Kultur 07.03.2018

Sunrise Avenue live: Spaßiger Abend mit solidem Handwerk

Samu Haber, der Frontmann und Songwriter von Sunrise Avenue. © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Die Finnen zeigten in der Wiener Stadthalle ihre Stärken, aber auch ihre Grenzen.

„Eine schöne Überraschung“, erzählt Samu Haber, habe er am Nachmittag in der Garderobe der Wiener Stadthalle gehabt: Eine Goldene Platte für „Heartbreak Century“, das jüngste Album seiner Band Sunrise Avenue.

Jetzt stehen die Finnen am Anfang ihrer Show auf der Bühne der Stadthalle und zeigen, was den Erfolg dieser CD ausmacht: Es ist derselbe brave Konsens-Sound zwischen Pop und Rock, auf den das Quintett seit Beginn der Karriere gesetzt hat. Damals, erzählt Haber, kamen Sunrise Avenue auch schon nach Wien, traten im Flex auf.

Heute sind 12.000 zur seit Wochen ausverkauften Wien-Show gekommen. Sie sind entschlossen, die hymnischen Melodien zu feiern und unbeschwert Spaß zu haben. Denn Spaß verbreiten können Haber und seine Freunde gut. Songs wie „Unholy Ground“, „Heartbreak Century“ oder „Lifesaver“ sind in ihrer Schlichtheit perfekt dafür, ein breites Publikum in einem Massenchor zusammenzuschweißen. Das tun sie in der Stadthalle – auch wenn Haber heute hin und wieder - speziell bei leisen Stellen - nicht jeden Ton sauber trifft.

Sunrise Avenue
Sunrise Avenue in der Stadthalle Wien am 06.03..2018 © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Der Nachteil dieses massentauglichen, reibungslosen Sounds: Er hat nicht viele Varianten. Die Melodien sind schön, aber selten herausragend, die Harmoniefolgen herkömmlich, die Arrangements konventionell und die Rhythmen geradlinig und simpel. Mal beginnen Songs mit einer einzelnen Akustik-Gitarre, dann wieder mit einem Klavier oder Habers Acapella-Stimme. Aber fast immer enden sie in einem im mittleren Tempo dahingestampften Refrain, der ohne die rockigen Gitarren auch zum Kinderlied taugen würde. Verstärkt wir dieser Eindruck durch die Texte, die zumeist nicht mehr als „Du hast mich verlassen“- oder „Ich verlasse dich“-Botschaften bieten.

So hat man schon nach etwas mehr als einer halben Stunde das Gefühl, dass sich Sunrise Avenue wiederholen. Zum Glück kommt dann bald „Forever Yours“, das sich mit einem starrsinnigen Bass, dem tickenden, elektronischen Beat und düstererem Flair wohltuend aus dem Rest des Sets abhebt.

Doch gleich danach steht wieder der übliche Erfolgssound von Sunrise Avenue am Programm. Die Hits „Fairytale Gone Bad“ und „Hollywood Hills“ zeigen noch einmal die Stärke der Finnen: Sie schaffen es, mit solidem Handwerk einem Sound, der schon so viele Jahrzehnte immer wieder bemüht wurde, neues Leben einzuhauchen und das Publikum damit einen Abend lang gut zu unterhalten. Für ein nachhaltig beeindruckendes, zutiefst berührendes Konzerterlebnis fehlt es ihnen aber nach wie vor an eigenständigem Charakter, Kreativität und individuellem Ausdruck.

KURIER-Wertung:

( kurier.at ) Erstellt am 07.03.2018