Jamie Hince und Alison Mosshart: Kein Paar, aber "seelenverwandt"

© /Domino Records/Kenneth Capello

Interview
06/01/2016

The Kills: Schmerzen, Panik und ein gutes Ende

Alison Mosshart über den Unfall von Jamie Hince und ihr Zweit-Projekt mit Jack White.

von Brigitte Schokarth

"Als ich Jamie das erste Mal seit eineinhalb Jahren wieder Gitarre spielen sah, musste ich bitterlich weinen. Ich glaube, erst dann habe ich realisiert, wie viel Angst und Panik ich hatte, dass ich diese Band verlieren könnte."

Alison Mosshart, Sängerin und Multiinstrumentalistin von The Kills, erinnert sich im KURIER-Interview an die Ungewissheit, die der Veröffentlichung des neuen Albums "Ash & Ice" kommenden Freitag voranging. Ihr Duo-Partner, Gitarrist Jamie Hince, hatte sich nämlich den Mittelfinger der linken Hand in der Autotüre eingeklemmt – ein Verletzung, die so außer Kontrolle geriet, dass zwischendurch sogar im Raum stand, dass er die Hand verlieren könnte.

"Angefangen hat es damit, dass die ursprüngliche Verletzung nicht heilen wollte", erzählt Mosshart. "Noch Monate danach war der Finger steif. Deshalb gab ihm ein Arzt eine Kortison-Spritze in das Fingergelenk. Daraufhin gab es eine Knochen-Infektion, die später auch die Sehnen zerstörte. Sechs Mal wurde ihm die Hand aufgeschnitten – von der Spitze des Mittelfingers bis runter zum Handgelenk. Es wurden ihm Sehnen aus einem anderen Teil des Arms herausgenommen und in den Finger verpflanzt. Es war eine endlose Serie von Schmerzen, Hoffnungen und Rückschlägen."

Positiv

Hince selbst, sagt Mosshart, sei während des Martyriums immer positiv geblieben. Sie auch. "Aber nur, weil ich den Gedanken, dass das das Ende ist, nicht zulassen konnte. Ich wurde zu einer dieser Personen, die immer sagen: ,Alles wird gut!‘"

Jetzt, mit "Ash & Ice" in den Startlöchern, kann Mosshart das Positive, das die Zwangspause und der drohende Verlust von Hinces Hand hervorgebracht haben, benennen: "Es war eine neue Inspiration. Und Jamie spielt besser denn je Gitarre!"

Die Inspiration kam daher, dass sich Hince, als er nicht mehr Gitarre spielen konnte, technisches Equipment zulegte, das er mit einer Hand benutzen konnte. Er lernte, Songs von Beats und Computern her aufzubauen, anstatt sie auf der Gitarre zu schreiben. Die neue Fähigkeit auf der Gitarre rührt daher, dass der Finger immer noch steif ist und Hince eine ganze neue Spiel-Technik entwickeln musste.

Beides ist auf "Ash & Ice" nicht so deutlich hörbar, wie man annehmen könnte: Zwar beginnt der erste Song mit einem elektronischen Beat. Doch schon bald tritt der in den Hintergrund, reißen räudige Gitarren und Mossharts Gesang die Aufmerksamkeit an sich.

So bleibt es für den Rest des Albums: Alternative-Rock mit deutlichen Anleihen aus dem Blues, bei dem die Elektronik im Untergrund rumort und nur manchen Songs – wie etwa "Hard Habit To Break" oder "Impossible Tracks" – außergewöhnlich stark Atmosphäre gibt.

Versuchskaninchen

Mosshart sagt, The Kills hätten mit "Ash & Ice" mit Absicht ein "sehr organisches" Album gemacht. Das liegt einerseits an der Einstellung der 36-Jährigen zur Elektronik ("Dieses Computer-Zeug ... mir schmilzt mir das Gehirn, wenn ich daran denke!"). Andererseits an der Arbeitsweise der Kills: Der Brite Hince lebt in London, Mosshart aber in Nashville. "Sich einfach zusammenzusetzen und zu jammen, geht bei uns nicht. Stattdessen schreibt jeder etwas, schickt es dem anderen, der es weiterentwickelt. So drückt jeder nach und nach jedem Song seinen Stempel auf."

Das genaue Gegenteil ist die Arbeit mit Mossharts zweiter Band The Dead Weather. 2009 hat sie die mit Jack White (White Stripes) und Mitgliedern von dessen Zweit-Band The Raconteurs gegründet. Oder besser entdeckt. Denn das, sagt sie, war ein glücklicher Zufall: "Ich hatte Jack schon 2002 bei einem Festival kennengelernt und wir waren seither Freunde gewesen. Dann waren The Kills mit den Raconteurs gemeinsam auf Tour. Am Ende dieser Tour bin ich im Tourbus der Raconteurs mit zurück nach Nashville gefahren. Jack hatte sich da gerade sein Studio neu gebaut, es aber noch nie ausprobiert. Er wollte unbedingt hören, wie es klingt. So benutzte er uns als Versuchskaninchen, sagte, lass uns ein bisschen jammen. Das taten wir – und haben an einem Nachmittag sieben Songs geschrieben."

Welche Arbeitsweise ist ihr lieber? "Beides abwechselnd haben zu können, ist sehr spannend – und für mich ideal."

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