mega-Business, bei dem er die Namensgeber eiskalt über den Tisch zog. Eine amerikanische Erfolgsgeschichte? Auf jeden Fall eine, die viele Burger-Fans nicht kennen. Nach dem Motto: Im Krieg, in der Liebe und bei McDonald’s sind (fast) alle Mittel erlaubt. Michael Keaton spielt den ambivalenten Filmhelden phänomenal, was dem Film das Problem beschert, dass man sich ungern mit dem "Helden" identifiziert.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2016. 115 Min. Von John Lee Hancock. Mit Michael Keaton, Nick Offerman.

KURIER-Wertung:

"Die Frau im Mond"

Fiebrige Sexualität und unerfüllte Sehnsüchte

Süßliches Melodram mit Marion Cotillard.

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Foto: /Constantin

Der Film basiert auf dem Erfolgsroman der italienischen Autorin Milena Agus. Die Handlung wurde von Sardinien in die französische Provence verlegt. Mit ihrer ständigen Suche nach der großen Liebe und ihrer fiebrige Sexualität macht Gabrielle den Dorfbewohnern Angst. Sie stellt sich nackt ins Fenster, wenn die Arbeiter abends von den Lavendelfeldern zurückkommen und liebkost nachts im Bett ein Buch mit der Zunge, das ihr der Dorflehrer geliehen hat. Schließlich gibt ihre Mutter einen spanischen Wanderarbeiter Geld, damit er die verrückte Tochter heiratet und wegschafft. Als Gabrielle erkrankt, trifft sie im Sanatorium den Soldaten André . Von ihm bekommt sie den Sex, den sie immer wollte – bis er das Sanatorium verlässt. Ein kraftvolles Drama über eine starke Frau hätte daraus werden können, aber die Regisseurin machte daraus ein süßliches Melodram.

Text: Gabriele Flossmann

INFO:  Die Frau im Mond. F 2016. 120 Min. Von Nicole Garcia. Mit Marion Cotillard, Louis Garrel, A. Brendemühl.

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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