Kultur
11.01.2013

Einmal die Erde von oben aus betrachten

Thomas Birkmeir lässt uns sogar übers Kranksein lachen.

Es ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit: In einem Theater für Kinder und Jugendliche von zwei Teenagern zu erzählen, die todkrank sind. Die nur mehr wenige Monate zu leben haben, bis der Krebs sie besiegt hat. Theater soll in diesem Alter ja unterhalten, zum Denken anregen, die Fantasie beflügeln, aber nicht verstören. Das kommt erst später.

Umso verblüffender und – im positivsten Sinn – überraschender ist es, was Thomas Birkmeir aus Sally Nichols’ Roman „Wie man unsterblich wird“ gemacht hat. Er erzählt im Theater im Zentrum die traurige Geschichte der beiden Teenies Sam und Felix so unkitschig und zärtlich, dass das ernste Thema gar nicht mehr vordergründig wirkt. So lange der Mensch lebt, soll er nach vorne blicken und Pläne schmieden, ist seine Botschaft. Und wenn es noch so unmögliche Wünsche sind wie Luftschiff-Fahren oder Die-Welt-von oben-aus-betrachten: Man braucht ein Ziel.

Stefan Rosenthal und Joe Ellersdorfer als Sam und Felix spielen nicht zwei Leidende, sondern Optimisten trotz allem. Man lacht mit ihnen über ihre Schwächen und hat kein schlechtes Gewissen.

Auch Tanja Raunig ist perfekt besetzt: Als Sams kleine Schwester Ella trifft sie das Gehabe eines pubertierenden Mädchens auf den Punkt.

„Wie man unsterblich wird“ macht einen froh, obwohl es ein trauriges Stück ist. Eine wunderbare Geschichte über den Tod.

KURIER-Wertung: **** von *****