Kultur
20.01.2017

"Tatort"-Hauptrolle für den jungen Karl

Aaron Karl führt im "Tatort: Schock" Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer vor

"Bevor ich Ihnen sage, worum es geht, ist es wichtig, dass Sie eines wissen: Ich bin normal." Es ist ein junges, sympathisch wirkendes Gesicht, dass da via Internet-Stream ruhig und sachlich zu den Menschen spricht. Und doch gleich etwas Furchtbares anzukündigen hat. "Mein Name ist David Frank, die Namen meiner Eltern sind Agnes und Hans-Georg Frank. Ich werde meine Mutter, meinen Vater und anschließend mich selbst töten."

Der erst zweite " Tatort" von Regisseur und Autor Rupert Henning beginnt mit einem regelrechten "Schock" (Sonntag, 20.15, ORF 2). Und der junge Mann, der den Film zum Thriller macht, ist Aaron Karl in seiner ersten großen Hauptrolle.

" David ist ein junger Mensch mit besten Aussichten. Er hat jedoch beschlossen, sein Leben nicht zu leben, weil er in so einer Gesellschaft, wie sie existiert, nicht sein will", sagt der 26-jährige Wiener über seinen Filmcharakter.

Diese Gesellschaft hat mit ihrem Leistungsdruck und -denken Davids Freundin, eine Studentin, in den Tod getrieben. Dafür macht er seine Eltern mitverantwortlich – hatte ihm doch sein Vater, ein hochdekorierter Mathematik-Professor, schon früh erklärt: "Niemand fragt dich später, wer Du bist, sondern was Du bist."

Ohne Druck

Der " Tatort: Schock" zeichnet ein Bild der sogenannten Generation Y, die trotz bester Ausbildung und Leistungswillen eine trübe Zukunft hat.

"Ich habe mich noch nie einer Generation, einer Bewegung oder Mode zugehörig gefüllt", meint dazu Karl. Auch Leistungsdruck von außen wirke bei ihm kaum. "Was ich habe, ist ein Anspruch an mich selbst." Die Problematik ist ihm aber sehr wohl bewusst, wie er sich auch viele Gedanken macht über alternative Modelle des Zusammenlebens oder über Ressourcen-Verschwendung und -Verteilung.

Für sich hat Karl seinen Weg gefunden. In diesen Wochen schließt er sein Schauspielstudium in Berlin ab, nachdem es zuvor mit 18 noch nicht geklappt hatte. "Es stimmt also nicht, was im Internet zu lesen ist, dass ich gegen den Willen meines Vaters keine Schauspiel-Ausbildung machen wollte. Außerdem hat mich mein Vater nie unter Druck gesetzt", betont er.

Debüt mit 6 Jahren

Aarons Vater, das ist Schauspielstar Fritz Karl. Aaron ist sozusagen am Set groß geworden und dort hängen geblieben, wie überhaupt die halbe Familie in unterschiedlichsten Formen mit Film zu tun hat. Aaron gab sein Filmdebüt mit sechs Jahren (siehe Geschichte unten). Heute schauen Vater und Sohn gegenseitig ihre Filme an – samt dazugehöriger Kritik. "Eine gemeinsame Analyse ist für mich total interessant, weil er einfach ein toller Schauspieler ist. Er kann es einfach und weiß genau, was er tut. Ein großer Unterschied zwischen uns, neben seiner enormen Erfahrung ist, dass mich metaphysische Aspekte interessieren." So beschäftigt Aaron sich in seiner Bachelor-Arbeit mit der Verbindung von Schauspiel und der Fünf-Elemente-Lehre aus der chinesischen Medizin.

Wenn Aaron Karl übers Schauspielen spricht, strahlen die Augen. Trotzdem bezeichnet er sich als "Projektarbeiter". Denn "ich will mich nicht auf eine Sache versteifen, auch wenn sie mir große Freude macht." Zumal es noch eine andere Leidenschaft gibt: die Musik, Instrumente – "das nächste wird ein Hang" – und die Band IYI.

Doch das muss alles warten. Das nächste Projekt, ein studentisches in Bosnien, steht bereits an und wer weiß, welche Folgen der "Schock" hat. Am Ende dessen sagt Oberstleutnant Moritz Eisner (Krassnitzer): "Alle haben es richtig gemacht, aber es ist das Falsche dabei herausgekommen." Das gilt definitiv nicht für diesen "Tatort" und schon gar nicht für Aaron Karls Leistung.

SONNTAG I 20.15 I ORF 2 I ARD

Tatort: Schock

Krimi-Reihe

Einen angekündigten Doppelmord wollen Oberstleutnant Moritz Eisner und seine Kollegin Major Bibi Fellner in einem ungewöhnlichen Fall verhindern: Ein junger Mann aus gutem Hause hat seine Eltern entführt und kündigt per Internetvideo an, erst diese und dann sich selbst zu töten. Was wie eine Wahnsinnstat klingt, präsentiert David Frank als ganz "normal", denn der Medizinstudent will mit seiner spektakulären Aktion auf gesellschaftliche Missstände hinweisen. Worum es ihm geht, das soll die Polizei, so sein raffinierter Plan, erst im Laufe der Ermittlungen und vor den Augen der Internet-Öffentlichkeit herausfinden.

Ö 2017. Regie: Rupert Henning. Mit: Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser.

Debüt als Bub neben Moretti

Aaron Karl, 1990 in Wien geboren, trat als zweitältester Sohn des Schauspielers Fritz Karl in die Fußstapfen seines Vaters. Auf Anraten seines Agenten absolvierte er in Berlin eine Schauspiel-Ausbildung, die er in diesen Wochen beendet.

Bereits mit 6 Jahren gab er sein TV-Debüt: In dem Film "Das ewige Lied" (1997) spielte er an der Seite von Tobias Moretti den Buben Hannes Mitterer. In Götz Spielmanns "Spiel im Morgengrauen" (2001) war er gemeinsam mit seinem Vater zu sehen: Aaron Karl gab Oberleutnant Wilhelm Kasda als Bub, Fritz Karl spielte die erwachsene Rollenfigur.

Nebst zahlreichen Episodenrollen in TV-Serien und -Reihen war der 26-Jährige bereits in zwei " Tatort"-Produktionen des ORF zu sehen: In "Kein Entkommen" (2012) war er der Busfahrer Mario; in "Unvergessen" (2013) spielte er einen Tatverdächtigen.