Kultur
16.02.2018

"St. Josef am Berg": Generationenkonflikt in den Bergen

Harald Krassnitzer spielt auf ORF2 einen selbstgefälligen Dorfkaiser.

Die Wiesen sind saftig, die Berge leuchten und die Brettljause duftet. Die optischen Rahmenbedingungen des TV-Zweiteilers " St. Josef am Berg", der heute, Freitag, um 20.15 Uhr auf ORF2 seinen Auftakt feiert, erinnern einen an den "Bergdoktor" oder "Klingendes Österreich".

"Aber die Idylle täuscht", sagt Harald Krassnitzer im KURIER-Interview. Die schöne Landschaft werde zwar "immer wieder ins Bild gerückt, aber die Charaktere, die Figuren strahlen alles andere als Harmonie aus. Sie haben alle eine unterschiedliche Haltung, es ist eine merkwürdige Mischung aus einer pflichtbewussten Aufrechterhaltung von Traditionen und partikularen Interessen. Dadurch entsteht eine Diskrepanz, entstehen Reibereien, die für humorvolle Momente sorgen. Eine Bergdoktor-Romantik sehe ich da keine", sagt Krassnitzer, der einen gewissen Josef Pirnegger verkörpert. Einen Hotel-Besitzer mit besten Kontakten zu Politik und Wirtschaft, der sich im Dorf die Welt richtet, wie er sie gerade braucht. Gemeint ist damit die österreichische Variante des Mauschelns, die Bevorzugung der eigenen Interessen, die hierzulande schon noch sehr ausgeprägt sei.
"Mir wäre nicht entgangen, dass sich der ehemalige Finanzminister Grasser im Rahmen des BUWOG-Prozesses verantworten muss; mir wäre nicht entgangen, dass der Steuerzahler in den vergangenen Jahren zehn Milliarden Euro für den Bankenskandal um die Hypo Alpe-Adria ausgeben musste; mir wäre nicht entgangen, dass im Rahmen der Eurofighter-Affäre einige Sachen unter der Hand abgesprochen wurden", sagt Harald Krassnitzer.

Vor einer malerischen Kulisse – gedreht wurde im salzburgerischen Rauris – geht es in "St. Josef am Berg" aber nicht nur um die Technik des Sich-Richtens, sondern auch um länderübergreifende Konflikte, die eben auftreten, wenn norddeutsche Korrektheit auf österreichische "Schau-ma-moi"-Mentalität trifft.

Piefke vs. Ösis

Auf den Konflikt zwischen Ösis und Piefkes wird aber nur dezent angespielt, viel mehr geht es "um Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Generationen", sagt der gebürtige Grödiger Krassnitzer, der bei den Dreharbeiten aber keinen Heimvorteil mehr genoss, da er schon lange nicht mehr in der Gegend lebt.Da es sich vordergründig um eine Produktion fürs deutsche Fernsehen (ARD) handelt, wurde der Pinzgauer Dialekt flachgebügelt – und damit auch die Story. Den zweiten und vorzeitig auch letzten Teil von "St. Josef am Berg" gibt es am Samstag (20.15 Uhr, ORF2). Ob es es eine Fortsetzung geben wird, hängt im Wesentlichen vom Publikumszuspruch ab.