Kultur
19.04.2017

Steighilfen zur Gedankenkunst

Die Werkschau von Eduard Angeli in der Albertina veranschaulicht eine Poesie der Zurücknahme.

"Triptychon 1“ heißt das wandfüllende Werk, das Besucher am Ende der Rolltreppe im Untergeschoß der Albertina empfängt: Farbstark, mit expressivem Strich, auf den ersten Blick abstrakt, mit etwas Distanz sind Umrisse von Figuren zu erkennen. Man würde vielleicht auf Adolf Frohner tippen, vielleicht auf Max Weiler – doch nicht auf Eduard Angeli, jenen Maler, der die Stille, die Leere und die Melancholie in seinen Bildern zum Markenzeichen erhoben hat.

Es gehört zu den großen Chancen einer Künstler-Personale, lange Entwicklungslinien sehen zu können, und die Werkschau, die die Albertina Eduard Angeli aus Anlass seines 75. Geburtstags ausrichtet (bis 25.6.), nimmt diese Gelegenheit wahr.

Es ist ein weiter Weg vom „ Triptychon“, das 1965 entstand, zu den neuesten großformatigen Werken, denen oft Motive aus Angelis Wahlheimat Venedig zugrunde liegen.

Doch da wie dort ist Angeli – die Begleittexte werden es nicht müde zu betonen – kein Maler äußerer Eindrücke, sondern ein Maler des Inneren. Er ist auch kein „Stimmungsimpressionist“, der Stadtansichten und dergleichen bloß mit Atmosphäre aufzuladen sucht: vielmehr hat das Atmosphärische Vorrang und lagert sich an das Gesehene bloß an – wie eine Salzkruste an die Schiffsrümpfe und Hafenmauern, die Angeli mitunter darstellt.

Nicht ganz vergeistigt

Das Motivische wirkt in Angelis Bildern eher wie eine Steighilfe für jene, die nicht ganz in die Abstraktion eintauchen wollen oder können – in diesem Sinn ist Angeli ein interessanter Grenzgänger in einer Welt, die oft nur das Entweder-Oder kennt.

Während die Gemälde von Flugzeug-Motiven aus den frühen 1970er Jahren noch Anstoß geben, sich Geschichten auszudenken, verschwindet das Erzählerische im Verlauf der Schau nach und nach aus Angelis Werk. Quasi durch die Hintertür verabschiedet sich auch der sichtbare Strich: Zwar sind Angelis spätere Bilder an ihrem luftigen Auftrag von Ölfarbe oder Kohle, verbunden mit einem groben Malgrund aus Jute, leicht zu erkennen. Eine „Handschrift“ im engeren Sinn aber sieht man nicht.

Es ist keine Kunst, die modisch sein will oder sich viel mit Diskursen über das Wesen der Malerei aufhält. In der Balance, die sie zwischen Darstellung und Innerlichkeit hält, und in der Handhabe ihrer Möglichkeiten ist Angelis Werk allerdings in einer Unerschütterlichkeit angekommen, die man jedem Künstler nur wünschen kann.