Eine unmögliche Liebe: Joseph Kaiser (li.) als Peter Grimes und sein „Gehilfe“ (Gieorgij Puchalski)

© /Theater an der Wien/Monika Rittershaus

Kritik
12/14/2015

"Peter Grimes": Verbotene Liebschaften

Brittens Oper im Theater an der Wien – musikalisch wie auch szenisch ein verstörendes Ereignis.

von Peter Jarolin

Darf man den einzigen Einwand gleich zu Beginn formulieren? Es ist unendlich schade, dass diese Neuproduktion von Benjamin Brittens Meisterwerk "Peter Grimes" nur noch vier Mal (bis 22. Dezember) im Theater an der Wien zu sehen ist.

Denn mit diesem "Peter Grimes" zeigt das Theater an der Wien einmal mehr, dass es in der internationalen Top-Liga der Opernhäuser mitspielt. Und das hat in diesem Fall mehrere Gründe. Zuerst hat Regisseur Christof Loy das Drama um den fischenden Außenseiter Peter Grimes, dessen Gehilfen unter mehr als fragwürdigen Umständen ums Leben kommen, beim Wort genommen. Abseits aller Seemannsgarn-Romantik erzählt Loy im radikal reduzierten Bühnenbild von Johannes Leiacker (ein in den Orchestergraben ragendes Bett, bei Bedarf ein paar Stühle) als stringente, bittere Coming-out-Geschichte.

Dunkle Seite der Liebe

Grimes ist hier – wie übrigens auch Britten – ein Homosexueller, aber einer mit sehr dunklen Seiten. Der ihn gegen die bigotte, seelisch verlumpte, wie ein Mob agierende Dorfgemeinschaft verteidigende Balstrode hingegen unterdrückt seine homoerotischen Gefühle. Die Grimes liebende (?) Lehrerin Ellen Orford gibt sich im strengen Hosenanzug (Kostüme: Judith Weihrauch) wie ein "besserer Mann". Unangepasste sind sie alle! Eine Art Stricher (grandios der Tänzer Gieorgij Puchalski) wird Grimes und wohl auch Balstrode letztlich zum Verhängnis.

Das alles ist großartig, im Einklang mit der Musik choreografiert und geht in seiner kompromisslosen Direktheit unter die Haut.

Dass dieser Britten aber so wirkt, liegt auch an der musikalischen Seite. Denn das fabelhafte ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung seines Chefdirigenten Cornelius Meister läuft zur Höchstform auf, modelliert die Musik in aller Schärfe, Klarheit, aber auch Sinnlichkeit perfekt aus. Meister kostet die vollendete Musik Brittens genial aus; der überragende Arnold Schoenberg Chor trägt das Seine zu einem veritablen Triumph bei.

Und die Sänger? Joseph Kaiser ist ein ausdrucksstarker Peter Grimes, dessen Tenor nur selten forciert klingt. Agneta Eichenholz singt und spielt eine betörende Ellen Orford – auf die Sopranistin darf man sich in weiteren Partien freuen. Wie auch auf Andrew Foster-Williams, der einen hinreißenden Balstrode gibt. Hanna Schwarz, die große Rosalind Plowright, Andreas Conrad und Stefan Cerny führen ein gutes Ensemble an. Einhelliger Jubel! Bravi!

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