Kultur 26.01.2012

ServusTV startet aufwendige Doku-Reihe

© Bild: National Geographic/Ralf Dujmovits

Der Privatsender startet die Dokumentarreihe „Bergwelten“ mit einem Film über Gerlinde Kaltenbrunner und einer Diskussionsrunde über Extrem-Alpinismus. (Ab Do, 20.15 Uhr)

Es geht um „Wahnsinnige, die Unglaubliches leisten“. So beschreibt Sendungsmacher Hans-Peter Stauber seinen Zweiteiler über Gerlinde Kaltenbrunner, der (Donnerstag und Freitag, jeweils 20.15 Uhr) die neue Sendereihe eröffnet. Es handelt sich um ein Prestigeprojekt des Fernsehsenders von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Daher gebe es, sagt Stauber, keine Vorgaben außer einer: Die Filme sollen „Qualitätsmarken“ sein. Die Dokumentationen sehen fast auffällig hochwertig aus, es wurde mit hohem technischen Aufwand gedreht.

Das Pikante daran: Mateschitz hat dem ORF ein Markenzeichen abgenommen – auf das dieser keinen Wert mehr legte: „Bergwelten“ ist konzeptionell wie personell (verantwortlich zeichnen Stauber und sein Mentor Lutz Maurer) die Fortsetzung von „Land der Berge“. Also einer Reihe, für die der ORF mehrfach ausgezeichnet wurde, die ihm beste Quoten brachte – und die er dennoch einstellte.

Diskussion

„Bergwelten“ porträtiert nicht Berge, sondern Menschen in den Bergen. Stauber: „Es geht um Menschenbilder, um Alpinisten, Künstler, Wissenschaftler.“ Das zeigt die dritte Folge der Reihe am 3. Februar besonders gut, die dem Psychotherapeuten Viktor Frankl gewidmet ist. Lutz Maurer: „Wenige wissen, dass er ein begeisterter Bergsteiger war. Und dass er mit 67 noch den Flugschein gemacht hat.“

Die heutige Premieren-Folge erzählt nach, wie Gerlinde Kaltenbrunner zwischen 1994 und 2003 13 der 14 Achttausender erstiegen hat. Die zweite Folge begleitet Kaltenbrunner auf den K2, an dem sie sechs Mal scheiterte, bevor sie den Gipfel, ein lebensgefährliches Notbiwak in Kauf nehmend, schließlich doch erreichte. „Am 23. August 2011, um 8.18 Uhr“, wie Stauber auswendig weiß.

Im Anschluss an die erste Folge (21.15 Uhr) leitet der KURIER-Chefredakteur Helmut Brandstätter heute eine „Talk im Hangar“-Diskussion zum Thema „Gipfelglück und Höhenrausch – Wo liegen die Grenzen?“ Unter den Gästen: Kaltenbrunner, ihr Mann und Expeditionsleiter Ralf Dujmovits und der berühmte Alpinist und Bergfilmer Norman Dyhrenfurth.

Nachgefragt: Gerlinde Kaltenbrunner im Gespräch

Höhenbergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner über das Filmen ihres persönlichsten Gipfelerlebnisses.

KURIER: Frau Kaltenbrunner, wenn man einen Berg wie den K2 besteigt und ohnehin schon keine Luft mehr bekommt, wie kann man da noch ans Filmen denken?
Gerlinde Kaltenbrunner: Gute Frage. Tatsächlich bedeutet das Filmen in großer Höhe äußerste Anstrengung. Das beginnt damit, dass man die dicken Handschuhe ausziehen muss. Wir haben beim Aufstieg zu dritt die Spur getreten und der vierte Teamkollege, Darek, ist hinten nachgegangen und hat die Kamera bedient. Das war sehr anstrengend für ihn, obwohl er das gewohnt ist, er war bei einigen Expeditionen dabei, aber da oben, wo der Sauerstoff sehr knapp ist, ist das alles anders.

Sie haben selbst auch gefilmt?
Ja, ich war fünfzehn Minuten allein am Gipfel, das wollte ich unbedingt festhalten, das sind einmalige Augenblicke. Ich habe gedacht: „Das muss ich unbedingt dem Ralf zeigen“ (Ehemann Ralf Dujmovits ) .

Dieser Gipfelsieg ist auch ein sehr persönliches Erlebnis. Dachten Sie beim Filmen daran, dass Sie dieses Erlebnis mit Tausenden Menschen teilen werden?
Ich bin das von meinen Vorträgen gewohnt, wo ich Filmsequenzen zeige. Ich spüre das sehr stark, wie ich die Leute mitnehmen kann, dass sie besser verstehen, warum es mich dort hinzieht. Ich spüre gerne, wenn ich den Leuten etwas mitgeben kann.

Erstellt am 26.01.2012