Der australische Schriftsteller Christos Tsiolkas.

© Klett Cotta/Zoe Ali

Schwul, arm und unter Leistungsdruck
04/25/2014

Schwul, arm und unter Leistungsdruck

Barrakuda. Der australische Working-Class-Loser.

von Barbara Mader

Wann genau drohte er zum ersten Mal die Kontrolle zu verlieren? War es an dem Tag, als Kurt Cobain starb? Und er dem Lehrer am liebsten eine gescheuert hätte, als der ihn nach seinen Gefühlen fragte?

Oder war es, als seine Mitschüler seine Mutter verspotteten? Ihm hinterherliefen, flüsterten, lachten? Er wusste, dass er nie zu den geschniegelten Jungs dieser Eliteschule gehören würde. Doch Danny Kelly wusste auch, dass er besser als sie war. Er war schneller, er war stärker. Er war " Barrakuda".

Der australische Schriftsteller Christos Tsiolkas, der für seinen bisher erfolgreichsten Roman "Nur eine Ohrfeige" mehrfach ausgezeichnet wurde, erzählt in seinem neuen Buch "Barrakuda" die Geschichte des halbwüchsigen Arbeiter-Sohnes Daniel "Danny" Kelly, der sich Anerkennung mühevoller als andere erkämpfen muss. Sein Stipendium hat er sich erschwommen und einzig seine sportlichen Erfolge geben ihm Sicherheit. Sie sind es, die ihm helfen, mit seinem Aggressivitäts-Problem und mit der Angst vor dem Erwachen seiner Homosexualität fertig zu werden.

Und sie werden ihn aus der schäbigen Wohngegend rausholen, in der der Sohn eines schottischen Lastwagenfahrers und einer griechischstämmigen Friseurin in Melbourne lebt. Er, der klein und behaart und so anders als die "Golden Boys" ist, die hübschen, reichen Burschen mit ihren glatten Schwimm-Körpern. (In einen dieser perfekten Jungs wird er sich verlieben.) Alles, was er hat, sind Talent und sein Siegeswille.

Und dann verliert Danny. Bei den panpazifischen Meisterschaften in Japan wird ein anderer "Aussi" Erster. Danny Kelly wird bloß Fünfter.

Angst im Nacken

Dass er mehr als eine Medaille verloren hat, wird schnell klar. Er versinkt in Selbstmitleid, er ist ein "Loser", der die Kontrolle verliert. Und er wird erst Jahre später, als er ganz unten angelangt ist, aus seinem Tal der Tränen herausfinden.

Christos Tsiolkas beschreibt Dannys Versagensängste als Krankheitsverlauf. Die Angst, nicht zu genügen, sitzt ihm im Nacken. "Ich kann es riechen, den Geruch eines Körpers, der nicht hören will, (...), der alles opfert, und dennoch nichts taugt. Es ist das Versagen, das ich rieche (...) Der Teufel ist in mir."

In zwei Perspektiven – der des jugendlichen Ich-Erzählers und jener einer dritten Person, die den erwachsenen Daniel beschreibt, berichtet Tsiolkas davon, wie sein Protagonist mit dem Erwartungsdruck ringt. Mit seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung, seinem sportlichen Ehrgeiz. Dass Daniel tief fallen wird, erfahren wir gleich zu Beginn. Spannend bleibt, wie und ob er sich wieder zurück ins Leben kämpft.

KURIER-Wertung:

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