Kultur
20.09.2017

"Tagespresse": Da hilft kein Lachen

Es ist eh lustig. Aber zu viel.

Timing ist im Humor von unschätzbarem Wert; eine Pointe ist schon versenkt, kommt sie im falschen Moment. Womit wir bei der neuen „ Tagespresse“-Show im ORF sind: Ein online erfolgreiches Satire-Format bekam eine neue Sendung - leider nur zum falschen Zeitpunkt.

Die Show könnte bieten, was der Wahlkampf so bitter braucht, Erleichterung durch Lachen über all diese Menschen, die derzeit mit Untergriffen, Scheinheiligkeit und Wahlzuckerlgetöse auf allen Kanälen für demokratische Verzweiflung sorgen. Man darf also nun wöchentlich lachen, diesmal über Pilz, der weiter „ausländerfeindliche Papiere“ verbreiten wolle und daher Kronenzeitungs-Austräger werde; über Faymanns Yogaraum, wo der geübt hatte, sich in alle Richtungen zu verbiegen; über das Fitnessgerät von Kurz, damit dieser noch stärker nach unten treten könne; und die medizinische Erklärung für Straches rechte Schlagseite.

Das funktioniert in der Ballung weniger gut als online, wo die Tagespresse so manchen bitteren Tag mit einer (ja, einer) punktgenauen Pointe reparierte. Für eine 20-Minuten -Show aber ist der Schmäh zwar ja eh lustig. Aber leider nicht lustig genug, dass man im Überfluss an Polit-Duellen plötzlich Bedarf hat, auch spätabends wieder die Protagonisten der österreichischen Innenpolitik zu sehen.

Die neue Show zum selber Schauen gibt es hier.