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Kultur
12/05/2011

"Serse": Triumph im Theater an der Wien

Kritik: Händels "Serse" feiete im Theater an der Wien Premiere. Nur ganz selten ist Barockoper auf so hohem Niveau zu erleben.

von Peter Jarolin

So lebendig, so spannend und so kurzweilig kann Barockoper sein. Dabei ist Georg Friedrich Händels 1738 uraufgeführtes Werk "Serse" alles andere als ein leicht realisierbares Stück. Irgendwo zwischen Drama und Komödie angesiedelt, verlangt dieser "Serse" von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Virtuosität gepaart mit größter Spielfreude.
Dem Theater an der Wien aber ist mit "Serse" eine geradezu exemplarische Interpretation dieses bitterbösen Spiels um Liebe, Leidenschaft und Macht gelungen.
Worum geht es? Der persische König Serse führt nicht nur Krieg, sondern hat auch seine Verlobte Amastre verstoßen, weil er die junge Romilda begehrt. Diese aber liebt Serses Bruder Arsamene und wird auch ihrerseits von diesem geliebt. Arsamene wiederum ist das Objekt der Begierde der koketten Atalanta. Bis zuletzt die "richtigen" Paare einander finden, gibt es jede Menge Liebesfreud' und Liebesleid'

Wald

Regisseur Adrian Noble, der an der Staatsoper eine eher statische Händelsche "Alcina" inszeniert hat, schöpft bei "Serse" aus dem Vollen. Ausstatter Tobias Hoheisel (auch Kostüme) hat einen Wald auf die Drehbühne gestellt, der von Mauern begrenzt ist. Diese lassen sich öffnen, führen Protagonisten zusammen oder trennen sie - je nach Bedarf. Im Wald selbst wird geliebt, geschmachtet und intrigiert.
Noble hat all das elegant, mit Witz, Verve und Tempo umgesetzt; nie wird hier barocke Virtuosität zum Selbstzweck. Denn Noble inszeniert auch die Arien, rückt Händel in die Nähe des jungen Mozart, gönnt sich dezente Verweise auf Shakespeares Feldherren und Könige, setzt auf stringente Bilder und viele Assoziationen.
Kongenial ist die musikalische Seite: Dirigent Jean-Christophe Spinosi und das Ensemble Matheus musizieren frisch von der Leber weg, dabei mit grandioser Präzision, Elan, Schwung und hintergründiger Heiterkeit. So heutig klingt Händel selten.

Macho

Und die Sänger sind atemberaubend. An der Spitze die sensationelle Malena Ernman als König Xerxes. Ernman gibt in dieser Hosenrolle einen liebesbedürftigen, aber auch brutalen Macho. Stimmlich lässt die privat sehr weibliche Mezzosopranistin gar keine Wünsche offen. Gleiches gilt für die fabelhafte Danielle de Niese als hinreißend-flatterhaftes Biest Atalanta.
Als Romilda begeistert Adriana Kučerová (Sopran) vokal wie darstellerisch; als Arsamene ist der Countertenor Bejun Mehta eine Klasse für sich. Anton Scharinger, Luciana Mancini, Andreas Wolf und der Arnold Schoenberg Chor fügen sich in dieses Barockerlebnis gut ein. Jubel.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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