Ruhige, reflektierte Werke zu Ostern

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Foto: Salzburg Museum Blicke in die Dresdner Skulpturensammlung von Katharina Mayer im Salzburg Museum.

Edle Einfalt und stille Größe: Dresden inspiriert in Salzburg zu Ostern auch die bildende Kunst.

Wir sind nicht die einzigen Dresdner hier“, sagte Hartwig Fischer, Chef der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, mit Augenzwinkern. Angesichts der vielen Aufmerksamkeit, die der Einstand der Sächsischen Staatskapelle Dresden bei den Salzburger Osterfestspielen bekommt (siehe Artikel unten), könnte leicht untergehen, dass auch die weltbedeutende Kunstsammlung dieser Stadt ein Oster-Gastspiel im Souterrain des Salzburg Museums gibt: „De Sculptura“ heißt die Schau, die ausgewählte Stücke der Skulpturensammlung mit zeitgenössischen Bearbeitungen paart (Mozartplatz 1, bis 30. 6., www.salzburgmuseum.at)

Neben antiken Figuren ist darin auch eine Büste des Kunstschriftstellers Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) zu sehen: Angesichts der Skulpturen in Dresden fand dieser einst zu seinem Ideal von „stiller Einfalt und edler Größe“ und postulierte, dass „der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden“, die „Nachahmung der Alten“ sei.

Salzburg: Ausstellungen zur Osterzeit

Robert Longo in der Galerie Thaddaeus Ropac, Untitled (Parzival) , 2013 Zeichnung „Eve“ von Robert Longo bei Ropac (Ausschnitt). Robert Longo in der Galerie Thaddaeus Ropac, Untitled (Angels Wing), 2012 Morsealphabet von Brigitte Kowanz in der Galerie Ruzicska. Brigitte Kowanz in der Galerie Ruzicska. Blicke in die Dresdner Skulpturensammlung von Katharina Mayer im Salzburg Museum. Blicke in die Dresdner Skulpturensammlung von Katharina Mayer im Salzburg Museum. Blicke in die Dresdner Skulpturensammlung von Katharina Mayer im Salzburg Museum.

Spiel mit alter Kunst

Nun sind zeitgenössische Künstler keine Klassizisten – dennoch lässt sich im Salzburg gut nachverfolgen, welche Rolle die Auseinandersetzung mit der Geschichte in der aktuellen Kunstproduktion (wieder) spielt.

Für das Salzburg-Museum näherten sich vier Künstlerinnen und Künstler mit fotografischen Mitteln an die Dresdner Sammlung an: Lois Renner etwa zeigt ein famoses Verwirrspiel, für das er Figuren in seinem Modell-Atelier platzierte, abfotografierte, teilweise übermalte und die Realitäts-Ebenen per digitaler Nachbearbeitung nochmals vermischte. Die Künstlerinnen Katharina Gaenssler und Katharina Mayer wiederum schufen Bildwände, in denen sie Detailfotos der Skulpturensammlung in eine neue, eigene Ordnung brachten.

Große Zeichnung

Auch abseits der sehenswerten Dresden-Schau, die auch ein deutliches Positionslicht des neuen Direktors und studierten Archäologen Martin Hochleitner darstellt, lässt sich in Salzburg die „Nachahmung der Alten“ bemerken.

In den Räumen der Galerie Ropac (Mirabellplatz 2, bis 11. 5.; www.ropac.net) hängen etwa minutiöse Kopien historischer Werke, die der US-Künstler Robert Longo anfertigte: Caravaggio, Dürer, Goya , aber auch moderne Heroen wurden vom Künstler mit Bleistift im Postkartenformat reproduziert.

Die sogenannte „Heritage Series“ (Preis pro Stück: 30.000 US-Dollar) ist aber nur der Auftakt zur „echten“ Show. Die bestreitet Longo – mit seiner Serie akrobatisch verformter Anzugträger, „Men In The Cities“ (1979– ’82) einst Lieblingskünstler der Yuppie-Generation – mit riesigen Reproduktionen archaischer und populärer Motive: Eine Ritterrüstung („Parzival“), ein Pin-up-Girl („Eve“), eine mystische Waldlandschaft. Inhaltlich lassen sich allerhand Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart entdecken – Longos Trumpf aber ist der optische Wow-Effekt.

Für Sammler

330.000 bis 450.000 US-Dollar zahlen Sammler für diese Mega-Zeichnungen, die möglicherweise in näherer Zukunft in der Wiener Albertina zu sehen sein werden: Es gebe Pläne für eine Longo-Ausstellung, die aber noch nicht endgültig beschlossen seien, hieß es in der Galerie.

Zurückgenommener als Longo geht es die österreichische Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz an. Sie zeigt in der Galerie Nikolaus Ruziczska neue Arbeiten (Faistauergasse 12, bis 27. 4.; www.ruzicska.com) und erreicht dabei „stille Größe“ durch die Reduktion von Wörtern und kurzen Botschaften auf Morsecodes.

Als Konzept ist diese Verknappung bei der Künstlerin bereits bekannt, in der Form versucht sie dennoch neue Wege. Nun werden etwa die Codes etwa aus gewellten Neonröhren geformt und zu einem Kegelstumpf gebündelt: „Realm of Possibility“ („Reich der Möglichkeiten“) lautet sowohl der Titel dieser Skulptur als auch der ausgelesene Morse-Code (75.000 €). Für eine Arbeit sperrte Kowanz ein Morse-Alphabet in einen halbverspiegelten Kasten (125.000 €). In einer weiteren Serie spiegelt sich das Licht einer Neonröhre in einer speziell zugeschliffenen Metall-Oberfläche und erweckt dabei den Eindruck räumlicher Tiefe (28.000 €).

Alles offen

Vor einem solchen Werk – weder Skulptur noch Bild noch Text, und ohne offensichtliche kunsthistorische Bezüge – lassen plötzlich wieder all jene Fragen diskutieren, um die Kunstdebatten seit Jahrhunderten kreisen: Ob ein Bild Raumillusionen anbieten soll, welche Kunstform der anderen überlegen sei, und ob nicht alle Kunst – wie der Brite Walter Pater formulierte – nach dem Zustand der Musik strebe. Womit wir auch wieder bei der Sächsischen Staatskapelle wären.

(kurier) Erstellt am
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