Ringo Starr: Peace, Love & Schlagernacht

Peace and love: Ringo Starr predigte schon in Salzburg Hippie-Werte (Bild) - am Sonntag auch in Wien.
Foto: APA: FRANZ NEUMAYR

Zum Abschluss seiner Tournee spielte der Ex-Beatle mit seiner All-Starr-Band in der Wiener Arena und wurde standesgemäß bejubelt.

Wie oft kann man einen echten Beatle besichtigen? Nicht oft. Paul McCartney umfuhr Österreich zuletzt. John Lennon und George Harrison sind leider immer noch tot.
Bleibt also nur noch Ringo. Der beendete die heurige Europa-Tournee seiner All Starr Band in Wien. Und mildes Einverständnis lag über dem unbequem eng befüllten Innenhof der Arena. So mild, dass nicht einmal ein aufziehendes Gewitter eine Chance sah, sich hier störend einzubringen, und daher alsbald weiterreiste.

Ringo Starr ist der lebende Beweis dafür, dass man kein "großer" Instrumentalist und schon gar kein "großer" Sänger zu sein braucht, um ein großartiger Musiker zu sein. Man braucht bloß Feeling, Charisma und das Glück, in eine große Band zu kommen.

71-jähriger Bub

Kaum betrat der kleine, dünne, 71-jährige Bub Ringo die Bühne, wurde er in Zuneigung beinahe ertränkt: SO hört sich Jubel an! Mit dem alten Soloschlager "It Don't Come Easy", gemütlich, aber präzise swingend, begann das Konzert auch sehr fein.
Ein Ringo-Konzert ist immer auch ein All-Starr-Band-Konzert. Soll heißen, seine Mitmusiker bekommen Gelegenheit, auch ihre eigenen Hits darzubieten. Dieses Konzept kann für das Publikum Härten bereithalten. Wenn etwa Richard Page von der zu Recht vergessenen Gruppe Mr. Mister "Kyrie" und "Broken Wings" säuselt, dann erheben die Achtzigerjahre ihr hässliches Haupt.

Peace and love: Ringo Starr predigte schon in Salzburg Hippie-Werte (Bild) - am Sonntag auch in Wien. Foto: APA: FRANZ NEUMAYR Peace and love: Ringo Starr predigte schon in Salzburg Hippie-Werte (Bild) - am Sonntag auch in Wien.

Keyboarder und Saxofonist Edgar Winter bewies Mut zur Eitelkeit, Gitarrist Rick Derringer Mut zu einem länglichen Solo. Gary Wright (Spooky Touth) zelebrierte Hippie-Rock. Die Überraschung aber lieferte Wally Palmer (The Romantics): "Talking In Your Sleep" erwies sich als ausgezeichnet gealterte New-Wave-Hymne.

Ringo selbst spielte natürlich seinen mit George Harrison geschriebenen Solohit "Photograph", verzichtete aber auf seine besten Beatles-Nummern, also "Octopusse's Garden" und "Don't Pass Me By". Das ihm von John Lennon gewidmete "With A Little Help From My Friends" deutete er zur Schunkel-Übung um. Und bei Paul McCartneys Kinderlied-Parodie "Yellow Submarine" wähnte man sich endgültig in der Schlagernacht am Wörthersee.
Wurscht. Ringo war da. Ein echter Beatle! Ganz großer Jubel.

KURIER-Wertung: **** von *****

(kurier) Erstellt am
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