Plácido Domingo ist und bleibt ein Ereignis

I due Foscari 11.8.17<br />
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Plácido Domingo, Francesc…
Foto: /Salzburger Festspiele/Marco Borrelli Placido Domingo in Salzburg

Giuseppe Verdis Oper "I due Foscari" konzertant im Großen Salzburger Festspielhaus.

Von Helmut Christian Mayer

Plácido Domingo ist wahrlich ein Phänomen. Schon vor drei Jahren hat er sich mit Francesco Foscari aus Giuseppe Verdis Opernrarität "I due Foscari" seine 142. (!) Opernrolle angeeignet und auch im Theater an der Wien gesungen. Längst ist der Ausnahmesänger nicht mehr im Tenorfach, sondern als Bariton unterwegs. Jetzt, mit seinen 76 Jahren, spielt und singt er den alten, leidenden, schwächlichen Dogen Francesco Foscari, der seinen Sohn opfert, mit der ihm eigenen Intensität – und mit ungeheurer Bühnenpräsenz.

Staunen macht noch immer sein samtiges Timbre in der Mittellage und seine ungeheuere Stahlkraft bei den emotionalen Ausbrüchen. Er ist und bleibt wie immer ein Ereignis und wird auch am meisten bejubelt. Ihm zur Seite: Joseph Calleja als Sohn Jacopo Foscari mit einem wunderbar einnehmenden Timbre. Mühelos, strahlend und kraftvoll klingt sein Tenor.

Guanqun Yu als dessen Gattin Lucrezia, die die ursprünglich angesetzte Maria Agresta ersetzt, wirkt anfänglich etwas emotional unterkühlt, kann aber dann doch mit Innigkeit und dramatischer Attacke überzeugen. In der kleinen Rolle des Intriganten Jacopo Loredano singt Roberto Tagliavini mit mächtigem Bass und vielen bedrohlichen Tönen, so wie es die Rolle eben erfordert.

Stimmgewaltig

Untadelig sind auch die vielen, teils sehr kleinen Partien besetzt. Stimmgewaltig, klangschön und sehr homogen hört man den Philharmonia Chor Wien, der von Walter Zeh einstudiert wurde.

An der Musik kann es nicht liegen, warum Giuseppe Verdis "I due Foscari" so selten aufgeführt wird. Denn diese ist durchaus mitreißend und glutvoll. Vor allem dann, wenn das Mozarteum Orchester Salzburg unter dem mit packendem Zugriff agierenden Maestro Michele Mariotti sie genauso umsetzt. Der italienische Dirigent vergisst aber dabei auch nicht auf die Raffinesse und den Farbenreichtum der Partitur.

Der Grund für die raren Aufführungen von Verdis sechster Oper (1844) dürfte das wenig geglückte Libretto von Francesco Maria Piave sein, das auf dem gleichnamigen Drama von Lord Byron basiert, in dem sich politisches Unglück mit menschlichem paart. Denn die Handlung vom Dogen, der seinen Amtseid über alles stellt und seinen eigenen Sohn wegen des sich später nicht bestätigten Mordverdachts in die Verbannung schickt, ist verzwickt und ohne dramatische Höhepunkte. Zudem gibt es wenig Raum für hellere oder gar freundliche Szenen.

Nur mit einem überlegten Regiekonzept könnte man diesen Schwächen begegnen. Um diesem auszuweichen, hat man sich bei den Salzburger Festspielen offensichtlich entschlossen, das Werk gleich nur konzertant aufzuführen, was in diesem Fall zu begrüßen war. Zum Schluss gab es einhelligen Jubel für alle und stehende Ovationen – ganz besonders wieder für den Star des Abends: Plácido Domingo.

(kurier) Erstellt am
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