Kultur 07.03.2013

Stallone kennt keine Gnade

Die Geschichte? Passt auf einen Bierdeckel. Die Dialoge? Arm. Aber der nette Auftragskiller macht trotzdem Spaß.

Von allen alten Männern im Kino würde ich (heute wird es echt persönlich) am liebsten Sylvester Stallone sein. (Und nicht nur, weil wir ihm „Rocky“ verdanken.) Es gibt kaum einen Pensionisten, der sich derart herrlich und herzlich prügeln kann wie Stallone und dabei schamlos seine in Falten gelegte Muskulatur herzeigt. Gegen ihn sehen, man muss es zugeben, Bruce Willis (zuletzt „Die Hard 5“) oder Arnold Schwarzenegger (zuletzt „The Last Stand“) echt alt aus. Mit „Expendables 1 und 2“ hatte sich Stallone wieder in die Oberliga der Kinocharts katapultiert. Jetzt darf er es wieder in einem Solo versuchen, als alter Auftragskiller, der dem hehren Motto folgt: „Töte niemals einen Unschuldigen“.

Ein echt bezaubernder Auftragskiller also, der zwar brutal mordend durch New Orleans zieht, aber unschuldige Zeugen am Leben lässt. Auch wenn sie gegen ihn aussagen könnten. Als er bei einem Auftrag solcherart eine Frau (jung, schön, nackt) verschont, ist am nächsten Tag sein Partner tot. Diesen zu rächen zieht er aus und tut sich gezwungenermaßen mit einem smarten Polizisten zusammen: Cop und Killer bilden ein Duo, das die wahren Mörder jagt. Der Cop hält die Moral hoch, indem er dauernd droht, den Killer am Ende des Falls noch zu verhaften. Der Killer wiederum hält die Moral hoch, indem er dem Cop immer wieder das Leben rettet (mordend selbstverständlich).

„Shootout – Keine Gnade“ ist wie aus den 80er-Jahren herübergebeamt. Der Film versucht erst gar nicht, seinen Star an 2013 anzupassen. Er tut einfach so, als wäre es immer noch 1986, als Actiondialoge noch kurz und bündig waren und Prügeleien ehrlich. Und für 91 Minuten herrscht daran echt kein Zweifel. Die Geschichte, basierend auf einer französischen Graphic Novel von Alexis Nolent, ist zwar derart simpel, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Aber Actionhandwerker Walter Hill, dem wir Filme wie „Nur 48 Stunden“ oder „The Warriors“ verdanken, inszeniert Witz und Wumm so elegant, dass der Film bei aller Simplizität großen Spaß macht. Und wie der alte Haudegen Stallone am Ende die lange Axt schwingt, ist wieder großes Actionkino.

KURIER-Wertung: **** von *****

Info: Shootout – Keine Gnade. USA 2012. 91 Min. Von Walter Hill. Mit S. Stallone, Christian Slater.

Parodie

Ein Paar, ein neues Traumhaus, ein Dämon: Vom Grusel-Klassiker „Der Exorzist“ bis zur Horror-Reihe „Paranormal Activity“ wird in „Ghost Movie“ alles parodiert, was das Genre hergibt. Bei einem Budget von 2 Millionen Dollar hat der Gruselklamauk in den USA inzwischen rund 40 Millionen eingespielt.

KURIER-Wertung *** von *****

Horror

Und noch mehr Horror: Diesmal verquickt sich klassisches Splatter-Kino mit einem Schuss Romantik und und schwarzer britischer Komödie: In „Sightseers“ ziehen Chris und Tina, unterwegs mit ihrem Campingwagen, eine Blutspur durch die englische Provinz.

KURIER-Wertung *** von *****

Vorgeschichte

Wie kam der Zauberer nach Oz? Spiderman-Regisseur Sam Raimi verbeugt sich hier vor Oz-Autor Frank Baum. James Franco darf mit Porzellanpuppen spielen. Ausführliche Kritik bereits erschienen, nachzulesen online.

KURIER-Wertung **** von *****

Romantikkino

Frau mit Geheimnis trifft auf aufrichtigen jungen Mann und schon gibt’s Turbulenzen. Viele Krimis beginnen so. Doch Nicholas Sparks, Autor der gleichnamigen Romanvorlage, ist ein Garant für gefühlige Geschichten. Regisseur Lasse Hallström lässt sich auf den Liebessturm der Herzen ein.

KURIER-Wertung **** von *****

Doku für Kinder

Ein Dokumentarfilm für Kinder (ab acht): Mika liebt die Natur und will endlich mal den Dschungel erleben. Darum reist er nach Nicaragua – wo er etwas ganz anderes entdeckt: eine Müllhalde. Und Francis, die dort wohnt.

KURIER-Wertung **** von *****

Debüt

Vielschichtiges Porträt der indischen Provinz Kaschmir: Im Mittelpunkt der junge Bootsmann Gulzar. Die Bekanntschaft mit einer Wissenschaftlerin macht ihm das Ausmaß der Umweltverschmutzung bewusst. Beachtliches Spielfilmdebüt, das bei Sundance lief.

KURIER-Wertung **** von *****

Doku

Die Problematik der Gewalt gegen Frauen in Europa wird in dieser Doku von Seiten betroffener Frauen und männlicher Täter beleuchtet. Engagiert.

KURIER-Wertung **** von *****

( Kurier ) Erstellt am 07.03.2013