Filmdreh unter verschärften Bedingungen: Regisseur Jafar Panahi begab sich als Taxler auf Erkundungsfahrt durch Teheran

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"Taxi Teheran": Schmuggelware aus dem Iran
07/23/2015

"Taxi Teheran": Schmuggelware aus dem Iran

Jafar Panahi schaffte es trotz Hausarrest, einen regimekritischen Film zu drehen. Weiters: "Ant-Man", "Becks letzter Sommer", "Magic Mike XXL".

Nach Marathonverhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm haben die UNO-Vetomächte und Deutschland erst vor wenigen Tagen in Wien eine historische Einigung erzielt. Internationale Medien sehen darin ein Zeichen, dass sich das politische Klima im Iran gebessert hat.

Mit "Taxi Teheran" kommt nun ein Film ins Kino, bei dem man überprüfen kann, wie es der Iran mit Menschenrechten hält. Vor fünf Jahren wurde der regimekritische Regisseur Jafar Panahi zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot verurteilt.

Im Kuchen

Seitdem ist jede öffentliche Wahrnehmung seiner Filme auch eine Demo für die Freiheit der Kunst und für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Panahi, dessen Haft inzwischen in Hausarrest umgewandelt wurde, denkt offenbar nicht daran, tatenlos zu Hause zu sitzen. Er hört nicht auf, das iranische Regime anzuprangern.

Auf abenteuerlichen Wegen – etwa als USB-Stick in einem Kuchen – wurden die letzten beiden Filme Panahis aus dem Iran geschmuggelt. Bisher hatten sich die Mullahs mit Strafsanktionen gegen den unliebsamen Regisseur zurückgehalten, um nicht weitere internationale Sanktionen zu riskieren.

Denn Panahi ist der mit den meisten internationalen Filmpreisen bedachte Regisseur des Irans, und eine neuerliche Inhaftierung hätte vielleicht Sand ins Getriebe der Wiener Atomverhandlungen gebracht. Ob diese Verhandlungen auch den Umgang des Irans mit regimekritischen Künstlern positiv beeinflussen werden, bleibt abzuwarten.

In seinem neuesten Film sitzt Panahi am Steuer eines Taxis, mit dem er kreuz und quer durch Teheran fährt. "Ist das eine Alarmanlage?", wird er von einem Fahrgast gefragt, der die Kamera auf dem Armaturenbrett bemerkt. Panahi sieht sie als Überwachungskamera, die der Welt zeigen soll, dass noch vieles faul ist in der Islamischen Republik.

Obwohl der Schauplatz des Films auf das Innere des Taxis beschränkt ist, gibt er Einblicke in ein breites gesellschaftliches Spektrum.

Alltagsdramen

Die Geschichten, die von den Fahrgästen erzählt werden, reichen von Tragödien und banalen Alltagsdramen bis zu Komödien. Kaum ein Thema wird ausgespart. Von der Haltung zur Todesstrafe, über eheliche und interkulturelle Beziehungen, bis zu religiösen Fragen und zum Konflikt zwischen eigenen Ethik- und Moralvorstellungen und dem islamischen Kodex.

Panahi lässt sein Publikum bewusst im Unklaren, ob es sich bei den Protagonisten um zufällige Fahrgäste handelt, die eigene Geschichten erzählen, oder ob er diese zum Schutz der Menschen, die es wagen den Mund aufzumachen, von Schauspielern nachsprechen lässt.

Panahi hat " Taxi Teheran" nach einer eigenen Lebenskrise gedreht, die ihn sogar mit Suizidgedanken spielen ließ. Umso deutlicher gibt er zu verstehen, dass er sich nun weniger denn je vom Regime unterkriegen lassen will.

Welche Filme Panahi selbst schätzt, wird klar, als er in seinem Taxi einen Schwarzhändler von im Iran verbotenen Hollywoodfilmen chauffiert, der ihn zum Komplizen machen möchte. Woody Allens "Midnight in Paris" ist dabei, und Panahi macht sich mit der Aufzählung von ähnlich harmlosen und dennoch verbotenen Filmen über die Zensur lustig.

Der Goldene Bär, mit dem der Film bei der Berlinale ausgezeichnet wurde, galt wohl in erster Linie dem politischen Mut Panahis und weniger dem künstlerischen Anspruch des unter repressiven Bedingungen gedrehten Films.

Dem Publikum bietet Panahi ein ebenso politisches wie satirisches und berührendes Lehrstück, das man unbedingt sehen sollte.

KURIER-Wertung:

INFO: "Taxi Teheran". Politfilm. IRN/F 2015. 86 Min. Von Jafar Panahi. Mit Jafar Panahi. Hana Saeidi

Ein Superheld in Ameisengröße

Mit "Ant-Man" erblickt nun ein weiterer Superheld aus dem Marvel-Universum das Licht der Kinoleinwand. US-Komiker Paul Rudd schlüpft für diesen Film in den Anzug, der ihn auf Knopfdruck zur Ameisengröße schrumpfen lässt und ihm unglaubliche Kräfte verleiht. Diese Technologie ruft freilich sinistre Zeitgenossen auf den Plan, die sie für unlautere Absichten nutzen möchten. Neben Paul Rudd ist – wie berichtet – Michael Douglas als Erfinder des Ant-Suits, Dr. Hank Pym, zu sehen.

"Ant-Man" wirkt im Vergleich zu den anderen Marvel-Verfilmungen nahezu gewaltfrei und familienfreundlich. Paul Rudd als Ant-Man und Michael Douglas als dessen Erfinder Hank Pym müssen sich nicht nur als Superhelden, sondern auch als Väter in Konflikten mit ihren Töchtern bewähren. In 3-D wirken die zahlreichen Abenteuer, die sie zu bestehen haben, entsprechend spektakulär. Für ein Weiterleben des Ameisen-Manns ist bereits gesorgt: Er wird im nächsten Film als Mitglied der "Avengers" vor der Kamera stehen.

Ausführliche KURIER-Interviews: Michael Douglas und Paul Rudd.

KURIER-Wertung:

INFO: "Ant-Man". Comic-Verfilmung. USA/GB 2015. 117 Min. Von Peyton Reed. Mit Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas

Channing Tatums Hintern bestimmt die Handlung

Mit entblößten Hollywood-Stars brach "Magic Mike" vor drei Jahren Kassenrekorde. Hirn statt Hintern war damals Steven Soderberghs Motto, und so machte er daraus keinen Stripper-Film, sondern eine der besten Sozialkomödien der vergangenen Jahre. Quasi als amerikanische Antwort auf die Oscar-gekrönte britische Filmkomödie "Ganz oder gar nicht".

Nach dem großen Erfolg konnte die Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen. "Magic Mike XXL" basiert angeblich auf Erlebnissen, die Channing Tatum in seiner Stripper-Karriere gesammelt hat. Wenig Hirnschmalz wurde aufgewendet, um zu erklären, warum Mike noch einmal die Hüllen fallen lässt. Trotz allzu üppiger Muskeln wirkt Tatum sogar im getanzten Geschlechtsakt beinahe elegant.

Soderbergh war – unter Pseudonymen – bei diesem Film als Kameramann und Cutter dabei. Die Regie hat er Gregory Jacobs überlassen. Aber vielleicht ist auch dieser Name nur ein Pseudonym für Soderbergh, weil ihm klar war, dass diesmal nicht das Hirn, sondern ein knackiger Hintern die Handlung des Films bestimmt.

(Gabriele Flossmann)

KURIER-Wertung:

INFO: "Magic Mike XXL". Erotik. USA 2015. 115 Min. Von Gregory Jacobs. Mit Channing Tatum, Matt Bomer, Joe Mangianello.

Die A-Seite und die B-Seite des Lehrerdaseins

Ist es jemals zu spät für einen Neuanfang? Diese Frage stellt der Film "Becks letzter Sommer" nach dem gleichnamigen Roman-debüt von Benedict Wells. Der 24-jährige Autor beschrieb darin die Sinnkrise eines 37-jährigen Lehrers, der lieber Rockmusiker wäre. Ihn spielt der Moderator und Entertainer Christian Ulmen – Als Lehrer Beck quält er sich Tag für Tag in die Schule, wo er auf den jungen Litauer Rauli (Nahuel Pérez Biscayart) trifft.

Rauli ist zwar als Schüler eine Niete, dafür aber als Musiker große Klasse. Nicht ganz uneigennützig hilft ihm Beck bei der Karriere, um damit selbst wieder in der Musikszene Fuß zu fassen. Davon handelt die erste Hälfte des Films – im Musikerjargon wie bei einer Vinylplatte als "A-Seite" betitelt .

Die "B-Seite" erzählt von Becks Reise nach Istanbul, gemeinsam mit seinem drogensüchtigen Freund Charlie (Eugene Boateng) und Rauli. Wie so oft, fällt auch hier die B-Seite ab. Man soll seine Träume leben, ertönt es da. Was nicht nur klischeehaft klingt, sondern es auch ist.

KURIER-Wertung:

INFO: "Becks letzter Sommer". Roadmovie. D 2015. 99 Min. Von Frieder Wittich. Mit Christian Ulmen, Nahuel Pérez Biscayart.

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