Stierkampf, Wahlkampf – und viel Regen

BREGENZER FESTSPIELE 2017: FOTOPROBE "CARMEN"
Foto: APA/DIETMAR STIPLOVSEK "Carmen" auf der Seebühne

Man merkte auch bei der Eröffnung der 72. Festspiele am Bodensee, dass bald gewählt wird.

Als im Festspielhaus, zum Auftakt der Eröffnungszeremonie der Bregenzer Festspiele, die Bundeshymne erklang, sah man im Hintergrund ein Foto einer Stierkampfarena. Wird ja hoffentlich nur ein Zitat aus der Bizet-Oper "Carmen" gewesen sein, die in diesem Sommer auf der Seebühne gespielt wird, und nicht ein Vorgriff auf den Wahlkampf.

Schon vor dem Festspielhaus gab es viel Applaus für den eintreffenden Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen, der seine erste Festival-Eröffnung vornahm. Daneben posierte der Außenminister für Selfies. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass der Wahlkampf auch über den Arlberg bereits seine langen Schatten wirft – die Nationalratspräsidentin, viele Regierungsmitglieder, Oppositionspolitiker und auch eine eben erst ernannte Kultursprecherin und Ballorganisatorin waren heuer angereist.

Der Bundespräsident reagierte in seiner Ansprache spontan auf die Tatsache, dass alle Redner von einem Torero auf die Bühne geführt wurden, und fragte sich, wer denn aller den Heldentod sterbe. Dann hielt er ein starkes Plädoyer für Europa und kam auch auf Migration zu sprechen: "Sie zwingt uns, Farbe zu bekennen, wie ernst wir es denn mit Menschenrechten meinen."

In Anspielung auf die diesjährige Opernproduktion im Festspielhaus, "Moses in Ägypten" von Rossini, betonte Van der Bellen, dass ihr Stoff tagesaktuell wirke: "Exil, die Sehnsucht nach Freiheit, die Gefahren der Flucht. Einer Flucht über das Meer in eine bessere, freiere, friedlichere Welt." Er nannte die "europäischen Grundwerte" als zentralen Kompass.

Kulturminister Thomas Drozda warnte im Zusammenhang mit Migration vor einem "Erstarken der Demagogie und des groben Populismus". Er ist davon überzeugt, dass "noch mehr Überwachungstechnik die Probleme nicht lösen" werde. "Stattdessen müssen wir mit großer Achtsamkeit, scharfem Verstand und Augenmaß unsere Demokratie sowohl vor religiösem, als auch vor linkem oder rechtem Extremismus schützen".

Nasse Premiere

Am Abend folgte dann die "Carmen"-Premiere mit Paolo Carignani am Pult der Wiener Symphoniker. Sie wurde trotz teils strömenden Regens im Freien gespielt. Dadurch konnten die Besucher das wunderbare Bühnenbild von Es Devlin bewundern. Es ist der Star der Aufführung. Die Regie von Kasper Holten ist traditionell und professionell, phasenweise recht statisch. Gaëlle Arquez ist als Carmen, die am Ende ertränkt statt erstochen wird, stimmlich die Beste, Daniel Johansson als Don Jose enttäuschend. Scott Hendricks forciert als Escamillo allzu stark, Elena Tsallagova ist eine zarte, teils berührende Micaela.

(kurier) Erstellt am
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