Theater ständig neu erfinden

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Foto: Reinhard Maximilian Werner Die Burg bringt Jelineks Eurydike-Stück auf die Bühne: „Der Text wehrt sich ständig dagegen, inszeniert zu werden“ (im Bild: Yohanna Schwertfeger, eine von sieben Eurydikes).

Mit Elfriede Jelineks „Schatten (Eurydike sagt)“ beginnt ein spannendes Theaterjahr.

Die erste ganz große Premiere des neuen Theaterjahres findet nächsten Donnerstag im Akademietheater statt: Burgdirektor Matthias Hartmann inszeniert Elfriede Jelineks Text-Gewitter „Schatten (Eurydike sagt)“.

Jelinek geht vom bekannten Orpheus-Mythos aus (der gefeierte Sänger will seine geliebte Frau aus dem Totenreich holen), wechselt aber die Perspektive: Bei ihr ist Eurydike – sonst nur sprachloses Objekt der Begierde – am Wort. Und die verweigert sich: „Das Größte aber ist, nicht geliebt zu werden und nicht zu lieben.“

Hartmann schickt nicht eine, sondern sieben Eurydikes auf die Bühne: „ Ich kann auf diese Weise die Mischfigur, die diese Eurydike ist, besser erzählen – es geht da auch um den Bericht einer kollektiven Erfahrung.“ An Jelineks Stück fasziniert ihn ihr ungewöhnlicher Blick auf diesen Mythos der großen Liebe von Orpheus und Eurydike: „Jelineks Eurydike ist eine moderne Frau, sie glaubt nicht an die Liebe und will sich keiner männlichen Projektion unterwerfen. Sie erhebt sich selber zur Autorin ihrer Geschichte und schreibt sie radikal um. ,Um nichts im Tod‘ will sie zurück zu ihrem Sängergatten.“

Hartmann sagt, der „sprachgewaltige Monolog“ habe ihn zunächst überfordert, aber dann genau deshalb nicht mehr losgelassen: „Der Text wehrt sich ständig dagegen, inszeniert zu werden, er verweigert sich ja den Bildern, wir aber brauchen Bilder und Situationen auf der Bühne.“ Und genau diese Diskrepanz interessiere ihn. „Da muss ich als Regisseur wirklich auf die Suche gehen, aber ich hüte mich davor, zu behaupten, so oder so inszeniert man Jelinek. Ob das aufgeht, was wir da gerade ausprobieren, wird sich zeigen.“ Jelinek gebe „gute Tipps per eMail“.

Hartmann geht frohgemut in das neue Spieljahr: „In der nächsten Zeit werden wir den großen Meistern des Theaters und sensationellen Schauspielern genauso viel Raum geben, wie dem ständigen Versuch, Theater für unsere Zeit neu zu erfinden.“

Multikulturell

Auch Michael Schottenberg, Direktor des Volkstheaters, hat 2013 viel vor: „Die Zukunft ist multikulturell. Die Kunst, das Theater, die Musik waren es immer. Sie sind Orte, die Atmosphären und eine Sprache für Menschen aller Communities schaffen.“ Er wolle „den Brückenschlag zwischen Realität, Spielräumen und den Kontinenten im Kopf bilden“. Neu sei das Projekt HUNDSTURM: „Arbeits- und Kommunikationsraum für die Jugend, Symbiose von KünstlerInnen und Publikum und Heimat für nachhaltiges Theater.“

Ähnlich tatendurstig ist Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger: „Ich freue mich auf einen Uraufführungsreigen, denn unser Publikum erwidert zunehmend diese Freude an gesellschaftsrelevanten Geschichten.“ Die Uraufführung von Peter Turrinis „Aus Liebe“ über einen Mann, der seine Familie auslöscht und „Speed“ von Zach Helm über den Kampf einer Frau in unserer Gesellschaft „verhandeln Phänomene unserer Zeit“. Und Felix Mitterers „Jägerstätter“ erzähle ein historisches Schicksal, „allerdings vor einem ,geistigen‘ Hintergrund, der gut ins Wahljahr 2013 passt, in dem wir sicher wieder mit rechtspopulistischen Gedankengut gequält werden.“

Ab Sommer beginne die Josefstadt mit dem „Jahrhundertprojekt“ der Kammerspiele-Generalsanierung.

(kurier) Erstellt am
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