Kultur 29.01.2015

"Schlaflos": Im Bett mit der Kunstgeschichte

Michelangelo Pistoletto, „Hunger“ (1988) © Bild: /Belvedere/© Bildrecht, Wien, 2015

Das Belvedere zeigt, was sich alles im Bett abspielt – und was die Kunst daraus macht.

Es soll, dem Hörensagen nach, schon vorgekommen sein, dass manches, was im Bett passiert, besser dargestellt wird, als es tatsächlich war. Das Sterben zum Beispiel, gewöhnlich im Bett vor sich gehend, wird überbewertet. Auch der Film "Im Bett mit Madonna" war jetzt nicht uneingeschränkt mitreißend. Und wie sehr sich die Frau im Spitalsbett auf Fritz Kerns Foto "Bürgermeister Jonas überreicht das 100.000. Säuglingswäschepaket" wirklich gefreut hat, wagen wir uns nicht auszumalen.

Im Bett mit Madonna
pressebilder © Bild: Belvedere/© Bettina Rheims, Jérôme de Noirmont – Art & Confrontation
Dennoch, und das betonten die Ausstellungsmacher zu Recht: Im Bett passiert Wesentliches, eigentlich: so gut wie alles, das das Leben bestimmt. Geburt, Krankheit, Glück, Einsamkeit.

Oft auch: Politik und Gewalt. Und Sex und Sterben.

Somit ist es nicht verwunderlich, dass das Bett der "wohl am häufigsten abgebildete Gegenstand" in der Kunstgeschichte ist, wie Kurator Mario Codognato betont. Ein Gedanke, der einleuchtet und nun in einer umfangreichen, zwei Stockwerke des 21er Hauses und zwei Jahrtausende Kunstgeschichte umspannenden Ausstellung ausgeformt wurde. An Schauwert mangelt es zwischen Objekten, Fotos, Gemälden wahrlich nicht: Kate Moss liegt da ebenso im Bett wie Verwundete des Ersten Weltkriegs oder auch eine Gurke mit zwei Orangen in verfänglicher Pose.

VALIE EXPORTS Geburtenbett (1980) und eine windschiefe Kinderkrippe (Robert Gober, 1987) führen in die Schau. Diese verteilt sich dann in thematisch geordnete Bereiche, die freihändig Gattungen und Werkarten zusammenführen.

Das ist unterhaltsam und mit großen Namen und Überraschungen garniert. Aus dem Überfluss des Angebots will sich dann aber nicht so recht eine zwingende Zusammenschau ergeben. Die 195 (!) Werke von 145 (!) Künstlern werden durch das daunendeckenleichte Thema nur mit Müh und Not zusammengehalten. Das Bett positioniert sich nicht als zentrales Element, sondern kleinster gemeinsamer Nenner, oftmals Szenerie, die Wichtigeres umgibt. Und so werden einem die aus der Schau mit Heim genommenen Erkenntnisse nicht den Schlaf rauben.

Erstellt am 29.01.2015