Kultur
10.01.2017

Simon Schwarz: "Man macht es Neuen nicht einfach"

Schauspielstar Simon Schwarz über sein Debüt als Produzent, Filmförderung und Erfolg.

Mit "Zerschlag mein Herz", einer unter Roma spielenden Romeo-und-Julia-Geschichte, gibt Schauspielstar Simon Schwarz sein Debüt beim Kinofilm – als Produzent. Der im Sommer in Wien, Niederösterreich und in der Ostslowakei gedrehte Streifen befindet sich derzeit in der Postproduktion. "Wir hoffen sehr, dass wir 2017 mit Beginn der Festivalsaison fertig sind", sagt Simon Schwarz im KURIER-Gespräch.

Und er betont: "Der Vergleich mit Romeo und Julia stimmt nur bedingt, denn die Geschichte von ,Zerschlag mein Herz‘ funktioniert nur in diesem Milieu" (s. Info am Ende). Hier sei die Frau nicht selbstbestimmt, könne zur Ehe gezwungen werden und das Leben basiere auf von dieser Gesellschaft vorgegebenen Regeln. "Und das alles passiert mitten in Wien." Der Zugang sei aber weniger politisch zu werten, denn als Hinweis nach dem Prinzip: "Hey, seit 600 Jahren leben Roma und Sinti unter uns. Und was wissen wir über sie?"

Kein leichter Stoff also.

Wir sitzen in einem Wiener Café. Für den passionierten Teetrinker Schwarz ist das servierte Gebräu ein Graus. Darauf lässt ihn aber sein stetig steigender Enthusiasmus beim Erzählen ohnehin völlig darauf vergessen. Es gibt so viel zu sagen über die Entstehung des Films, die Schauspieler, die Schwierigkeiten beim Dreh, die Finanzierung, die Sponsoren, die Förderungen, den Weltvertrieb, die Branche …

Ungeplant

Dass "Zerschlag mein Herz" Schwarz’ erste Arbeit als Produzent werden würde, war nicht geplant. Am Anfang stand die Idee von Regisseurin Alexandra Makarová für einen Kurzfilm, bei dem Schwarz Laien als Schauspiel-Coach begleiten sollte. "Es war rasch klar, dass das ein zu großer Stoff dafür war." Es brauchte aber jemanden, der die Rahmenbedingungen schafft, daraus einen Langfilm zu machen. Womit die Reihe an Simon Schwarz war. "Ich war der Älteste und der vergleichsweise Finanzkräftigste. Außerdem kennt man ja die Geschichten über gute Filme, die mit wenig Geld entstanden sind...", schmunzelt Schwarz. "Es ist das dann alles ein bisschen viel und groß geworden."

Mit der ersten Projekt-Entwicklungsförderung und nachdem er eigenes Geld eingesetzt hatte, ist er eine gewisse Verpflichtung eingegangen. Der nächste Einreichtermin für Förderungen rückte immer näher. Es brauchte eine "Notlösung", die er in Konstantin Seitz fand "und die sich als großartig herausgestellt hat." Der unabhängige Filmgeschäftsführer mit Ein-Mann-Firma "fand das Projekt spannend und hat gemeint, dann bist du jetzt mein Produzent."

"Ich habe viel gelernt und gemerkt, dass der Zugang zu Geldtöpfen schon so gestaltet ist, dass man es ,Neuen‘ nicht einfach macht", meint Schwarz. "Wenn man etwa sagt, wir produzieren mal und lassen den Film auf einem Festival laufen, sind alle froh und glücklich. Aber wenn man wie ich einen Film produzieren will, der tatsächlich ins reguläre Kino kommen soll, gilt der als kommerzieller Film, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich damit keinen Cent verdienen werde, im Gegenteil. Das klingt absurd, ist aber so."

Glücklicherweise fand er mit Jan Mojtos Betafilm jemanden, der den Weltvertrieb übernehmen wollte und der ihm trotzdem freie Hand ließ.

Für Schwarz ist klar, dass er weiter produzieren will. "Damit höre ich nicht mehr auf, auch wenn ich noch nie so schlecht gelaunt war wie an diesem Set. Ich habe in Kauf genommen, alle zu quälen. Denn es gab für mich nur eins – dieser Film muss fertig werden, egal wie." Schwarz sagt, er liebe den Beruf des Schauspielers, brauche es aber nicht zum Glücklichsein, dass er sein Gesicht auf der Leinwand sehe. "Ich kann mir gut vorstellen, mich noch stärker mit Produktion auseinander zu setzen. Ich glaube, dass meine Sicht, also die Sicht der anderen Seite, die Seite eines Schauspielers, auf das Thema Produktion eine spannende ist."

Filmpolitik

Und Schwarz will sich auch filmpolitisch einmischen. "Ich habe das Gefühl, dass viel in der Gesetzgebung national wie europäisch geändert gehört." Das Spektrum beginnt bei der Steuergesetzgebung. "Dieser Film wäre ohne Sponsoren, private Geldgeber und Eigenmittel nicht zustande gekommen. Es wäre da noch viel mehr möglich gewesen, wenn es andere Rahmenbedingungen gäbe."

Und es reicht das Spektrum dahin, wieder mehr Bewusstsein für Film zu schaffen. Schwarz sieht etwa Nachholbedarf in den Schulen, wo "die Kinder diesbezüglich nichts beigebracht bekommen – das hat Auswirkungen auf deren Sehverhalten." Aber auch bei der Politik: "Film ist nicht bloß Unterhaltung, es ist Kunst und Kultur und muss dementsprechend im Budget berücksichtigt werden. Das leben uns die Franzosen vor."

Mit der finanziellen Ausstattung hierzulande könne man für wirtschaftlichen Kinobetrieb, sprich die Zuschauerzahlen, keine konkurrenzfähigen Filme produzieren, meint Schwarz, der in Berlin lebt und vor allem in Deutschland sein Geld verdient. "Wir nominieren für den Oscar Filme, die überwiegend nicht-österreichisch finanziert sind – wir erwähnen es halt nicht."

Und wenn dann ein tatsächlich österreichischer Film erfolgreich sei, "dann liegt das nur an der über alle Maßen vorhandenen Kreativität, für die uns beispielsweise Deutsche bewundern."

Kreativität, die Schwarz vor allem auch bei Jungen und Studenten ausmacht, mit denen er in Österreich vor allem zu tun hat. "Die sind teilweise dazu gezwungen, ihre eigenen Firmen aufzumachen, weil sie meistens keine Chance haben, einen Langfilm so umzusetzen zu können, wie sie es wollen. Ich halte es für total wichtig, dass die Möglichkeit, einen Langfilm als Abschlussfilm zu machen, gegeben ist – so, wie es in Deutschland gang und gäbe ist. Langfilme werden in der Branche anders beurteilt. Erst wenn wir den jungen Filmschaffenden, die gerade die Hochschule verlassen haben, ermöglichen, sich auf einem freien Markt zu messen, können wir das kreative Potenzial unseres Landes entfalten. Doch leider gibt es wenige Produzenten, die mit einem jungen Kreativen einen Langfilm machen können, weil einfach zu wenig Geld da ist und daher das Risiko zu groß ist."

Erst nach mehr als eineinhalb Stunden ist Schluss mit Schwarz’ Tour de Force, der Tee ist in der Zwischenzeit nicht besser geworden. Aber der Neo-Produzent wirkt trotzdem zufrieden und fast ein wenig erstaunt, was "Zerschlag mein Herz" aus ihm gemacht hat.

Info: "Zerschlag mein Herz"

Inhalt

Der 17-jährige Roma Pepe lebt mit seinem unberechenbaren Onkel Rocky. Zusammen mit anderen geht er jeden Tag betteln. Als eines Tages die 16-jährige Marcela neu aus der Slowakei dazukommt, ist es für die beiden Liebe auf den ersten Blick. Doch auch Rocky fühlt sich immer stärker zu Marcela hingezogen und versucht, sie in eine Zwangsehe zu treiben.

Simon Schwarz

Der Schauspieler (geboren 1971 in Wien) ist aus zahlreichen österreichischen Filmen und Serien bekannt, u.a. aus den Wolf-Haas-Verfilmungen wie „Komm süßer Tod“, „Braunschlag“, „Altes Geld“, den „Vorstadtweibern“ oder „Das Sacher“. „Zerschlag mein Herz“ ist sein Debüt als Produzent. Der Film ist abgedreht und wird derzeit fertig gestellt.

Cast/Stab

Regie & Drehbuch: ALEXANDRA MAKAROVÁ
Drehbuch: SEBASTIAN SCHMIDL
DarstellerInnen: SIMONA KOVACOVÁ (Marcela), ROMAN HORVÁTH (Pepe), FRANTISEK BALOG (Rocky), SIMONIDA SELIMOVIC (Terezka), MAXIMILLIAN SIX (Sandokan), MARTIN GABOR (Jessica)
Kamera: GEORG WEISS
Schnitt: LISA GERETSCHLÄGER
Szenenbild & Kostüm: MOMO EHEGARTNER