Kultur 21.01.2018

Scolik: "Ich bin gekommen, um zu bleiben"

BR-Direktor Scolik zu ORF-Wechselgerücht: "Da müsste noch sehr viel passieren" © Bild: Julia Müller/BR

Reinhard Scolik zieht Bilanz als TV-Direktor des BR und spricht über Quoten, Geldnöte und ORF-Spekulationen.

An diesem Wochenende gab sich die Prominenz aus Film und Fernsehen in München die Ehre: bei Filmball, Film-Preis und traditionellem Film-Brunch des Bayerischen Rundfunks (BR). Dort lenkte dessen österreichischer Fernseh-Direktor, Ex-ORF-Mann Reinhard Scolik, mit einem emotionalen Plädoyer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dessen Finanzierung aber vom Feiern ab.

Scolik betonte dessen demokratiepolitischen Beitrag für die Gesellschaft in Zeiten von Fake News. Und appellierte: "Wir brauchen Geld, Geld und nochmals Geld", wenigstens die Inflation müsse bei den seit 2009 nicht erhöhten Beiträgen berücksichtigt werden, sonst gäbe es ab 2021 massive Kürzungen im Programm. Das hörten Filmemacher und Schauspieler nicht gern – denn insgesamt investiert der BR jährlich noch stolze 85 Millionen Euro in die Filmwirtschaft.

Der BR, der über ein Gesamtbudget von etwas mehr als einer Milliarde Euro verfügt, sei in einer besondern Situation, erläuterte der 59-Jährige dem KURIER. Die neue Haushaltsabgabe habe nicht den Geldregen wie anderswo gebracht. "Der Grund dafür spricht für die Bayern – sie hatten bereits davor eine hohe Zahlungsmoral."

ORF ist kein Thema

Schon beim ORF spielte Scolik, zuletzt als Administrationschef, eine wichtige Rolle beim Sparkurs. Jetzt tut er es seit gut zwei Jahren in München. Doch obwohl die Situation als Fernseh-Direktor nicht einfach ist, die kolportierte Rückkehr zum ORF, zumal als Generaldirektor nach einer Gesetzesreform, ist kein Thema. Scolik: "Ich bin nach Bayern gekommen, um in Bayern zu bleiben. Ich habe es noch keine Minute bereut, dass ich vom ORF zum BR gewechselt bin. Also, da müsste schon sehr viel passieren, dass ich es mir noch einmal anders überlege."

Trimedialität

Zu tun hat Scolik in München einiges: Die Hauptaufgaben waren und sind "die Neustrukturierung des TV-Programms und die Ausrichtung der Programm-Produktion auf die Trimedialität." Hier ist der BR deutlich weiter als etwa der ORF. "Obwohl Fernseh-Direktor, bin ich in Kultur, Wissenschaft und Religion für alle Medien – TV, Radio, Internet – zuständig." Dazu kommt noch der Digital-Radio-Sender BR Heimat.

BR-Comedy
"Das Institut - Oase des Scheiterns": Kurz vor dem Elfer tritt Titus (Robert Stadlober) auf eine Mine und darf sich deshalb nich… © Bild: Alva Nowak

Und das alles zusätzlich zu seinen Zuständigkeiten für Film und Serie, Unterhaltung und Heimat sowie ARD-alpha und die neue BR-Mediathek. Dazu kommen innerhalb der ARD die Kirchen- und Musik-Koordination und 3Sat, das 2017 mit 1,3 Prozent den bisher höchsten Marktanteil in Deutschland hatte.

Auch das BR Fernsehen legte zu (auf 7,4 Prozent Marktanteil). Scolik: "Es gibt den treffenden Satz: Wo Bayern rausschaut, schauen die Bayern rein." Das Highlight 2017 war die "Fastnacht in Franken" (52,4 Prozent). Ein Fixpunkt sei auch die Daily Soap "Dahoam is Dahoam".

Sehr gut laufe der neue Donnerstag mit dem satirisch-kritischen Polit-Magazin "quer", Kabarett und "Ringlstetter". Junges Publikum versucht Scolik mit speziellen Serien und in Zusammenarbeit mit Kreativen der Film-Hochschule zu locken: Hoch gelobt wurde die schräge Serie "Hindafing", derzeit läuft "Das Institut", eine, laut Spiegel, Comedy-Perle.

( kurier.at ) Erstellt am 21.01.2018