Kultur
04.07.2017

Schnitzler in Reichenau: Ein eher laues Sommerlüfterl

Arthur Schnitzlers "Im Spiel der Sommerlüfte" bei den Festspielen Reichenau.

Arthur Schnitzler und die Festspiele Reichenau – das ist im Normalfall eine sichere Bank. Viele, teils auch exemplarische Produktionen hat es in den vergangenen Jahrzehnten an der Rax gegeben; auch Schnitzlers letztes Stück "Im Spiel der Sommerlüfte" war bereits 1991 in Reichenau zu sehen.

Der Versuch, dieses verklärend-nostalgische Stück (Schnitzler schrieb 1929 über einige Sommerfrischler in der längst untergegangenen Welt der Monarchie) auch 2017 zu reanimieren, scheitert im Neuen Spielraum allerdings massiv.

Holzhammer

Denn Regisseurin Beverly Blankenship macht in Peter Loidolts grünem Labyrinth-Bühnenbild einen Kardinalfehler: Sie verzichtet auf jede Form von Zwischentönen, will die großen und kleinen Gefühle der Protagonisten mit dem Holzhammer erklären, verzichtet auf die Zeichnung von Charakteren, sondern stellt bloß seltsam blasse Schablonen zur Schau.

Etwa das junge, mäßig zur Schauspielerei berufene Mädl Gusti (Maria Schuchter), das einem Arzt (David Jakob) und einem Sohn aus gutem Haus (Tobias Reinthaller) den Kopf verdreht. Oder auch die Dienstmagd Kathi (Fanny Altenburger), die wiederum den jungen Herrn anschmachtet. Oder auch den Professor (Miguel Herz-Kestranek holt sich als Einspringer für einen erkrankten Kollegen in der eher kleinen Rolle vieles), dessen Frau einem Kaplan emotional gefährlich nahekommt.

Doppelbödigkeit

Julia Stemberger ist diese Josefa, die aus der gefühlten Enge ihres Lebens ausbrechen will, die in diesem Spiel der Sommerlüfte (samt Vogelgezwitscher und Gewitter) den Ton angibt. Vor allem, da sie in Reichenau-Heimkehrer Marcello de Nardo (er spielt auch noch die Rolle eines Leutnants) einen Kaplan auf Augenhöhe findet. Nur die Szenen zwischen Stemberger und De Nardo haben mitunter jene Doppelbödigkeit, die Schnitzler seinen ach so unglücklichen Protagonisten gern verordnet. Da stimmt dann plötzlich für kurze Augenblicke der Tonfall, da haben die anderen Text-Deklamierer Pause. Und man ahnt, was bei Schnitzler (und auch bei diesem Stück) möglich gewesen wäre. Sonst aber ist diese zähe Landpartie leider ziemlich überflüssig.