Halbdunkel: Christa Théret (Maria von Burgund) und Miriam Fussenegger (Johanna von Hallewyn)

© ORF/Thomas Kiennast

TV-Kritik
03/02/2017

So war "Maximilian": Hauptsache nicht peinlich

"Maximilian" im ORF: Super. Weil, hey, wir haben die "Wanderhure" mitfinanziert.

von Anna Gasteiger

Historienverfilmungen sind per se albern. Schauspieler, die man zuletzt im „Tatort“ oder irgendeiner Vorabendserie gesehen hat, stehen in Kostümen wie frisch aus dem Faschingsverleih herum und werfen einander Sätze an den Kopf, die man so nie sagen würde, außer… ja, in Historienverfilmungen. „Maximilian“ (seit Mittwoch auf ORFeins) schafft es, diese offensichtlichen Fallen zu umgehen - immerhin ist mit Regisseur Prochaska und Martin Ambrosch die Creme-de-la-Creme der heimischen Fernsehfilmmacher am Werk.

Der 15-Millionen-Dreiteiler spielt im nur punktuell von Fackeln erhellten Halbdunkel; das erspart manche Ausstattungspeinlichkeit. Und hilft der Stimmung auf die Sprünge. In einer schönen, fast poetischen Szene irrt Maximilian (Jannis Niewöhner) nahkämpfend durch einen Nebelwald. Klettert einen Felsen hinauf, raus aus dem Nebel und springt auf der Flucht vor seinen Verfolgern in einen See. Das hebt sich wohltuend ab von der Durchschnittsfernsehware, die sonst im (öffentlich-rechtlichen) Fernsehen geboten wird.

Schwanzwedeln

Und die Sätze? Verursachen hier keine Beulen. (Abgesehen von dem narkotisierend-nichtssagenden Untertitel "Das Spiel von Macht und Liebe.") Miriam Fussenegger darf in einer Szene die schönen Sätze sagen: „Männer sind wie Hunde. Wenn man sie füttert und manchmal nett zu ihnen ist, wedeln sie mit dem Schwanz.“ Kriegt vielleicht keinen Literaturnobelpreis, aber hey, mit unseren Gebührengeldern hat man die „Wanderhure“ finanziert.

Teil eins hatte am Mittwoch 739.000 Zuschauer. Am Donnerstag wird der zweite, am Freitag der dritte Teil ausgestrahlt. Am Samstag gibt es übrigens ein weiteres Prochaska/Ambrosch-Projekt zu sehen: „Spuren des Bösen – Begierde“ mit Heino Ferch in der Hauptrolle.

"Maximilian I.": Herr der Eheringe

Wie viele Kerzen in den 260 Filmminuten abbrennen, ist nicht überliefert. Aber es müssen Tausende sein, denn immerhin stehen bereits Hunderte Komparsen, Pferde, Rüstungen sowie Dutzende Schlösser und Burgen auf der Ausgabenseite von "Maximilian. Das Spiel von Macht und Liebe". Dieser Dreiteiler, dessen erster Teil am Mittwochabend (1. März) auf ORFeins (20.15 Uhr) ausgestrahlt wird, ist die bislang größte Produktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. 15 Millionen Euro Budget haben die 77 Drehtage verschlungen.

Finanziert wurde das opulente Historiendrama mit Partnern wie dem ZDF und zahlreichen Förderungen – alleine 3,2 Millionen Euro kommen vom Fernsehfonds Austria. Die Größe der Produktion war selbst für den erfahrenen österreichischen Regisseur Andreas Prohaska eine Riesenherausforderungen. "Es gab viel zu lernen. Für mich und die ganze Crew. Niemand hatte Erfahrung mit den Ausmaßen einer solchen Großproduktion", sagt er im Interview.

Die Geschichte des Fernsehfilms spielt Ende des 15. Jahrhunderts: Für Friedrich III. (Tobias Moretti), den amtierenden Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, wird es langsam eng - das Schicksal seiner Zunft steht auf dem Spiel. Doch als Karl der Kühne in einer Schlacht fällt und dessen Tochter Maria (Christa Theret) im wohlhabenden Burgund an die Macht kommt, tut sich eine Möglichkeit auf. Eine Hochzeit muss her, ist Friedrich III. überzeugt. Und sein Sohn Maximilian (Jannis Niewöhner) der geeignete Kandidat dafür.

"Tu felix Austria nube"

Es ist der Beginn einer erfolgreichen Habsburger-Taktik: Was man sich nicht erkämpfen will, kann man sich auch erheiraten: "Tu felix Austria nube". Doch so einfach ist es für Friedrich III. nicht. Denn sein Sohn Maximilian hat ganz andere Vorstellungen, will in die Schlacht ziehen und sich alles andere als zwangsverheiraten lassen. Auch der französische König Ludwig XI. (Jean-Hugues Anglade) hat etwas dagegen und versucht mit allen Mitteln, selbst die Kontrolle über Burgund zurückzugewinnen. Diese Rahmenbedingungen gilt es erst einmal dem Publikum zu erklären - Regisseur Andreas Prochaska und der Drehbuch-Autor Martin Ambrosch lassen sich dafür den ganzen ersten Teil Zeit, wodurch ein paar Längen entstehen.

Herausragend sind vor allem die Außenaufnahmen, die das Bild jener Epoche gut vermitteln. "Es ist ein Versuch, sich dieser Zeit anzunähern und Schauwerte zu kreieren, die hoffentlich funktionieren", meinte Prochaska. Nachsatz: "Es muss natürlich eine emotionale Wirkung haben und nicht nur Tsching-Bumm machen."

"Es gibt im Fernsehen aktuell nichts Vergleichbares. Jeder Teil von 'Maximilian I.' könnte auch im Kino gezeigt werden", schwärmt Newcomer Jannis Niewöhner, den seine Rolle als Maximilian I. einiges abverlangte. Denn eine Ritterrüstung kann gut und gerne 20 Kilo wiegen. "Wenn Körper und Psyche zusammenkommen, ist das schon ein Stress, der auf einen einwirkt", sagt Niewöhner.

Ruhe

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen bezeichnet der deutsche Jungschauspieler als super. Vor allem von Tobias Moretti konnte er einiges am Set lernen. "Tobias ist am Set, bei den Vorbereitungen wahnsinnig konzentriert und strahlt dabei sehr viel Ruhe aus. Diese Ruhe verkörpert er auch in seiner Rolle als Friedrich III."

Andreas Prohaska musste sich erst in die Geschichte einlesen. Bis zum Start des Projekts habe er wenig über das Schaffen der Hauptfigur seine Dreiteilers gewusst: "Ich habe in der Schule wohl nicht so gut aufgepasst, der Maximilian ist mir entglitten", gibt er offen im Gespräch mit dem KURIER zu. Ähnlich erging es Niewöhner. Für ihn war der Maximilian Neuland. "Da habe ich im Geschichtsunterricht wohl ähnlich schlecht aufgepasst wie Andreas Prohaska (lacht). Ich musste mich daher erst wieder einlesen. Während der Vorbereitung war mir es aber wichtig, den Menschen dahinter zu begreifen: Warum hat er so gehandelt? Was war er für ein Charakter und was war ihm in seinem Leben wichtig?"

Handschrift

Der Dreiteiler "Maximilian I." besticht durch eine enorme Intensität, eine tolle Kamera, Maske und Farben. Alleine durch das Licht wird eine unglaublich schöne Atmosphäre erzeugt. Andreas Prohaska hat sich zwar an Filmen wie "Gladiator" orientiert, aber stets versucht, seine eigene Handschrift klar herauszuarbeiten und dabei niemals die Geschichte zu vergessen. Das ist beeindruckend. Gemeinsam mit der Crew habe er "jeden Tag etwas dazugelernt - und vor allem haben wir nicht die Nerven weggeworfen", sagt der Regisseur. "Ich hoffe sehr, dass es das Publikum auch annimmt."

Gelegenheit dazu bietet sich von 1. bis 3. März jeweils um 20.15 Uhr auf ORFeins. Und wer dann von Kaiser, Königen und Herzögen noch nicht genug hat, der erhält in der Dokumentation "Maximilian - Der Brautzug zur Macht" (3. März um 22 Uhr auf ORFeins) weitere Einblicke in das Leben des "letzten Ritters", wie Maximilian auch genannt wurde.

INFO: "Maximilian I. Das Spiel von Macht und Liebe".
Mit: Christa Théret (Maria von Burgund), Jannis Niewöhner (Maximilian), Alix Poisson (Margareta von York), Jean-Hugues Anglade (Ludwig XI), Miriam Fussenegger (Johanna von Hallewyn), Stefan Pohl (Wolf von Polheim), Johannes Krisch (Haug von Werdenberg), Tobias Moretti (Kaiser Friedrich III), Sylvie Testud (Charlotte de Savoye), Nicolas Wanczycki (Philipp De Commynes), André Penvern (Guillaume Hugonet), Raphael Lenglet (Olivier De La Marche), Harald Windisch (Georg Rudolfer), Lili Epply (Rosina von Kraig), Fritz Karl (Adolf von Egmond).
Drehbuch: Martin Ambrosch
Regie: Andreas Prochaska

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