Die Jury: Samu Haber, Yvonne Catterfeld, Michi Beck und Smudo (v. links)

© /ProSieben/Richard Hübner

The Voice of Germany
10/20/2016

"The Voice": Glühend auf Wolke sieben

Heute startet die sechste Staffel (20.15, ProSieben). Eine Würdigung der etwas anderen Castingshow.

von Anna Gasteiger

Der Fernsehherbst 2011: Puls 4 suchte "Popstars" und fand Kilmokit (nein, das gibt es nicht im Baumarkt zu kaufen). ProSieben bereitet die siebte Staffel von "Germany’s next Klum-Klon" vor, und RTL stand kurz vor der Ausstrahlung von "Bohlen sucht ein gefälliges One-Hit-Wonder, IX". Noch eine Casting-Show erschien so notwendig wie ein Pickel vor dem ersten Auftritt.

Doch dann kam "The Voice" und es war Liebe auf den ersten Blick. Heutzutage werden sogar Modelshow-Teilnehmerinnen gesiezt; in den wilden Hoch-Zeiten des Menschenerniedrigungswahns schien es undenkbar, dass man zu Castingshow-Kandidaten nett sein und trotzdem eine unterhaltsame Sendung herstellen kann.

"The Voice" konnte: Talentierte Sängerinnen präsentierten sich einer Jury, die mit dem Rücken zu ihnen saß. Es zählte also, eine echte Erleichterung, nicht das Aussehen. Zumindest ein paar Minuten lang. Welt und Saalpublikum lagen der Dicken mit der unvorteilhaften Hose und der Wahnsinnsstimme zu Füßen – bis in Form eines leichten Funkelns der Enttäuschung in den Jurorenaugen die Ernüchterung kam: Wahnsinnsstimme, aber ... unvorteilhafte Hose.

Wolke sieben

Die obligatorische Leider-Nein-Rubrik wurde gestrichen, und Sympathie verdrängte Spott und Häme als vorherrschende Gefühlslage. Alle hatten einander sehr, sehr lieb. Die Juroren die Künstler, die Künstler die Juroren, die Juroren die Juroren, die Künstler die Moderatoren usw. Unvergessen Jurorin Nena, die glühend vor Anteilnahme und Begeisterung auf ihrer eigenen Wolke sieben durch die ersten drei Staffeln schwebte. Auf einer ganz anderen: Xavier Naidoo (siehe Bericht rechts).

Die Dramaturgie der "Blind Auditions" – mehrere Minidramen hintereinander, die immer gleich aufgebaut waren: Vorstellung des Kandidaten, Auftritt, Warten auf die Reaktion der Jury, abschließendes Geplänkel – kam dem Mediennutzungsverhalten aufmerksamkeitsdefizitärer Multitasker entgegen.

Insgesamt: Der seltene Fall einer televisionären Win-Win-Win-Situation (gut für Sender, Zuschauer und Teilnehmer). Die etwas anspruchsvollere Castingshow, deren Konsum man auch im Freundeskreis nicht verheimlichen musste, wurde zum Überraschungserfolg und erlebte in den folgenden Jahren mehrere Neuauflagen.

Staffel sechs

Heute startet die sechste Staffel. Ohne Jury-Urgestein Rea Garvey, dafür kehrt Sunrise-Avenue-Sänger Samu Haber zurück. Yvonne Catterfeld folgt auf Stefanie Kloß von Silbermond, Michi Beck und Smudo sowie Andreas Bourani sind weiter dabei. Ein Pop- Super- oder sonstwas Star wird auch diesmal nicht herauskommen, daran glauben anno 2016 nicht einmal mehr die Omas der Teilnehmer ernsthaft (Vorjahressiegerin Jamie-Lee Krievitz brachte es immerhin zum ehrenvollen letzten Platz beim Song Contest). Aber mit ein paar hübschen Stunden Fernsehen ist wieder zu rechnen. Und das ist auch viel wert.

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