Kultur
21.09.2017

"The LEGO Ninjago Movie": Haifischalarm am LEGO-Strand

Martial-Arts-Männchen mit viel Action, etwas Spaß und wenig Story.

Auch Lego-Männchen haben Papa-Probleme und fühlen sich ungeliebt. Umso mehr, wenn der eigene Vater sich Lord Garmadon nennt, gerne als großer Weltenzerstörer auftritt und den Geburtstag des eigenen Sohnes vergisst ("Wie alt bist du? Sechzehn? Ich dachte sieben"). Beinahe täglich attackiert Lord Garmadon die Stadt Ninjago – eine Art LEGO-Remake von Hongkong – ungeachtet der Tatsache, dass dort auch sein Sohn Lloyd lebt.

Und dieser Llyod hat es schwer mit seinem fiesen Vater, den alle hassen. In der High School mag ihn keiner. Wo immer Lloyd auftaucht, herrscht "Lloyd-Alarm" und seine Mitschüler starren demonstrativ ins Handy.

Was keiner weiß: In seinem geheimen Leben verwandelt sich Lloyd in einen Ninja-Krieger und bekämpft mit fünf anderen Ninjas die drohende Vater-Invasion.

Nach dem weitgehend originellen "The LEGO Movie" und dessen ersten Spin-off "The LEGO Batman Movie", haben die Macher des zweiten Spin-offs diesmal nicht allzu viel Zeit mit Geschichtenerzählen verplempert. Vom Start weg gehen hektische Action-Sequenzen los, in denen LEGO product placement in eigener Sache betreibt und sein Sortiment an Spielfiguren zur Schau stellt – von "Transformer"-artigen Kampfrobotern bis hin zu einem grünen Reptil, das aussieht wie der Drache der Nibelungen.

Spinne und Schlange

Warum sich der schwarzgesichtige Lord Garmadon regelmäßig als Haifisch verkleidet und die Stadt angreift, bleibt vorerst rätselhaft. Erst irgendwann nach der zweiten Halbzeit gibt es eine Erklärung – und auch die ist nicht unbedingt zwingend.

Dafür erfahren wir, warum Garmadon vier Arme hat. Sie sind ihm gewachsen, nachdem er von einer Schlange gebissen wurde, die vorher von einer Spinne gebissen wurde: "Jetzt kann ich mir selbst die Hände schütteln."

In glänzenden Plastikfarben – vorwiegend gelb, orange, braun – purzeln die LEGO-Männchen durch ihre zerfranste Story wie durch einen Abenteuer-Themenpark des eigenen Franchise. Wichtige LEGO-Settings wie eine Hängebrücke im Dschungel oder der "Temple of the ultimate ultimate weapon" werden als Schauplätze bespielt und geben den Verlauf der (losen) Geschichte vor. Martial-Arts-Experte Jackie Chan hat gleich zu Beginn einen Kurzauftritt und führt einen kleinen Buben – eindeutig die angepeilte Zielgruppe – ins Superhelden-Abenteuer der Ninja-Kämpfer ein. Dann taucht eine lebensechte Katze auf und wedelt mit der Schwanzspitze die Hochhäuser um.

Ironische Dialoge, sichtlich an die erwachsenen Begleitpersonen im Kino gerichtet, unterlegen die knallbunte Action mit humoristischen Untertönen. Vor allem das Vater-Sohn-Geplänkel garantiert einen gewissen Scherz-Level. Aber an jenes hohe Unterhaltungsniveau, das das LEGO-Movie ausgezeichnet hat, reichen die Steinchen diesmal nicht heran.

INFO: DK/USA 2017. 101 Min. Von Charlie Bean, Paul Fisher, Bob Logan.

KURIER-Wertung:

Gentleman-Spion & Schmetterlingssammler

Lust auf Cheeseburger? Das Laberl wurde eigenhändig von Julianne Moore geformt, und zwar aus dem Fleisch eines frisch faschierten Menschen. Man kann noch seine Beine im Fleischwolf zappeln sehen. Der Rest seines Körpers brutzelt bereits auf der Herdplatte.

Ungefähr auf dieser Höhe bewegt sich das Humorniveau von "Kingsman: The Golden Circle", Fortsetzung der zynisch-brutalen Bond-Parodie "Kingsman: The Secret Service". Aufgerüstet mit einem All-Star-Ensemble, hat "Kick ass"-Regisseur Matthew Vaughn noch die kleinste Nebenrolle mit Celebrities à la Elton John zugepflastert. So kann sich eine grinsende Julianne Moore im 50er-Jahre- Look als Drogenkartell-Boss profilieren, während sich Jeff Bridges und Channing Tatum ihre Gehaltsschecks für uncharismatische Kurzauftritte abholen.

Taron "Eggsy" Edgerton als Nachwuchsspion im Maßanzug muss gleich in den ersten zehn Filmminuten einen lästigen Konkurrenten loswerden. In digital beschleunigten Action-Sequenzen spritzt die überlange Thrillerhandlung in Comic-hafter Überzogenheit vor sich hin. Eggsy, der kleine Brit-Prolet, hat sich nicht nur zum best angezogenen Gentleman-Spion gemausert, nein, er konnte sich auch eine Königstochter als Verlobte reservieren.

Aristo-Scherze

"Kingsman" suhlt sich in den Schauwerten europäischer Aristokratie, poliertem Upper-Class-Ambiente und amerikanischer Pub-Lässigkeit. Für alle ist etwas dabei: Britische Hoch-Eleganz, ein paar zerquetschte Aristo-Scherze, ein melancholischer Colin Firth als Schmetterlingssammler und Ami-Stars mit Whiskey-Gläsern in der Hand. Die US-Dependance der Agenten hat ihren Sitz nämlich in Kentucky, versteckt hinter einer Whiskey-Brennerei. Deswegen tragen ihre Spione auch so kreative Namen wie Agent Tequila.

Frauen haben wenig zu melden, sieht man von Eggsys sexueller Begegnung mit einer erschreckend mageren Blondine ab; und Julianne Moore als Drogen-Hausfrau.

Apropos Drogen: Wer Drogen nimmt (egal welche), entwickelt eine tödliche Krankheit. Für den US-Präsidenten eine günstige Gelegenheit, die "Junkies" dieser Welt loszuwerden. Ganz so eng sehen das die "Kingsman" nicht, trotzdem kommt die Botschaft klar an: Nehmt keine Drogen, Leute. Könnte schlecht ausgehen. Und Fortsetzung folgt bestimmt.

INFO: UK/USA 2017. 141 Min. Von Matthew Vaughn. Mit Taron Edgerton, Colin Firth.

KURIER-Wertung:

Schwierige Kindheit mit einem Vagabunden-Vater

Schon peinlich, wenn die Eltern als Obdachlose die Mistkübeln durchwühlen. Für die Star-Kolumnistin Jeannette Walls ein guter Grund, ihre Herkunft bei Dinner-Abenden in New York unter den Tisch fallen zu lassen. Doch immer wieder wird Jeannette an ihre instabile Kindheit erinnert, die Regisseur Destin Daniel Cretton in langen Rückblenden auffächert. Jeannette Walls gibt es wirklich und ihre Memoiren wurden zu einem Bestseller. Als Tochter eines zwar freigeistigen, aber alkoholsüchtigen Vaters und einer Hippie-Mutter zog sie mit ihren Geschwistern unstet durch die Lande. Woody Harrelson brilliert in der ambivalenten Rolle des charismatischen, aber niederschmetternden Vaters. Auch Brie Larson als seine enttäuschte Tochter bietet gekonnt großes Gefühlsspiel. Aber Cretton will niemandem weh tun und sprengt daher auch nie den Konventionsrahmen eines auf Versöhnung drängenden Hollywood-Melodrams.

INFO: USA 2017. 127 Min. Von Destin Daniel Crettin. Mit Brie Larson, Woody Harrelson, Naomi Watts.

KURIER-Wertung:

Lieber Frauenheld als Blauhelm

Der Film ist eine Koproduktion zwischen Österreich und Israel. Dass sich der Regisseur Harald Sicheritz und seine Drehbuchautorin Maayan Oz ausgerechnet den Abzug der österreichischen Blauhelme von den Golanhöhen vorgenommen haben, könnte man fast als Chuzpe bezeichnen. In positivem Sinne natürlich! Denn mit treffsicherer Ironie erzählt der Film von dem liebenswerten, doch etwas tollpatschigen UNO-Offizier Werner Baumschlager, der vom Golan nach Wien zurück soll. Doch er will gar nicht abrüsten, weil ihn das vor Probleme stellen könnte. Seine Geheimnistuerei und sein Benehmen bringen ihn sogar unter Spionageverdacht.

Als Zuschauer merkt man bald, was hinter dem Versteckspiel steckt: Drei Frauen. Zusätzlichen Zündstoff liefern die unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen der Damen. Rund um die Privatprobleme blitzt auch immer wieder die politisch verkorkste Lage rund um die Golanhöhen auf. Eine Komödie mit Nachdenkpotenzial und Thomas Stipsits in seiner ersten Kino-Hauptrolle.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: Ö 2017. 102 Min. Von Harald Sicheritz. Mit Thomas Stipsits, Gerti Drassl, S. Arnasdóttir.

KURIER-Wertung: