© Theater Walfischgasse/Sepp Gallauer

Kultur
02/29/2012

Schlagabtausch auf höchstem Sprachniveau

Im Wiener stadtTheater Walfischgasse spielen Cornelius Obonya und Rupert Henning in Anthony Shaffers "Revanche".

von Michaela Mottinger

Um Irrtümer vorwegzunehmen: Hier handelt es sich um keine Götz-Spielmann-Interpretation. Zwar wäre dessen 2009 oscarnominierter Film "Revanche" durchaus für die Bühne geeignet, im Wiener stadtTheater Walfischgasse spielen Cornelius Obonya und Rupert Henning aber "Revanche" – von Anthony Shaffer. Premiere ist am Mittwoch.

Auch das erfolgreiche Broadway-Stück hat im Kino Geschichte geschrieben. Mit zwei Verfilmungen: 1972 als "Mord mit kleinen Fehlern" mit Sir Laurence Olivier und Michael Caine, und 2007 als "1 Mord für 2". Wieder mit Michael Caine, der in die Olivier-Rolle aufgerückt ist, und Jude Law.

Kampf

In der Walfischgasse sind nun Cornelius Obonya als erfolgreicher Krimiautor Andrew Wyke und Rupert Henning als arbeitsloser Schauspieler Milo Tindle zu sehen. Letzterer hat ein Pantscherl mit der Schriftstellersgattin, weshalb ihn Ersterer zum Gespräch bittet. Aus dem verbalen Schlagabtausch wird ein erbitterter Kampf, und ... mehr bitten die Herren nicht über ihren Abend zu verraten ... außer:
"Shaffers Stück ist einer der seltenen Fälle, wo jeder Satz schillert und glänzt", schwärmt Henning. "Es hat eine schrecklich lustvolle Tiefe, es folgt Wendung auf Wendung. Wir können da beim Spielen so schön spielen." "Revanche", sagt Obonya, sei wie "kleine Weihnachten" – umso mehr, da als Dritte im Bunde seine Frau Carolin Pienkos Regie führt.
Vom bekannten Konzept "älterer Mann fordert jüngeren Liebhaber" hat man sich leicht getrennt. Obonya: "Das erschien uns heute zu stereotyp. Für uns ist es wesentlich interessanter eine soziale Schieflage zu zeigen, wo einer nach oben gerutscht ist, und einer anderer das nicht schafft. Das ist das heutige Europa."


"Wobei", ergänzt Henning, "der toughe, eloquente Autor schnell kapiert, dass Tindle, wenn auch beruflich erfolglos, kein Jausengegner ist."

Es folgt: Eine wilde Debatte über eine reine Seele, die korrumpiert wird, die Butterseite des Lebens und die Frau als Prestigeobjekt. So, bestätigt Pienkos, war’s täglich bei der Probenarbeit. Diskussion und Widerspruch – bis die Regie (also sie) die Letztentscheidung trifft. Gelächter.
Ob man weitere gemeinsame Pläne hegt?
Henning (und an dieser Stelle umarmt oder würgt ihn Obonya): "Wenn wir uns nicht vor lauter Zuneigung umbringen, gibt’s bestimmt Fortsetzungen."

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