Spitzenjahr: 1,1 Mio. Besucher

Das Belvedere gibt drei, im Mai beschlagnahmte Kunstwerke zurück an Tschechien
Foto: Belvedere Wien

Dank des Klimt-Jahres konnte das Belvedere das "Beste Jahr Ever" verzeichnen - mit 1,1 Mio. Besuchern.

In ausnehmender Jubel-Stimmung hat Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco am Freitag die Jahresbilanz 2012 und den Ausblick auf das laufende Ausstellungs-Jahr präsentiert. Dank des Klimt-Jahres habe man das "beste Jahr ever" verzeichnet und mit 1,1 Mio. Besuchern einen Rekord aufgestellt. "Die Besucherzahlen machen uns stolz, sind aber auch eine Bürde", so Husslein. "Heuer haben wir kein Klimt-Jahr, aber wir werden uns bemühen." Unterstützt werden diese Bemühungen durch ein weiteres Jubiläum: Anlässlich des 350. Geburtstags von Prinz Eugen im Herbst ist neben einer Ausstellung im Oberen Belvedere auch die erstmalige Bespielung des einstigen Winterpalais' Prinz Eugens in der Himmelpfortgasse geplant.

Exakt 1.139.585 Besucher verzeichneten die drei Häuser des Belvedere 2012, alleine die bis 27. Jänner verlängerte "Jubiläumsausstellung 150 Jahre Gustav Klimt" brachte 460.734 Besucher. Der Eigendeckungsgrad stieg somit auf 59,3 Prozent (2011: 57,4 Prozent), insgesamt verzeichnete man im Vergleich zum Jahr 2011 einen Besucher-Anstieg von 28,2 Prozent. Somit freut sich Husslein über eine "Verdreifachung der Besucherzahlen seit meiner Übernahme im Jahr 2006", als man 432.575 Besucher verbucht hatte.

Den Löwenanteil trägt das Obere Belvedere (2012: 815.264 Besucher, 2011: 543.933), ins neue 21er Haus strömten im vergangenen Jahr immerhin 29.874 Besucher (2011: 15.627 Besucher), das Untere Belvedere verzeichnete 2012 mit 294.447 Besuchern allerdings einen Rückgang (2011: 329.073 Besucher). Ebenfalls angestiegen ist der Anteil der nicht-zahlenden Besucher (2012: 178.601; 2011: 139.711), was Husslein auf den Ansturm von Unter-19-Jährigen "aus aller Welt" zurückführt. Von dort stammt auch ein Großteil der Belvedere-Besucher, nämlich 81,9 Prozent. 10,1, Prozent kommen aus der Bundeshauptstadt (laut Husslein "durchaus ausbaufähig"), 8 Prozent aus dem restlichen Österreich.

Eintrittserlöse von 7,1 Mio. Euro standen 2012 Einnahmen aus dem Shop von 3,6 Mio. Euro gegenüber, "sonstige Erlöse" wie Veranstaltungen oder Sponsoring spülten 2,5 Mio. Euro in die Kassen des Belvedere, das 2012 somit einen erwarteten Umsatz von rund 13,2 Mio. Euro brachte (2011: rund 9,5 Mio. Euro Gesamtumsatz). Die Basisabgeltung inkl. 21er Haus und anteiligem Betrag für die Artothek betrug 9,1 Mio. Euro.

Ebenfalls erfreut zeigte sich Husslein-Arco über die zahlreichen Schenkungen und Nachlässe, die das Belvedere im vergangenen Jahr erhielt: Dazu zählt etwa der "bedeutendste Sammlungszuwachs in der Geschichte der Zweiten Republik" durch das Legat von Peter Parzer, der dem Haus 127 Werke, die auf einen Wert im dreistelligen Millionenbereich geschätzt werden und Werke wie Klimts "Sonnenblume", Oskar Laskes "Schlaraffenland" oder Georg Merkels "Zwei Frauenakte" umfassen, vermachte. Hinzu kamen Ankäufe mit Augenmerk auf den Ausbau der Sammlung zeitgenössischer Fotografie, die zu großen Teilen in der Überblicksausstellung "Fotos. Österreichische Fotografien von den 1930ern bis heute" im 21er Haus (ab Ende Jänner 2013) zu sehen sein wird. Mit Werken aus der Thyssen-Bornemisza Collection erfolgte Ende 2012 eine "eminente Dauerleihgabe", was insgesamt für viel Zuversicht beim Belvedere sorgt.

Nicht ganz so groß ist die Jubelstimmung unterdessen in der Albertina, die ebenfalls heute ihre Jahresbilanz veröffentlichte. Mit 620.333 Besuchern liegt man dank der groß angelegten Impressionismus-Schau, der Ausstellung der Zeichnungen Gustav Klimts und am Ende des Jahres "Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit" zwar über dem Jahr 2011 (574.739 Besucher), aber auch unter jenen 655.598 Besuchern aus dem Jahr 2010. 2013 - im 10-jährigen Jubiläumsjahr der Albertina seit ihrer Wiedereröffnung 2003 - werden unter anderem Max Ernst (ab 23.1.), die großen Niederländer Bosch, Bruegel, Rubens und Rembrandt (ab 14.3.), Gottfried Helnwein (ab 25.5.) sowie eine umfassende Ausstellung zu Matisse und den Fauves (ab 20.9.) zu sehen sein.

Die Bilder zur Ausstellung "Gustav Klimt / Josef Hoffmann - Pioniere der Moderne" (2012)

Mit der Ausstellung "Gustav Klimt / Josef Hoffmann - Pioniere der Moderne" begegnet das Wiener Belvedere vom 25. Oktober bis zum 4. März den beiden Künstler mit einer umfassenden Ausstellung. Gleichzeitig bildet die Schau den Auftakt für das Klimt-Jahr 2012.

Bild:
Josef Hoffmann
"Palais Stoclet", Entwurf für den Musik- und Theatersaal, 1905/06
Bleistift, Tusche, Farbstift und Wasserfarbe auf Papier
13,2 x 25,8 cm Der Maler Gustav Klimt (1862–1918) und der Architekt, Designer und Raumkünstler Josef Hoffmann
(1870–1956) teilten die Vision einer Kunst, die alle Bereiche des Lebens umfassen sollte. Über zwei Jahrzehnte waren ihre künstlerischen Aktivitäten miteinander verbunden. Sie bewegten sich in denselben Kreisen und waren beide führende Persönlichkeiten in der sich neu formierenden Wiener Kunstszene.

Bild:
Gustav Klimt
"Marie Henneberg", 1901/02
Öl auf Leinwand
144,5 x 144,5 x 7 cm
Herausragende Projekte wie die Beethovenausstellung 1902 und das Palais Stoclet in Brüssel, das heuer seinen 100. Geburtstag feiert, waren für nachfolgende Generationen wegweisend.

Bild:
Modell Palais Stoclet, 1905-1911
Lindenholz, Birnenholz, finnische Birkenfurniere,
164,4 × 130 × 54 cm, Maßstab 1:50
Ausführung: Institut für Modellbau der Universität für angewandte Kunst, Wien, 1984 Klimt und Hoffmann strebten nach einem Gleichklang zwischen bildender und angewandter Kunst und setzten in Europa im Bereich des Gesamtkunstwerks neue Maßstäbe. 

Bild:
Gustav Klimt
"Bewegtes Wasser", 1898
Öl auf Leinwand
52 × 65 cm Anhand von Gemälden, Architekturplänen, maßstabgetreuen Rekonstruktionen, Modellen und Dokumenten werden in der Schau die Genese und die Raumwirkung jener gemeinsamen Vorhaben veranschaulicht und der intensive Austausch mit der belgischen Kunstszene, der die Entwicklung der Wiener Moderne nachhaltig beeinflusste, beleuchtet.

Bild:
Gustav Klimt
"Sonnenblume", 1907
Öl auf Leinwand, 110 × 110 cm, Die Schau beginnt mit dem österreichischen Beitrag für die Pariser Weltausstellung 1900, an dessen Umsetzung Klimt und Hoffmann beteiligt waren. 

Bild:
Jan Toorop
"Allegorische Darstellung", 1898
Bleistift auf Papier
20, 5 x 31 cm Während man Hoffmanns Ausstellungskonzeption in Paris noch schlicht als "Arrangements" bezeichnete, war bereits zwei Jahre später, bei der Beethovenausstellung in Wien, von "moderner Raumkunst" die Rede.

Bild:
Gustav Klimt
"Beethovenfries", 1901/02

Stirnwand: Die feindlichen Gewalten. Der Gigant Typhoeus, gegen den selbst Götter vergebens kämpften; seine Töchter, die drei Gorgonen. Krankheit, Wahnsinn, Tod. Wollust und Unkeuschheit, Unmäßigkeit. Nagender Kummer. Die Sehnsüchte und Wünsche der Menschen fliegen darüber hinweg.

Ausführung: Gustav Klimt und Assistenten

Kaseinfarben, Stuckauflagen, Zeichenstift, Applikationen aus verschiedenen Materialien (Glas, Perlmutt etc.), Goldauflagen auf Mörtel

Gesamtlänge: 34,14 m, (Längswände je 13,92 m, Stirnwand 6,30 m), Höhe: 2,15 m Wesentliche Impulse für die Entwicklung der Wiener Moderne kamen von belgischen Künstlern wie George Minne oder Fernand Khnopff. Zu keiner Zeit gab es einen ähnlich regen Austausch zwischen belgischen und österreichischen Künstlern wie um 1900.

Bild:
Fernand Khnopff
"Acrasia. The Faerie Queen", 1897
Öl auf Leinwand, 150,8 × 45 cm Diesem Umstand wird durch die Nebeneinanderstellung von Werken Khnopffs, Minnes, Jan Toorops und Klimts Rechnung getragen. Dass im wechselseitigen Einfluss auch die belgische Architektur eine Rolle spielte, veranschaulicht ein Modell des Wohnhauses und Ateliers von Khnopff, das dieser 1901 errichten ließ.

Bild:
Ludwig Heinrich Jungnickel
"Paradies der Tiere", Entwurfszeichnung für den Fries im Kinderzimmer des Palais Stoclet, 1908-09
Gouache und Aquarell auf Papier auf Leinwand Klimt und Hoffmann teilten nicht nur die Vision einer Erneuerung der Künste, sondern auch ihre Auftraggeber: ...

Bild:
Josef Hoffmann
"Brosche", 1905
Modell Nr. G 366
Ausführung: Wiener Werkstätte/Eugen Pflaumer, 1911
Silber, vergoldet, und Schmucksteine
5,2 × 5,2 cm ... Aufschlussreich werden originale und rekonstruierte von Hoffmann entworfene Einrichtungsgegenstände neben ihren von Klimt gemalten Besitzerinnen gezeigt.

Bild:
Josef Hoffmann
"Zusammenlegbare Bibliotheksleiter", 1905
Eiche, gebeizt und gekalkt, Messing
50 × 42 × 42 cm Das gemalte Porträt von Barbara Flöge, der Mutter von Emilie Flöge, galt seit 1928 als verschollen; es ist in der Belvedere-Ausstellung – im historischen Hoffmann-Rahmen – erstmals wieder öffentlich zu sehen.

Bild:
Gustav Klimt
"Barbara Flöge", 1915
Öl auf Leinwand
110 x 110 cm Von Klimts besonderer Beziehung zu Emilie Flöge und ihrer Familie zeugen von Hoffmann im Auftrag von Klimt für Emilie gefertigte Schmuckstücke und die dazugehörigen Originalentwürfe.

Bild:
Gustav Klimt, 1904 Gustav Klimt / Josef Hoffmann
Pioniere der Moderne
Unteres Belvedere
25. Oktober 2011 bis 4. März 2012

Bild:
Josef Hoffmann

(APA / jr) Erstellt am
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