Ruinöser Roadtrip mit Nicholas Ofczarek

Roadtrip in die Vergangenheit: Anna Unterberger, Nicholas Ofczarek und Simon Schwarz
Foto: Thimfilm

Filmstarts: Ein Politik-Streber und sein Stalker in "Am Ende des Tages" + In "Final Destination 5" wird wieder gegen den Tod gekämpft

Es wirft kein günstiges Bild auf einen Jungpolitiker, wenn er tote Meerschweinchen unter seinen Scheibenwischern klemmen hat. Auch nicht, wenn er anderen Leuten das Auto zertrümmert, den Computer klaut oder Journalistinnen am Telefon anplärrt.

Wie es trotzdem dazu kommt, dass sich ein Hoffnungsträger heimischer Innenpolitik plötzlich in einen Berserker verwandelt, erzählt der österreichische Filmemacher Peter Payer (siehe Interview) als ruinöses Roadmovie mit Hang zur Groteske.

Gerade noch fährt Simon Schwarz als schneidiger Politik-Streber und BMW-Fahrer namens Robert mit seiner schwangeren Ehefrau Katharina ins Wochenende - als sie plötzlich ganz offensichtlich von einem Auto verfolgt werden. Bei der nächsten Raststation steigt Nicholas Ofczarek als Jugendfreund Wolfgang aus dem Wagen und konfrontiert Robert vor seiner Ehefrau - mit seinen proletarischen Wurzeln und einer kriminellen Vergangenheit.

"Glücklich ist, wer vergisst"

Die Leiche im Keller eines Politikers ist natürlich klassisches Motiv des Polit-Thriller. In seiner Austro-Variante aber erhält es eine karnevaleske Note, die den ganzen Film immer mehr seiner Auflösung zutreibt.

Von Anfang an bleibt das glückliche Karrierepärchen Robert und Katharina dem Zuseher seltsam steril und fern. Insofern entwickelt seine Fallhöhe vom Glück ins Unglück auch nicht jene dramatische Wucht, die sich Peter Payer offensichtlich gewünscht hat. Dafür aber hat Ofczarek als leicht umnachteter Verfolger Wolfgang größten Schau- und Unterhaltungswert: Er trägt Lippenstift, lackierte Fingernägel und 80er-Jahre-Frauenfummel und sieht dabei aus, als käme er gerade aus einer Musical-Probe von der "Rocky Horror Show".

Besonders schön macht sich sein schreiendes Outfit in einer Tiroler Alpenstube, wo die entgeisterte Landbevölkerung den Mund gar nicht mehr zubekommt.

Konfrontiert mit seinem Simmeringer Albtraum, läuft Robert zunehmend aus dem Ruder und setzt dabei seine kriminellen Energien frei. Etwas vordergründig kaut er wild an seinen Fingernägeln und rast durch den Hobby-Markt auf der Suche nach Schlagwaffen.

"Glücklich ist, wer vergisst" - Payer bemüht sich darum, diese Operetten-Weisheit (die auch einmal im Film gesungen wird) zu einer beißenden Allegorie auf österreichische Politikermentalität zu verdichten. Doch obwohl er seinen Roadtrip immer wieder effektvoll mit drohenden Thriller-Untertönen versetzt, erreichen seine Figuren doch nicht das gewünschte Groß-Format. Stattdessen bleibt alles irgendwie in der Kasperliade stecken - vielleicht aber ohnehin das trefflichere Genre für österreichische Innenpolitik.

KURIER-Wertung: *** von ******

INFO: POLIT-THRILLER, A 2011. 92 Min. Von Peter Payer. Mit Nicholas Ofczarek.

"Cowboys vs. Aliens" - Cowboy mit Gedächtnisverlust

Kaum zu glauben, wie viel Fadesse ein Gerne-Mix aus Western und Science-Fiction zu verbreiten vermag. Da nützt es auch gar nichts, das altbewährte Action-Haudegen wie der verwitterte Harrison Ford und ein austrainierter Daniel Craig vom Leder ziehen - der Angriff fliegender Metallechsen auf eine verstaubte Westernstadt ist nichts als missglücktes Marketing-Konzept.

Daniel Craig verkörpert dabei das Genre-Crossover mit seiner ganzen Person. Als er plötzlich mitten in der Westernwüste erwacht, blinkt ein ominöses, grünes Armband an seinem Handgelenk. Man ahnt sofort: der Mann hat eine Verbindung zu den Außerirdischen - leider weiß er selbst nicht mehr, welche.

Als Cowboy ohne Gedächtnis erledigt er daraufhin ein paar Schussduelle, ehe er in ein staubiges Nest einreitet und dort weitere, Western stereotype Konflikte bewältigt. Zu diesem Zeitpunkt betritt auch Harrison Ford als ruchloser Ranger das Terrain, dazu eine schöne Unbekannte - und es wäre ewig so weitergegangen, hätten nicht plötzlich besagte Metallechsen angegriffen und die aufgeschreckten Erdlinge mit langen Angeln vom Boden gefischt.

Nach dem ersten Schock legen die Cowboys erstmal ihre Feindschaft beiseite und machen sich gemeinsam auf Alien-Suche. Sogar die Indianer schließen sich ihnen an - was übrigens die Handlungsstränge keineswegs stärkt, sondern nur noch abstruser macht.
Insgesamt wird viel geritten und viel geschossen - und das alles weitgehend spannungsfrei.

KURIER-Wertung: ** von *****

INFO: WESTERN/SCI-FI, USA 2011. 118 Min. Von Jon Favreau. Mit Harrison Ford.

"Das Lied in mir" - Auf deutscher Wurzelsuche in Buenos Aires

Eine junge Deutsche namens Maria (Jessica Schwarz) hört in Buenos Aires die Melodie eines Kinderliedes und bricht zusammen. Ihr deutscher Vater (Michael Gwisdek) eilt herbei - doch wird bald klar, dass die Wurzeln Marias in Buenos Aires liegen und mit der Militärdiktatur verknüpft sind. Florian Cossens ambitionierter Debütspielfilm wurde viel gelobt und zeichnet sich - auch dank Jessica Schwarz - durch erzählerische Sparsamkeit aus, die Nachdenklichkeit auslöst. Leider bringt Michael Gwisdek als Vater mit seinem balsamierten Schauspiel die Anmutung mit, dass man einem TV-Film zusieht. Auch die argentinische Familiengeschichte wirkt zugunsten des Vater-Tochter-Dramas zu wenig nuanciert, um wirklich politische Strahlkraft entfalten zu können.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: DRAMA, D 2010. 94 Min. Von Florian Cossen. Mit Jessica Schwarz.

"Final Destination 5" - Solide Mischung aus Horror und Ekelspaß

Die Kunst, einen möglichst bizarren Tod zu sterben, gehört zu den Raffinessen der Final-Destination-Reihe. Auch das Gesetz der Serie bleibt sich gleich: Zuerst springt man dem Tod von der Schaufel, um dann umso detailreicher den Löffel abzugeben. Dafür haben sich die Filmemacher - diesmal mit lustigen 3-D-Effekten- wieder ein paar schöne Horror-Spezereien ausgedacht. Rund um das menschliche Auge, zum Beispiel, ein beliebtes Angriffsziel blutiger Messer im Grusel-Genre: Zuerst wird es mit einem wild gewordenen Lasergerät malträtiert, bevor es aus der Augenhöhle auf die Straße springt und dort von einem Lastwagen zerdrückt wird.

Aua. Da bleibt man lieber Brillenträger.

Allerdings grenzen solche Effekte bereits ein wenig ans Kindische, wie auch sonst die Versuche, absurde Todesszenarien weiter zu steigern, einerseits vom Wiederholungszwang, andererseits von Überoriginalität bedroht sind.

Gerade der Anfang aber ist überaus effektvoll: Ein Bus mit Büroangestellten - darunter einer Handvoll von sexy Twentysomethings - steht auf einer Hängebrücke, als diese einstürzt. Das langsame sich Anbahnen des Unglücks gehört mit zu den haarsträubendsten Momenten - und natürlich sieht einer der jungen Leute in einer Vision das Unglück voraus und rettet die Kollegen.

Nach und nach holt sich der Tod dann seine Opfer zurück - und schlägt mit Akupunkturnadeln, riesigen Enterhaken und Turngeräten zurück. Diese Rückholaktionen erfahren nach dem rasanten Intro einen Spannungsabfall - aber eine solide Mischung aus Horror und Ekelspaß bieten sie allemal.

KURIER-Wertung: *** von *****

INFO: HORROR, USA 92 Min. Von Steven Quale. Mit Nicholas D'Agosto, Emma Bell.

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