Kultur
22.09.2017

Stephen Kings "Es": Der Gruselclown als neuer Superheld

Das Festival des fantastischen Films /slash (bis 1.10.) eröffnete mit dem Kassenschlager.

Mit einem kraftvollen "Happy Birthday, dear Stephen!", enthusiastisch gesungen von den Besuchern eines knallvollen Wiener Gartenbaukinos, wurde Donnerstag Abend das 8. /slash Filmfestival eröffnet. Treffsicher zum 70. Geburtstag von Horror-König Stephen King fand zum Auftakt des beliebten Festivals des fantastischen Films die Österreich-Premiere der Grusel-Clown-Verfilmung "Es" (Kinostart: Donnerstag) statt.

Bereits vor Filmbeginn hatten sich im Kino-Foyer die Zuschauer – überwiegend junge Männer – als große "Es"–Fans geoutet: Ein paar Besucher saßen am Boden und falteten anspielungsreich Papierschiffchen; ein anderer hatte das anstehende Verhüllungsverbot in den Wind geschlagen und sich in das Ganzkörperkostüm von Killer-Clown Pennywise geworfen – inklusive mörderischer Zahnreihen an der Halskrause.

Zur Begrüßung kündigte Festivalleiter Markus Keuschnigg noch den diesjährigen Star-Gast von /slash an: John Waters, legendärer Trash-Regisseur von Prachtstücken wie "Pink Flamingos" und "Hairspray", hat seinen Wien–Besuch zugesagt und wird am Abschlussabend (30.9.) seine One-Man-Vaudeville-Show "This filthy world" präsentieren.

Und dann brach der Horror von "Es" los.

Gemessen an den immensen Einspielergebnisse, die Andy Muschiettis Film in den USA mit über 110 Millionen Dollar Einspielergebnisse bereits am ersten Wochenende erzielte, müsste man den King-Schocker als großen Erfolg verbuchen. Offenbar flockt das Publikum freudig ins Kino; denn der Genuss eines blutigen Horror-Films vervielfacht sich enorm, wenn man nicht alleine vor dem Fernseher hocken muss, sondern seine Gänsehaut mit den spitzen Schreien der Sitznachbarn im Kino teilt.

Blutlust

Tatsächlich aber hängen sich die ausführlichen 135 Erzählminuten von "Es" ziemlich an, obwohl sich Muschietti alle Mühe gibt, eine Schockwelle nach der anderen loszutreten. Doch die Spannung lahmt. Der Erzähltonfall schwankt zwischen Parodie und Blutlust, seine Horror-Schauplätze bleiben im Pastiche stecken: Hier eine Badezimmer-Blutorgie wie in Brian De Palmas "Carrie", dort ein Zombie wie aus der Prater-Geisterbahn. Während sich souveräne Regisseure wie Stanley Kubrick ("The Shining") oder De Palma von Stephen Kings Literatur zu Meilensteinen des Kinos inspirieren ließen, findet Muschietti keine originelle Bildsprache.

Immerhin: Bill Skarsgård als Killer-Clown mit Glitzeraugen und Appetit auf Kinderfleisch leistet gute Überzeugungsarbeit.

Und die Kinder, die sich zum Club der Loser zusammen finden, um dem tödlichen Treiben in ihrer Kleinstadt Ende der 80er Jahre ein Ende zu setzen, bilden ein temperamentvolles Ensemble: Nur gemeinsam können sie den Killer-Clown besiegen. Das dauert übrigens noch: Der Film ist nur "Kapitel 1" – wieviele folgen, weiß man nicht.

Mehr Infos auf http://slashfilmfestival.com/