Kultur
02.03.2013

Tarnen, täuschen, lügen: Liebe ist nichts als Illusion

Kritik: "Illusionen" und "Gier" als tragisch-komische Erzählung am Schauspielhaus.

Vier Menschen berichten über die Liebe. Nur einer davon hat sie überlebt: Albert sitzt mit 94 auf der Veranda und denkt an Margret, seine Frau, mit der er über 50 Jahre verheiratet war. Die doch immer so viel Humor hatte. Bis sie sich aufhängte. War alles, was er über sie zu wissen glaubte, Illusion? Fassade?

„Illusionen“ des russischen Autors Iwan Wyrypajew wurde 2011 uraufgeführt. Das Schauspielhaus zeigt das Stück in Verbindung mit Sarah Kanes Text „Gier“ an einem Abend.

Was die Texte verbindet: Dimensionen der Liebe. Lügen, tarnen, täuschen. Felicitas Bruckner inszeniert Wyrypajews Vier-Personen-Stück als tragisch-komische Erzählung mit ekstatischen Ewige-Liebe-Erklärungen, denen böse Abstürze folgen. Zwei Frauen und zwei Männer erzählen die Geschichte von zwei alten Paaren, die am Ende ihres Lebens zurückgeworfen werden auf die Frage, was eigentlich die Liebe ist.

Die Schauspieler sprechen in Richtung Publikum, wer gerade nicht spricht, sitzt im Kleiderkasten, isst Banane oder zieht sich aus. Immer wieder gibt es komische Momente. Obwohl man gerade Ungeheuerliches erfahren hat. Dass der Ehemann 50 Jahre eine andere liebte, zum Beispiel.

In Sarah Kanes dramatischem Gedicht „Gier“ gibt’s nichts zu lachen. Kane, die sich 1999 im Alter von 28 Jahren das Leben nahm, galt als eine der radikalsten unter den modernen britischen Dramatikern. „Gier“ ist kompromisslos, abgründig, wunderschön.

Vier Stimmen – A, B, C und M – sprechen mit brutaler Offenheit von der Liebe. Da gibt es großartige Momente. Und viele anstrengende. Dem tollen Ensemble, allen voran Melanie Kretschmann und Thiemo Strutzenberger, gelingen eindrucksvolle Szenen.

KURIER-Wertung: **** von *****