Kultur
12.12.2017

Rolando Villazon "Ich liebe es, wenn die Leute lachen"

Der Startenor im Gespräch.

Singen allein ist ihm bekanntlich schon seit Jahren viel zu wenig. Also schreibt er auch Bücher, zeichnet (hinreißende) Karikaturen, führt öfters Regie und ist als künstlerischer Leiter auch für die Salzburger Mozartwoche zuständig. Heute, Dienstag, aber steht Rolando Villazón wieder auf der Bühne des Wiener Konzerthauses, wo er im Rahmen der Reihe "Great Voices" gemeinsam mit dem Bassisten Ildar Abdrazakov bekannte und unbekanntere Duette aus Opern zum Besten geben wird. Für den Tenor ist das "eine pure Freude".

"Darum geht es doch", sagt der gebürtige Mexikaner im KURIER-Gespräch. "Ich will den Menschen durch die Musik Freude vermitteln. Gemeinsam mit Ildar auf der Bühne zu stehen und diese schrecklich gute Bassstimme ein bisschen herauszufordern, macht auch mir enormen Spaß", so Villazón lachend. Verdi oder Boito, populäre Arien oder Gassenhauer wie "Granada" haben die beiden im Gepäck.

Kindisch "Man muss das in der Vorbereitung sehr gewissenhaft angehen, damit sich das Vergnügen nachher umso stärker einstellt. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass hinter aller Ernsthaftigkeit auch immer etwas Lustiges, ja Kindisches steckt. Ich liebe es, ein bisschen kindisch zu sein", bekennt der Weltstar.Umso mehr freut sich Rolando Villazón denn auch auf ein Rollendebüt, das im Juli 2018 in Baden-Baden bevorsteht. Dort wird er erstmals den Papageno in Mozarts "Zauberflöte" singen. "Den Tamino habe ich ja schon gemacht, jetzt darf ich endlich auch ein bisschen blödeln. Der Vogelfänger Papageno ist meinem Wesen ja viel näher, als der ewig nach Weisheit strebende Prinz Tamino. Ich finde überhaupt, das Streben nach Weisheit wird generell überschätzt", so der Papageno in spe.

Dass Villazón immer für Scherze gut ist, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Dass er aber ein extrem fleißiger Arbeiter ist, muss auch erwähnt werden.

Villazón: "Über die Mozartwoche in Salzburg, deren künstlerischer Leiter ich geworden bin, kann man sich wie über vieles andere im Leben nicht hinwegblödeln. Da bin ich als ernsthafter Koordinator gefragt und gefordert."

Energetisch

Was dem vielfach prämierten Künstler für die Mozartwoche vorschwebt? "Es sollen fünf tolle Jahre werden. Für die Künstler, für das Publikum und vor allem für Mozart. Ich gehe da mit voller Energie hinein, bin schon in den Detailplanungen für das Jahr 2019 und möchte – ganz unbescheiden – das größte Mozartfestival der Welt erfolgreich weiterführen." Eigene Auftritte sind dabei nicht ausgeschlossen.

An der Wiener Staatsoper ist Villazón bereits im Februar und März 2018 wieder zu erleben. Als Lenski in Tschaikowskys "Eugen Onegin". "Eine schöne Partie, obwohl ich da auf der Bühne erschossen werde. Und so etwas mag ich eigentlich gar nicht", ruft der auch sozial sehr Engagierte aus.

Aber: "Danach bin ich ohnehin wieder von jeder Traurigkeit abgelenkt, denn da laufen schon die Endproben für die ,Fledermaus‘, die ich an der Deutschen Oper Berlin inszenieren darf." Nachsatz: "Ich liebe die Operette. Für mich als Regisseur wird es wichtig sein, diese wundervolle Musik von Johann Strauß, die fast etwas Opernhaftes hat, ernst zu nehmen und dennoch den Humor nicht zu vergessen. Bei Operette kommt es immer auf die richtige Balance an."

Ideenreich

Villazón weiter: "Ich habe da auch schon ganz viele Ideen. Die muss ich jetzt nur noch meinen lieben Kolleginnen und Kollegen auch als gut verkaufen. Denn ich bin als Regisseur ja nicht der Chef, sondern nur ein Teil des Ganzen. Ich glaube überhaupt, dass man im Leben nur ohne Egoismus und mit viel Liebe zu anderen weiterkommt. Missgunst oder Neid sind schrecklich." Lachend: "Na ja, ein bisschen neidisch bin ich schon auf Florian Teichtmeister, der sich als Frosch sicher alle Pointen holen wird. Ich liebe es nämlich, wenn die Leute mit mir und auch über mich lachen."

Dazu hat Villazón auch seine Karikaturen und die von ihm verfassten Bücher. "Ich schreibe und schreibe und schreibe. Solange die Menschen etwas von mir lesen wollen, mache ich weiter. Und wenn nicht mehr, dann sattle ich um und werde eben richtig seriös."