Rhythmus pur: Die Tänzer aus dem Kongo sprühen vor Lebensfreude

© Chris Van der Burght

Tolles Ansingen und Anspielen gegen den Tod
06/11/2014

Tolles Ansingen und Anspielen gegen den Tod

Kritik:"Coup Fatal" von Alain Platel im Rahmen der Wiener Festwochen an der Burg.

Und wieder gelang Markus Hinterhäuser ein spannender Blick auf das zeitgenössische Musiktheater: Die umjubelte Uraufführung von Alain Platels "Coup Fatal" in Kooperation mit dem Burgtheater und dem Tanzquartier im Burgtheater zeigt erneut, wie packend neue Formen von Musiktheater mit ungewöhnlichen Zugängen zur Tradition sein können.

Blick von außen

Die Form von "Coup Fatal" ("Todesstoß") entspricht einem choreografischen Konzert. Nicht umsonst steht Platel beim Schlussapplaus bescheiden auf der Seite. Auch als Regisseur und Choreograf tritt er zugunsten der außergewöhnlichen Künstler aus dem Kongo in den Hintergrund, sorgte aber für einen Blick von außen. Idee und Konzept zu einem auf barocker europäischer Musik basierenden Stück mit afrikanischen Interpreten stammen von Paul Kerstens und vom kongolesischen Countertenor Serge Kakudji.

Unter der musikalischen Leitung Fabrizio Cassols, der ähnlich wie Platel diesmal als Mediator agiert, und Rodriguez Vangama als Dirigent und E-Gitarrist verschmelzen Werke von Monteverdi über Händel, Vivaldi bis Gluck in ihrer Darbietung durch kongolesische Musiker mit ihren Instrumenten und Stimmen zu einer so noch nie gehörten zeitgenössischen Komposition. Ein reizvoller Kontrapunkt zu Originalklangströmungen, der den Duktus und die rhythmischen Strukturen des Barock enthusiastisch aufgreift.

Ebenso energiegeladen tritt das kongolesische Männerensemble auch als Tänzer und Schauspieler auf. Von Platel stammt die Idee, die Bewegungssprache der "Sapeurs" aus Kinshasa einfließen zu lassen. Sie leben Kunst im Alltag, indem sie mit flippiger, meist selbst entworfener Mode auf der Straße Modeschauen nachstellen.

Die subtile Gesellschaftskritik in ihrer Haltung und plakative Umsetzung in der Kleidung als Möglichkeit zur Opposition in einer jahrzehntelangen Diktatur tritt ans Tageslicht, auch wenn manchmal haarscharf an Klischees vorbeigeschrammt wird.

Die Präsenz des Todes spiegelt das Bühnenbild Freddy Tsimbas wider. Die ans Varieté angelehnten Bühnenvorhänge bestehen aus Patronenhülsen. Doch der Sieg geht am Ende nicht an den Tod, sondern an die Freude am Leben.

KURIER-Wertung:

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