Kultur
05.12.2011

Schiller: In London aktueller denn je

Das Donmar Warehouse Theatre zeigt "Luise Miller", eine entstaubte und gekürzte Version von "Kabale und Liebe", als Parabel auf heutige Skandale.

Lerne diese Lektion - die Mittel der Verführung sind auch die Mittel der Politik: Lügen und Versprechungen!" Mit diesen sehr heutigen Worten beweist Mike Poulton in seiner auf knapp zweieinhalb Stunden verkürzten Version von Schillers "Kabale und Liebe"geradezu prophetische Aktualität. Und das im gerade von Polit- und Presseskandalen geschüttelten London, im intimen Rahmen des Donmar Warehouse Theatres.

"Ja, wir sind auf einmal sehr aktuell mit , Luise Miller'!", lacht denn auch Ben Daniels im Gespräch mit dem KURIER. Er gibt den Chancellor (Präsident von Walter) in seiner ganzen, über Leichen gehenden rücksichtslosen Glorie. Und er trägt das Stück, dessen Gesellschaftskritik eigentlich über die unstandesgemäße Liebe der Musikertochter Luise und des Kanzlersohnes Ferdinand transportiert wird. Seine brutale Machtbesessenheit löst das Drama erst aus: Denn "was zählt in dieser bitteren Welt, ist nur die Hand, die sie regiert!" Die Hand des Kanzlers - diese Rolle ist ein großer Kontrast zu Daniels' eben beendeter TV-Arbeit als Staatsanwalt James Steel im englischen Law-&-Order-Franchise.

Zurück zur Bühne

"26 Episoden waren genug", sagt Daniels zum Ausstieg aus der Serie, "hier bringen wir (unter der Regie von Michael Grandage, Anm.) die Essenz des Stückes auf dieser nackten Bühne heraus". Und das gemeinsam mit Kollegen wie Mätresse Lady Milford, Alex Kingston, berühmt als River Song der britischen Kult-Serie "Dr. Who", oder David Dawson ("Secret Diary of a Callgirl"), der als Hofmarschall den harmlosen Modegecken mimt, während er durch Gerüchte und bösartige Beschuldigungen Schicksal spielt.

Wenig überraschend ist das kleine Donmar nächst Covent Garden allabendlich ausverkauft. Zu verführerisch scheint es für das Publikum, in diesem vom Staub befreiten
Schiller-Drama am Ende die Bösen ihrer gerechten Strafe zugeführt zu sehen, wenn Chancellor von Walter sich, angesichts seines vergifteten Sohnes gebrochen, dem Gericht ergibt. Doch das ist auch schon das einzig Unrealistische an Poultons Version ...