Kultur
06.01.2013

Tim Fischer: Kultivierte Boshaftigkeit

"Das war gut!" - Tim Fischer mit Georg-Kreisler-Liedern am 6. 3. im Theater Akzent- Plus: Weitere Kabarett-Highlights 2013.

Am Anfang hat ihm schon „gegraust, diese wahnsinnig komplizierten Texte zu lernen. Denn da saß ein Riesenmonster vor einem. Aber man lässt sich dann doch ganz gerne fressen“, sagt Tim Fischer im KURIER-Gespräch im Kempinski am Kurfürstendamm in Berlin.

„Der schwarze Stern“

Bei ihm wusste der im November 2011 gestorbene Georg Kreisler seine Kunst in guten Händen. Schließlich wollte der deutsche Chansonnier vom „König des schwarzen Humors“ die „Fackel der kultivierten Boshaftigkeit“ übernehmen und zum Leuchten bringen.

Kreisler ist und bleibt der schwarze Stern am Firmament“, sagt Fischer. „Ich liebe seinen Scharfsinn und seinen analytischen Blick auf die Welt, der in seinen Liedern zum Ausdruck kommt. Ich habe das große Bedürfnis, seinen großartigen Humor weiterzuvermitteln, quasi weiterzutragen. Also keine Anbetung der Asche, aber ein Weiterreichen des Feuers.“ Mit Fischer hat Kreisler das Ein-Mann-Musical „Adam Schaf hat Angst“ (2007) auf die Bühne gebracht. Das Programm „Gnadenlose Abrechnung“ (2009) hat er ihm mit 86 Jahren bissig wie eh und je auf den Leib geschrieben.

„Ich hab’ dich zu lieben vergessen“ hieß es da, oder „Zu Hause ist der Tod“. Mit analytischem Blick ging es dabei allem und jedem an den Kragen: Politikern und Millionären, dem Tod und der Liebe. Sogar der Sinnlosigkeit war ein Song gewidmet.

„Das war gut!“ – mit Tim Fischer und seinem Pianisten Rüdiger Mühleisen am 6. März im Theater Akzent – ist eine Art Best-of-Kreisler. Es zelebriert die zeitlose Aktualität seiner Bösartigkeiten. Aber nicht nur.

Fischer: „Diesmal konnte ich auch ein paar Lieder ins Repertoire packen, die bisher nicht gepasst haben und die ich schon lange singen wollte.“ Etwa „Du hast ja noch dein Grab“ vom Album „Allein wie eine Mutterseele“, ein Lieblingslied Fischers.

Ohne Glamour und ohne große Show. Die Bewegungen kommen allein aus der Stimme, dem Gesicht, der Mimik des Entertainers. Nichts soll ablenken von den bösen, beißenden Texten, die zum Lachen reizen und manchmal tieftraurig sind.

Tim Fischer macht das so grandios, dass man sich vor ihm nur verneigen kann. Für Fans des politischen Kabaretts ist dieser Abend ein Muss“, schrieb ein Kritiker nach der Premiere von „Das war gut!“ in Düsseldorf.

Spaß mit Tiefgang

„Sehr schwer war die Auswahl von Kreislers Liedern, die von A bis Z hohe Qualität haben. Da ist es nicht leicht, einzelne Stücke herauszupicken“, sagt Fischer.

Ins Programm geschafft hat es neben vielen politischen Liedern auch so manch lustiges Stück. „Denn wir wollen ja keine Schulstunde abhalten. Die Auswahl der vom wienerisch-jüdischen Humor geprägten Chansons – für mich die schärfste Komik überhaupt – lässt sich am besten als Spaß mit Tiefgang beschreiben.“

INFO: Am 6. März im Theater Akzent, Wien 4, Theresianumgasse 18, Karten: 01/501 65-3306

www.akzent.at

www.timfischer.de

Kleinkunst ganz groß – und aktuell: Die neuen Programme, die nächsten Premieren


Demnächst auf Österreichs Bühnen: Michael Eibensteiner erzählt auf der Suche nach der Wahrheit „Durch die Blume – Eine Geschichte“ (10. 1.; Niedermair).

„Migration ja, aber bitte nur an Werktagen von 8 bis 18 Uhr.“ Österreichische Durchschnittsansichten verarbeitet Ludwig Wolfgang Müller in „Herr Müller und die Dönermonarchie“ (11. 1.) im Theater Akzent.

„Was sind die Spielregeln fürs Leben? Und wo kann ich sie downloaden?“, fragt sich Nadja Maleh im Solo „Jackpot“ (24. 1.; Stadtsaal). Dort vollführt Comedian Rick Kavanian einen „Egostrip“ (5. 2.) und der Lakoniker am Klavier Hagen Rether „Liebe“ (5. 4.). „Unter Geiern – Über Bankster & andere Ganoven“ (28. 1.; Niedermair) ist I Stangl jetzt seine eigene Privatstiftung. Österreich-Premiere hat Sigi Zimmerschied mit „Multiple Lois – Einwürfe eines Parasiten“ (9. 4.; Niedermair).

Im Orpheum servieren Weinzettl & Rudle „Kalte Platte“ (11. 2.) und Nina Hartmann „Unisex“ (28. 2.); und Joesi Prokopetz unterhält mit „Die Schöpfung – eine Beschwerde“ (11. 3.).