Kultur
25.03.2012

Sie präsentiert ab nun den "Kulturmontag"

Am Montag wird es ernst für Nadja Bernhard. Punkt 22.30 Uhr tritt die bisherige ORF-Auslandskorrespondentin ihre neue Aufgabe als Moderatorin des "Kulturmontag" an.

Ihr Bauchgefühl, sagt Nadja Bernhard, sei gleich gut gewesen. Aus zwölf Bewerberinnen wurde sie zur neuen " Kulturmontag"-Moderatorin ausgewählt. Vorgängerin Clarissa Stadler wollte "weg vom Schirm" – und sich Herzensprojekten widmen.

Ein Gespräch mit Nadja Bernhard über ihre Einsätze in Krisengebieten, Magenkribbeln statt Nervenkitzel und darüber, wie viel Politik in Kultur steckt.

KURIER: Sie sind dem Fernsehpublikum vor allem durch zwei jüngste Ereignisse bekannt: Als Sie nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti live aus einer Cholera-Klinik berichteten und als Sie, aus Ägypten nach Österreich zurückgekehrt, in einer ZiB 20 Ihre Eindrücke vom Tahrir-Platz schilderten. Beide Male wirkten Sie sehr empathisch. Ist das Ihr Zugang zum Beruf?

Nadja Bernhard: Ich will authentisch sein. Das ist sicher mein Stil. Das habe ich als USA-Korrespondentin gelernt, wo es üblich ist, dass man als Journalist viel von seiner Persönlichkeit zeigt. Sich einzubringen ist der moderne Zugang zu unserem Beruf, der erhobene Zeigefinger ist passé. Natürlich ist es unsere Aufgabe, die Dinge für die Zuschauer einzuordnen, in einen Zusammenhang zu bringen, aber mit persönlichem Touch.

Wird Ihnen das Vor-Ort-Sein fehlen? Als Moderatorin stehen Sie ja "nur" im Studio.
Ich habe schon einiges an Nervenkitzel, an Kriseneinsätzen erlebt. Auf dem Flughafen Kairo bin ich sogar einmal festgenommen worden. Aber ich kann nicht sagen, dass diese neue Herausforderung, durch eine ganze Sendung – und keine unwichtige – zu führen, mit weniger Magenkribbeln verbunden ist. Ich versuche, mir darüber keine Sorgen zu machen. Und was das "nur" moderieren betrifft: Ich werde auch Beiträge gestalten. Mit Chefredakteur Fritz Dittlbacher und Kulturchef Martin Traxl ist abgesprochen, dass ich 50 % zur ZiB-Ausland und 50 % zur Kultur gehöre. Ich bin flexibel genug, ich mache best of both. Und auf eines freue ich mich besonders.

Nämlich?
Auf die großen Interviews im Kulturmontag. Wenn man zehn Minuten Zeit für ein Gespräch hat, kann man sich schon einbringen. Mir wurde gesagt, ich habe beim Casting bei der Gesprächsführung besonders gut abgeschnitten. Das wird sicher spannend, nicht mit "zugecoachten" Politikern zu tun zu haben, sondern Kunst- und Kulturschaffende zu einem interessanten Dialog zu animieren. Mein erster Interviewpartner wird Hans Weingartner zu seinem Film "Die Summe meiner einzelnen Teile" sein.

Haben Sie spezielle Kunst- und Kulturinteressen?
Alles, was zeitgenössisch ist, wo der Zugang ein moderner ist: Film, Fotografie, Installationen ...

Von der Außenpolitik zur Kultur: Zeigen Sie die Welt aus einer anderen Perspektive?
Ich komme nicht aus der Wiener Kulturszene, sehe meinen Blick von außen aber nicht als Nachteil an. Im Gegenteil. Ich will kein Kunstprogramm erklären, sondern die Schnittstellen von Politik und Kultur zeigen. Kultur ist gesellschaftskritisch, sozial engagiert, Kultur ist Leben.

Ist die Familie froh, dass Sie mit der neuen Aufgabe "aus der Schusslinie" sind?
(Sie lacht.) Ja, die Mama. Sie findet es schön, zu wissen, wo die Tochter jetzt ist.

Zur Person: Rom, Washington, Wien

Nadja Bernhard
Geboren 1975 in Kanada, kam 1999 zum ORF. Von 2005 bis 2008 Italien-Korrespondentin, danach bis Juli 2010 in Washington. Im Jänner 2010 berichtete sie zwei Wochen lang aus dem Erdbebengebiet in Haiti. 2011 war sie u. a. in Libyen und im Irak. Zuletzt informierte sie die ORF-Zuseher an der Seite von Karim El-Gawhary über die Ägyptische Revolution.