Zu Besuch in Willy Puchners Atelier. „Ich hab’ ein bissl mehr, als ich brauch’“

© Kurier/Juerg Christandl

Kinderbücher
01/09/2015

Sehnsuchtsorte und ausgestopfte Hasen

Der Universalkünstler Willy Puchner sammelt, malt und fotografiert – daraus entstehen wunderbare (Kinder-)Bücher.

von Barbara Mader

Berühmt geworden ist der Wiener Fotograf und Zeichner Willy Puchner mit seinen Pinguinen, die er für eine Werbekampagne bei touristischen Anziehungspunkten fotografierte – vom Eiffelturm bis zur Chinesischen Mauer. "Die Sehnsucht der Pinguine" nannte er das Projekt.

Für den gebürtigen Niederösterreicher Willy Puchner, 62, kann vieles zum Sehnsuchtsort werden. Aus seinen Reisen destilliert er Bilder zur "Welt der Farben", in die der Betrachter völlig eintauchen kann (Residenz Verlag, 19,90 €). Da erfährt er dann, dass die Antarktis aus Farbschattierungen von Albatrosweiß bis Sturmvogelgrau besteht, und ein Wald Bärlauch- und Tannengrün mit Einsprengseln von Fuchsbraun und Hagebuttenrot ist. Ähnlich einem Setzkasten oder einer wildgemusterten Patchworkdecke sind seine Bilder, die er in Büchern für Kinder und Erwachsene sowie in Porträts für die FAZ verarbeitet. Fantasievoll, schräg, im besten Sinne kindisch; oft überladen und voll überraschender Details, die nur erkennt, wer genau hinschaut, sind diese gemalten, gezeichneten und fotografierten Bilder und Reiseberichte. Eindrücke aus New York? Eine ganze Seite fein kalligrafierter Namen berühmter New Yorker. Gedanken zu "1000 Jahre Österreich"? Eine Erinnerung daran, dass man irgendwann auch den Tiergarten Schönbrunn feiern wird – dazu der Spruch "Lieber einen Tag Tiger sein als 1000 Jahre Schaf".

Ja, man darf sich nicht wundern, man muss sich auf Puchners Welt einlassen. Landschaften, Tiere, Städte und Menschen werden selbstverständlich Teil seiner Welt, die er in seiner Kunst zu einer Art Privatmuseum umgestaltet. So sieht übrigens auch sein Atelier aus: Ein wildes Sammelsurium von Dingen, die einer Ordnung folgen, die sich dem Besucher nicht sofort erschließt. Hier ein ausgestopfter Hase, dort Muscheln, Käfer, Schneekugeln und im Schrank Hunderte handschriftliche Briefe – Universalkünstler Puchner liebt Briefeschreiben. Man kommt aus dem Schauen nicht heraus. "Ich hab’ ein bissl mehr, als ich brauch’. Man kann entweder aus der Fülle oder der Leere arbeiten. Ich arbeite aus der Fülle."

Und die ausgestopften Tiere? "Ich liebe die Pose". Wunderbare "Poser" wie Vögel, Frösche und immer wieder Hasen hat Puchner zuletzt in seinen Büchern "ABC der fantastischen Prinzen" und "ABC der fabelhaften Prinzessinnen" verarbeitet (Nordsüd, 20,60 €).

Werkstattbesuch bei Willy Puchner

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