Kultur
05.12.2011

Shark Night: Killer und Killerhai im Sumpf

Filmstarts: "Shark Night 3D": Haie als tieferes Symbol + "Jane Eyre": brillante Schauer-Romanze + "In Time": Passabler Thriller mit Justin

Der Haifisch, der hat Zähne, und die waren in der Kunst immer schon ein Symbol. Auch in diesem blutigen Filmfall. Da sind Haie menschengemacht, und Menschen haben Zähne wie ein Hai. Aber der Reihe nach: "Shark Night 3-D" liest sich wie ein klassischer Genrefilm. Ein Ausflug von College-Studenten. Die Rückkehr einer gern im Bikini auftretenden Blondine ins elterliche Ferienhaus auf einer Insel.

Dort, im Sumpf von Louisiana, warten dann Killer und Killerhaie. Letztere (und vor allem deren Kiefer) waren allerdings seit Steven Spielberg nicht mehr so schockierend. Und auch, wenn moralisiert wird (was Film im Internet betrifft), so schafft "Final Destination"-Regisseur David R. Ellis es doch, den Sumpf zum tieferen Symbol werden zu lassen: Wo Menschen mit unaufgelösten Liebesgeschichten sich verlieren und zu zerfleischenden Bestien werden. - V. Franz

KURIER-Wertung
: **** von *****

INFO: HORRORFILM, USA 2011. 91 Minuten. Von David R. Ellis. Mit Sara Paxton.

"Jane Eyre" - Liebhaber in der Nebelschwade

Cary Fukanaga verfilmte " Jane Eyre", einen Klassiker der Mädchenliteratur, als brillante Schauer-Romanze.

Schläge auf den Kopf, bis das Kind fast ohnmächtig wird. In der Kälte auf einem Sessel stehen, bis sich die Lungenentzündung in den Körper gefressen hat. Früh an Tuberkulose sterben. Die brutale Geschichte einer Kindheit und Jugend im viktorianischen England - "Jane Eyre" von Charlotte Brontë - zählt zu den Klassikern der schaurig-romantischen Mädchenliteratur und gehört mit mindestens zehn Kinoverfilmungen auch zu den Klassikern der großen Leinwand. In US-Regisseur Cary Fukanagas brillanter Balance zwischen Gothic-Schauer, Werwolf-Angst und Wald-Horror erstarkt Jane Eyre vom heimatlosen Waisenmädchen zur unabhängigen Frau mit eisernem Willen. Und den kann sie dringend brauchen.

Nach grässlicher Kindheit im Internat landet Jane auf Schloss Thornfield, wo sie als Gouvernante engagiert wird. Als ihr Arbeitgeber und zukünftiger Liebhaber Mr. Rochester wie der Gottseibeiuns in einer Nebelschwade neben ihr auftaucht und danach gleich fluchend vom Pferd fällt, kündigt sich alles andere an als eine zartbesaitete Liebesgeschichte.

Michael Fassbender gibt den Schlossherrn als zerquälten, unberechenbaren Choleriker. Wenn Rochester ausflippt, wird wild durch die Luft geschossen, und die Frauen lassen die Köpfe noch tiefer sinken. Gleichzeitig legt Fassbender aber immer wieder seine Gefühle blank, dass einem der Atem weg bleibt.

Und Mia Wasikowska (bekannt aus "Alice im Wunderland") ist eine tolle Jane Eyre. In ihrem fast durchscheinenden Gesicht tritt erst auf den zweiten Blick die Schönheit hervor und legt die Bandbreite ihrer Ausdruckskraft frei, die sich hinter den blassen Zügen verbirgt. Gleich zu Filmbeginn, der minutenlang ohne Worte auskommt, jagt Jane durchs
Hochmoor, schluchzend, stolpernd durch eine Landschaft, die nichts tröstliches anbietet. Der Regen peitscht, der Wind heult - der ganze Kinoapparat weint. In farblich umwerfend schönen Bildern und mit Hingabe zum Detail, wenn auch mit etwas zu viel Musik, erzählt Fukanaga von den Grausamkeiten der romantischen Liebe. Jane Eyre liebt ihren mystischen, unberechenbaren, ihr gesellschaftlich überlegenen Mann. Aber solange sie ihm nicht auf Augenhöhe begegnen kann, will sie ihn nicht haben. Und das ist doch eine gute Lektion im Twilight-Land der Teenage-Love.

Alexandra Seibel

KURIER-Wertung: **** von *****

INFO: DRAMA, GB/USA 2011. 120 Min. Von Cary Fukanaga. Mit Mia Wasikowska.

"Happy Feet 2" - Da steppt der Pinguin

"Happy Feet 2", putzig wie das Original, vereint Erderwärmung und Herzerwärmung
Was dem verlorenen Sohn aus der Bibel recht ist, kann einem Pinguin-Baby nur billig sein. Das war schon im Original von "Happy Feet" so: Da konnte der Sohn nicht singen, dafür aber tanzen. Diesmal kann er nicht tanzen, weshalb er fliegen lernen will.

Wenn dann noch das Eis schmilzt, wenn die ganze, von Eisbergen eingeschlossene Pinguin-Population von Vater und Sohn gerettet werden muss und Pink ihr Wiegenlied in die Lüfte schickt - dann strömet, ihr Freudentränen, fließet, ihr Glücksgefühle und klingelt, ihr Weihnachts-Kinokassen. Auch wenn die Dramaturgie nicht immer aufgeht, ist George Millers "Happy Feet 2" im besten Sinn eigenwillig. Ein putziges Musical, in dem unterschwellig und seltsam düster Ölpest und Weltuntergang mitswingt. - VF

KURIER-Wertung: **** von *****

"New York - November" - Sehr schwarz und sehr gut

Ein Mann auf der Flucht: Nach einem gescheiterten Banküberfall hetzt Bruce McGray quer durch die USA - bis er an einen Ort im Süden der USA strandet, der im Tagebuch seiner Ex-Freundin beschrieben ist. Erinnerungsfetzen tauchen auf, alles scheint mysteriös, nichts ist klar. David Lynch lugt verstohlen um die Ecke.

Mehr als zwölf Jahre haben die beiden Kärntner Gerhard Fillei und Joachim Krenn gebraucht, ihren pechschwarzen, zum Großteil in Schwarz-Weiß gehaltenen Thriller in die Tat umzusetzen. Immer wieder ging den beiden, die Freunde und Bekannte von der New York University als Darsteller rekrutierten, das Geld aus. Beachtlich, dass ihnen dieses Team trotzdem über zehn Jahre lang die Stange hielt. Ein ungewöhnlicher, gelungener Film noir mit schnellen Schnitten und grobkörnigen und dadurch erst richtig hintergründigen Bildern. Manchmal braucht gut Ding eben Weile. - S. Lintl

KURIER-Wertung:

INFO: THRILLER , A/USA 2010. 100 Min. Von Gerhard Fillei, Joachim Krenn. Mit Matthew Mark Meyer.

"In Time" - Die Zeit in der Haut

Timberlake rennt. Rennt weiter. Rast mit dem Auto davon. Versteckt sich. Und muss schon wieder rennen. "In Time" ist in erster Linie ein Action-Spaß. Aber auch ein Thriller, der zwei Stunden spannend bleibt. Denn zwischen den Action-Szenen gibt es viele überraschende Wendungen im Script. Und Regisseur Andrew Niccol macht das futuristische Szenario mit realistischer Darstellung bedrückend glaubwürdig.

Computer-Tricks kamen nur bei den grünen Uhren an den Unterarmen der Darsteller zum Einsatz. Drei Sets von Haut-Scans mussten Timberlake und Seyfried dafür über sich ergehen lassen. Jede Haut-Unebenheit, jeder Leberfleck , jedes Muttermal wurde einbezogen, sodass die tickende Lebenszeit tatsächlich wie in die Haut eingebettet wirkt.
Wo der Film schwächelt, ist die Sozialkritik. Die hat viele spannende Ansatzpunkte, bleibt aber immer beiläufig und vage. Justin Timberlake macht sich zumeist ganz gut, wirkt bei den stark emotionalen Szenen dann aber doch etwas zu flach. Aber immerhin: Rennen kann er. Schoki

KURIER-Wertung
: *** von *****

KINO IN KÜRZE

"Alles Koscher"
Mahmud ist überzeugter Muslim. Sein Identität gerät ins Wanken, als er erfährt, dass er adoptiert wurde - und eigentlich Solly Shimshillewitz heißt. Klingt ziemlich jüdisch und ist es auch. Also übt der Moslem, Jude zu sein - und lässt dabei kein Klischee aus. Mäßig lustige Konzept-Komödie, deren berechenbare Mechanik allzu laut knirscht. -as


"Kein Sex ist auch keine Lösung"

Werbefachmann hält sich für Sex-Fachmann und baggert Mitarbeiterin an. Der Sex klappt, die Beziehung nicht. Enervierende Komödie, die sich frivol gibt, dabei aber kein noch so blödes Geschlechterstereotyp auslässt. -as

"Du und ich"
Hiltraud ist Spastikerin, Franz ist gesund. Liebevoll umsorgt er die Frau - und sofort schließt man daraus, er sei ihr Pfleger. Dass er auch ihr Partner ist, erzählt Regisseurin Ruth Rieser nicht als Sensation, sondern als Normalität mit Herausforderungen. Ein weitgehend unbetuliches Porträt eines außergewöhnlichen Pärchenalltags. -as

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