Kultur
09.11.2017

"Simpel": Skurrile Coming-of-Age-Story für Spätzünder

Tragikomödie um ungleiche Brüder, die ihren Vater suchen.

Die Welt der beiden Brüder Ben und Barnabas lässt sich wohl am ehesten als traute Disharmonie bezeichnet. Bens scheint beseelt zu sein von einem Helfersyndrom, dem Barnabas seine störrische Behäbigkeit entgegensetzt. Bald wird klar, was dieses ungleiche Gespann zusammenhält: Barnabas, vom Bruder "Simpel" genannt, ist geistig behindert und trotz seiner 22 Jahre ein Kind geblieben. Für die Mutter ist Ben der "Mann im Haus", ohne den sie ihr Dasein als Alleinerzieherin nicht meistern könnte. Als sie unerwartet stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden. Ben will das mit allen Mitteln verhindern. Gemeinsam mit Simpel flieht er vor den Behörden und macht sich auf abenteuerliche Suche nach dem Vater, der die Familie verlassen hatte – überfordert von der Aufgabe, die ein behindertes Kind bedeutet.

Der Film basiert sehr lose auf einem sehr anrührenden und witzigen französischen Jugendroman, in dem die Autorin Marie-Aude Murails ihre behinderte Hauptfigur eine Studenten-WG in Paris durcheinanderbringen lässt.

Der deutsche Regisseur Markus Goller hat aus dem Stoff einen skurrilen Coming-of-Age-Film für Spätzünder gemacht, der trotz guter Schauspieler wesentlich eindimensionaler daherkommt als die Vorlage. Die engen Grenzen der schnöden Vernunft vermag Simpel aber auch als Filmfigur auf sympathische und bisweilen auch mitreißende Weise zu sprengen.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D 2017. 113 Min. Von Markus Groller. Mit David Kross, Frederick Lau, Annette Frier.

KURIER-Wertung: