Kultur
31.12.2011

"The Philharmonics" - Musik in der Luft

"Wien ist toll": Filmemacher Werner Boote über seinen Pausenfilm zum Neujahrskonzert (Sonntag, 11.50 Uhr, ORF 2).

Wien ist so wenig kleinbürgerlich, dass hier sogar die alten Damen beim Hunde- äußerln-Führen abheben und eine Runde über den Dächern der Stadt drehen. Das ist, kurz gefasst, die Quintessenz von Werner Bootes filmischer Liebeserklärung an Wien. "Musik in der Luft" wird als Pausenfilm des Neujahrskonzerts am 1. Jänner TV-Premiere feiern.

Filmemacher Boote ("Plastik Planet") lässt für seinen Film, der in der ganzen Welt zu sehen sein wird, Damen mit Hund, einen Straßenkehrer (den er, frei nach Hitchcock-Vorbild, selber darstellt) und Touristen durch die Luft schweben. Die musikalischen Leiter der luftigen Entdeckungsreise sind "The Philharmonics". Sonntag, 11.50 in ORF 2, Wiederholung am 6. 1. in der Feiertagsmatinee (9.35). Das Neujahrskonzert selbst startet am Sonntag um 11.15 Uhr.

KURIER: Wie kam es zum Film?
Werner Boote:
Ich wollte schon vor zehn Jahren den Film fürs Neujahrskonzert machen. Ich hatte damals einen Imagefilm für Wien gedreht, der die jungen, coolen Seiten der Stadt zeigte. Leider sagte man mir im ORF: Das, wofür man mich schätzt, ist nicht das, was fürs Neujahrskonzert gebraucht wird.

Welchen Eindruck hatte man denn von Ihnen?
Sie hielten mich für zu gewagt. Nix für die Zuschauer über 80. Ich hab ja damals Rockvideos gemacht.

War das Thema dann für Sie abgeschlossen?
Naja, ich war enttäuscht, hab mir jahrelang die Bildschirmschoner angeschaut, die da produziert wurden. Ich bin vor dem Fernsehapparat gesessen und hab mir gedacht: aha, jetzt macht der das, und den kenn ich auch. Heuer im Februar kam ein Anruf, ob ich das machen will. Für mich war klar: Auch wenn’s ein schöner Film werden soll, so einen Bildschirmschoner will ich nicht machen. Ich wollte zeigen: Wien ist toll, aber nicht als Postkarte mit nix dahinter.

Und da ist Ihnen Magrittes Bild "Golconda" eingefallen?
Ja, ich fand die Idee von den schwebenden Männern mit den Hüten, die selbstverständlich durch die Gegend fliegen, sehr passend. Ich habe sechs Jahre im Ausland gelebt und erst da gemerkt, dass Wien sehr cool ist. Die fliegenden Leute sollen Wien aus dem Kleinbürgerlichen herausheben. Wie bei Magritte ist in Wien Surrealismus im Alltag integriert: Wir gehen fliegend mit dem Hund äußerln.

The Philharmonics: "Die glorreichen Sieben" erobern die Musikwelt

Bei einem Abendessen fing einst alles an. Da entdeckten Geiger Tibor Kovác und Kontrabassist Ödön Racz ihre gemeinsame Passion für Musik abseits der streng klassischen Pfade. In kurzer Zeit wurden unter der Leitung von Mastermind Tibor Kovác Gleichgesinnte gefunden – die Geburtsstunde der Philharmonics. The Philharmonics, das sind neben Kovác und Rácz noch der Geiger Shkëlzen Doli, der Bratschist Thilo Fechner, der Cellist Stephan Koncz, der Klarinettist Daniel Ottensamer und der Pianist Frantisek Jánoska. Philharmonische Virtuosen sind sie alle.

Sie spielen das, was gut und teuer ist und zündet. Von Klassik bis Klezmer, von Jazz bis Blues, von Pop bis Rock. Und The Philharmonics, längst als „die glorreichen Sieben“ tituliert, haben die Musikwelt erobert. Denn wer sie einmal gehört hat, ist süchtig nach ihrem Sound.

Peter Jarolin