Lego-Manderl Emmet Brickowoski mit der orangen Jacke ist der Mann der Stunde

© Warner Bros. Entertainment Inc.

The LEGO Movie: "Hier ist alles super!"
04/10/2014

The LEGO Movie: "Hier ist alles super!"

Der Spielzeugfilm ist überraschend selbstironisch und smart. "Sabotage": Schwarzenegger wieder als Actionheld

von Alexandra Seibel

Als Ereignis der Superlative sprengt "The LEGO Movie" alle Baupläne. Über 15 Millionen Legosteine wurden animiert, um aus dem dänischen Bauklötzchen-System ein knallbuntes Hollywood-Spektakel zu fabrizieren. Über 400 Millionen Dollar spielten die kleinen Steinchen bereits an den Kinokassen ein – und errichteten für 2014 den bislang größten Meilenstein am Boxoffice.

Phil Lord und Christopher Miller bewiesen schon als Macher von psychedelischen Animationshits wie "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" anarchische Energie. Auch bei "The LEGO Movie" hielten sie sich nicht zurück. Angeblich warnten Anwälte die beiden Regisseure, sich bei Übergriffen auf Figuren anderer Filmreihen zu mäßigen. Für die beiden offensichtlich Anlass genug, sich umso schadloser am Reich der Superhelden zu halten. Zwischen Batman, Superman, Wonder Woman und Ninja Turtles tummeln sich selbst so historische Größen wie Kleopatra, Lincoln und Basketball-Star Shaquille O’Neal.

Das Lego-Manderl, das ehrenvoll die Hauptrolle übernimmt, befindet sich allerdings meilenweit vom Heldentum entfernt. Es ist ungefähr vier Zentimeter groß, heißt Emmet Brickowoski und trägt stolz die orange Weste eines Bauarbeiters. Jeden Morgen sprintet Emmet aus dem Bett, begrüßt euphorisch seine Umgebung ("Guten Morgen, Wohnung! Guten Morgen, Fußboden!") und kämmt sich dann resolut die Plastikfrisur.

"Hier ist alles super!", trällert Emmet die Nationalhymne von Legoland – eine Art Techno-Kinderlied à la "Ich bin dein Gummibär".

Und checkt freudestrahlend in die Arbeit ein.

Gute-Laune-Parodie

Die erste Viertelstunde von "The LEGO Movie" ist vielleicht der lustigste Teil einer insgesamt sehr lustigen, weil überaus geistreichen Eltern-Kind-Unterhaltungssause. Gerade am Anfang wird genial selbstironisch ein US-Mainstream der guten Laune parodiert, den Europäer ohnehin gern als Oberflächlichkeit denunzieren. Emmet und seine Kollegen hauen sich grinsend auf die Schultern, finden alles herrlich und schlürfen begeistert überteuerten Designer-Kaffee.

Dann fällt Emmet versehentlich in ein dunkles Loch und wird ab da mit einem Superhelden verwechselt. Gemeinsam mit der von ihm angebeteten Wyldstyle, der Freundin von Batman, soll er die Bewohner von Bricksburg von ihrem manipulativen Präsidenten – Lord Business – befreien.

Es folgt Blockbuster-übliches Action-Tamtam, in dem fantasievolle Lego-Wunderwelten (Wilder Westen, Hochsee-Piraten, etc.) entstehen. Trotz tricktechnischer Raffinesse behalten die Regisseure aber dennoch den Lowtech-Look von Heimvideos im Auge. Und verstärken dadurch den sichtlich angestrebten Eindruck, man könnte jedes Bild händisch nach bauen.

Klar funktioniert das alles auch wie eine lange, smarte Werbung für LEGO, den Konzern. Und natürlich wird bereits an der Fortsetzung des Films gearbeitet. Aber gerade im Vergleich zu anderen Spielzeug-Filmen – man denke nur an "Transformers" – erinnert "The LEGO Movie" überaus unterhaltsam daran, warum man gerne mit den berühmten Steinchen gespielt hat.

Info: The LEGO Movie. AUS/USA/DK 2014. 100 Min. Von Phil Lord und Christopher Miller.

KURIER-Wertung:

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Anstelle der Pension ins Fach der harten Männer wechseln

Zigarre rauchen und Whiskey trinken gehören eindeutig zu Arnold Schwarzeneggers Lieblingsbeschäftigungen. Er tut dies auch noch im schärfsten Schusswechsel – und man hätte ihm dazu einen gepflegten Ohrensessel gegönnt. Stattdessen müht er sich in seiner Post-Polit-Karriere um Selbstwertsteigerung im Harte-Männer-Genre. Dabei wäre gerade von David Ayer ("End of Watch") mehr zu erwarten gewesen als ein übersteuertes Action-Geballer mit sadistischen Gewalteinflüssen aus dem "Saw"-Franchise.

Schwarzenegger selbst macht mit hölzernem Schauspiel seinem Spitznamen als steirische Eiche alle Ehre. Als undurchsichtiger Drogenfahnder befehligt er eine wüste Truppe übel schimpfender, muskelbepackter Team-Kollegen. Unter ihnen befindet sich auch eine Frau, deren Vorliebe für abgefahrenen Sex und Drogen ("Mmmmh, flüssiges Meth") noch zu den unterhaltsamsten Einlagen zählt – in einem ansonsten holprig-heruntergekommenen Actioner.

Info: Sabotage. USA 2014. 109 Min. Von David Ayer. Mit Arnold Schwarzenegger, Sam Worthington.

KURIER-Wertung:

Für alle, die abschalten und lachen wollen

Müsste man die Vorstellung von Michael Niavarani nach der Weltpremiere der "Mamba" im Wiener Gartenbaukino rezensieren, seine Schlagfertigkeit, seine goscherten Antworten – es wäre ein glatter Fünf-Sterner. Aber auch im Film selbst besticht Niavarani als Humorist mit Hang zum Slapstick. Seinetwegen wird "Die Mamba" zur Agenten- und Verwechslungskomödie, die einen Vergleich mit Mr. Bean nicht zu scheuen braucht.

Ein Sounddesigner in einer Keksfabrik (der macht, dass die Kekse beim Brechen verführerisch knistern) wird mit einem Superagenten namens Mamba verwechselt: spießiger Waschlappen trifft auf coolen Killer, beide schauen aus wie Niavarani – und die Co-Agentin Melika Foroutan (mit Anklängen an Lara Croft) verliebt sich tatsächlich in den anfänglichen Loser. Seine Ehefrau, Proschat Madani, ist glänzend als eine Art Peggy Bundy und lebt ihren Hang zum Sadomaso lustvoll am Agenten aus. Die Optik der Sequenzen in Wien und Marokko hat internationale Qualität, das Buch könnte kompakter, die Regie fokussierter auf den Witz statt aufs Zelebrieren von Gewalt sein. Es gibt hinreißende Zitate quer durch die Genre-Geschichte.

Info: Die Mamba. Ö/D 2014. 96 Min. Von Ali Samadi Ahadi. Mit Michael Niavarani, Christoph Maria Herbst.

KURIER-Wertung:

Jüdische Vergangenheit hinter Klostermauern

Die junge, polnische Novizin Anna lebt hinter Klostermauern und steht steht kurz vor dem Gelübde. Doch vor ihrer endgültigen Weltentsagung soll sie noch einmal ihre einzig lebende Verwandte besuchen: ihre Tante Wanda. Diese öffnet ihr mit Zigarette in der Hand und im Negligé: "Du bist also eine jüdische Nonne?", fragt sie die entgeisterte Nichte.

Die Begegnung mit Wanda wird für Anna zur Reise in die Vergangenheit – und in den Holocaust, wo ihre Eltern starben. In brillanten, wunderschönen Schwarz-weiß-Bildern beschwört Pawel Pawlikowski das Nouvelle-Vague-Gefühl der 60er Jahre. Mit klarer Handschrift entwirft er ein fein ziseliertes Bild der polnischen Provinz zwischen Jazz und Katholizismus, Antisemitismus und sozialistischem Realismus.

Info: Ida. PL/DK 2013. 80 Min. Von Pawel Pawlikowski. Mit Agata Kulesza, Agata Trzebuchowska, Joanna Kulig.

KURIER-Wertung:

Das merkwürdige Kätzchen

Ramon Zürchers exzellentes Regiedebüt setzt das Treffen einer Familie in einer Berliner Wohnung vor allem über deren Klangkosmos in Szene. Zu sehen gibt es eigentlich nur Küche und Vorzimmer, in denen sich Mutter, Vater, Kinder und eine Oma bewegen. An der Oberfläche scheint alles friedlich, doch der Geräuschpegel markiert zunehmenden Stress. Ein kreischendes Kind, ein bellender Hund, eine wimmernde Kaffeemaschine. Und plötzlich haut die Mutter ihrer Tochter eine Ohrfeige herunter. Danach geht alles weiter wie geschmiert – als wäre nichts gewesen. Das System Familie als lärmende Maschine, die Erschöpfung produziert.

KURIER-Wertung:

Die Bestimmung – Divergent

Nach "Die Tribute von Panem" eine weitere Jugendbuch-Filmfantasie, in der eine junge Kämpferin in düsterer Zukunft für eine bessere Welt kämpft.

KURIER-Wertung:

Super-Hypochonder

"Sch’tis"-Star Dany Boon bringt als grimassierender Hypochonder seinen Arzt zur Weißglut. Lesen Sie hier das KURIER-Interview mit dem französischen Komiker.

KURIER-Wertung:

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