Kultur
13.03.2018

Spektakel mit doppeltem Boden

Die Werkschau von Axel Hütte in Krems zeigt Fotografie zwischen Opulenz und konzeptueller Strenge.

Die Fotografie ist ein Schwamm, der schon vieles aufgesogen hat: Das Territorium der bloßen Abbildung okkupierte sie bereits früh, wenig später auch die Abstraktion und die Fähigkeit, selbst wenig bildwürdigen Dingen ästhetischen Wert abzuringen. Was früher Avantgarde war – etwa eine serielle, in strengen Rastern präsentierte Fotografie –, ist heute Standard auf Instagram. Und man darf sich fragen, was in diesem Medium noch möglich ist.

Axel Hütte beantwortet diese Frage mit einem Mehr an allem: Seine Bilder in der Schau "Imperial – Majestic – Magical" in der Kunsthalle Krems sind spektakulär, aber auch konzeptuell; sie sind mit einem hohen Grad an technischer Perfektion ausgeführt und gleichzeitig dazu angetan, Fragen über das, was auch die beste Kamera nicht sichtbar macht, aufzuwerfen. Was man Hütte vorwerfen kann, ist vielleicht eine gewisse Streberhaftigkeit (lauter Einser in Praxis und Theorie!) – dank der Vielschichtigkeit und des Schauwerts siegt aber die Überwältigung.

Streng und aufwendig

Hütte gehört der "Düsseldorfer Fotoschule" an, also jener Generation von Fotokünstlerinnen und -Künstlern, die ihre Ausbildung an der dortigen Kunstakademie unter Bernd und Hilla Becher genossen. Wie andere Abgänger entwickelte auch Hütte den Ansatz seiner Lehrer (serielle Fotografie, in Rastern präsentiert) weiter: Seine Bilder wurden größer, zielten aber bei aller Opulenz stets auf das, was die Betrachtenden selbst im Kopf ergänzen müssen, um den Eindruck zu vervollständigen.

Die Kremser Schau bietet einen nicht-chronologischen Querschnitt durch Hüttes Werk seit den 1980er-Jahren: Von spektakulären Berg- und Gletscherbildern, die sich durch vernebelte Horizontlinien und die Abwesenheit von Referenzpunkten (Menschen, Tiere, Hütten) dagegen sträuben, Panoramen zu sein, geht es zu frühen Porträts (streng, seriell) und zu Bildern von Wasseroberflächen, die Hütte in den Nullerjahren anfertigte.

In diesen großen, eigentlich auf den Kopf gestellten Bildern zeigen sich Aktfiguren und Landschaften ebenso wie optische "Störfaktoren" (Eisschollen, Pollen, Kräuselungen): Ein Stoß von Reflexions- und Referenzebenen kippt dabei in ein Schauerlebnis, wie es gewöhnlich nur in der Natur zu haben ist.

Kipp-Bilder

In den jüngsten Bildern dreht der Fotograf das Rad noch ein Stückchen weiter: Nach Innenansichten venezianischer Palazzi und Kirchen schuf Hütte im Vorfeld der Schau Aufnahmen opulenter Bauten in Österreich, etwa der Stifte Melk und St. Florian, des Belvedere oder des Hotels Sacher.

Auf spiegelndem Untergrund gedruckt, scheinen diese Bilder oft zwischen Positiv und Negativ zu kippen, die reflektierende Oberfläche liegt nicht mehr wie ein Teich vor den Betrachtenden, sondern holt sie ins Bild hinein. Zugleich erscheint das Strenge und Rasterhafte in der minutiös gewählten Perspektive aufgelöst – die Interieurs mögen noch so geschmückt sein, sie bleiben doch abgezirkelte Raumkonstrukte. Wenn Fotografie wie ein Schwamm ist, dann hat sie bei Hütte gelernt, auch Gegensätze aufzusaugen.

Axel Hütte: Bis 10.6. in Krems

Axel Hütte, 1951 geboren, lebt in Düsseldorf und Berlin. Kunsthallen-Chef Florian Steininger zeigte seine Werke bereits 2015 in der Schau „Landscape in my mind“ im Bank Austria Kunstforum, auch das Essl-Museum und die Salzburger Galerie Ruzicska präsentierten ihn öfters. Die Ausstellung „Imperial – Majestic – Magical“ ist nun bis 10.6. in der Kunsthalle Krems zu sehen. Der Bildband zur Schau (84 Seiten) kostet 24 €.