Sonja Gornik als Freia und Dominik Nekel als Fasolt.

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"Rheingold" im Landestheater Linz
10/27/2013

"Rheingold" im Landestheater Linz

Der "Ring"-Auftakt klingt musikalisch ein wenig zahm und wirkt szenisch harmlos.

Erst ziemlich spät, nämlich zum finalen „Einzug der Götter in Wallhall“, läuft das Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies zur Höchstform auf. Da kann man es bei Richard Wagners „Rheingold“, das erstmalig am Landestheater Linz überhaupt, im neuen Musiktheater am Volksgarten erklingt, in seiner vollen Klangpracht und -stärke hören. Zuvor klingt der Vorabend des „Ring des Nibelungen“ zumindest von der letzten Reihe des Hochparketts irgendwie wie in Watte gepackt: Zwar ungemein präzise, kammermusikalisch transparent, geheimnisvoll und sensibel aber mit zu wenig hörbaren Streichern, mit zu wenigen Akzenten und zu zahm bei den geforderten Ausbrüchen und Steigerungen. So als wollte der Chefdirigent allzu sehr auf die Sänger Rücksicht nehmen.

Gute Sänger

Diese singen in überwiegend gehobener Qualität: An erster Stelle ist trotz ihres Kurzauftritts Bernadett Fodor zu nennen, die eine präsente, phänomenale Erda singt. Exemplarisch intensiv ist Matthäus Schmidlechner als gequälter Mime. Oskar Hillebrandt zeigt eine intensive Charakterstudie des Alberichs. Gerd Grochowski verfügt über zu wenig „göttliche“ Bühnenpräsenz, sein Wotan klingt zwar edel aber manchmal etwas knorrig. Michail Bedjai ist ein stimmlich beinahe idealer, wortdeutlicher Loge. Mit reifem Timbre ist die Fricka der Karen Robertson zu vernehmen, schön phrasiert Sonja Gornik als Freia, die ständig zahlreiche Kinder im Schlepptau hat.

Die Riesen, Dominik Nebel und Nikolai Galkin, singen voluminös. Stimmgewaltig aber mit viel Vibrato hört man Seho Chang als Donner sowie mit sehr schönem Tenor Pedro Velázquez Diáz als Froh. Makellos: Mari Moriya, Gotho Griesmeier und Valentina Kutzarova als Rheintöchter. Uwe Eric Laufenberg lässt den Vorabend der Tetralogie im Vorzimmer der Zivilisation spielen und siedelt diesen in der Wiege der Menschheit, im Niltal oder in Mesopotamien an: Die Götter leben vor ihrer Burg in einem geräumigen Beduinenzelt (Gisbert Jäkel) mit vielen Kisten inklusive einem Modell von Wallhall und sind in wallende, orientalisch anmutende Gewänder (Antje Sternberg) gekleidet. Die Rheintöchter erscheinen in einer Blase und spielen nicht nur mit Spritzpistolen, sondern auch gleich mit dem Rheingold. Die immer aktuelle Geschichte von Macht, Geld und Liebe wird zwar klar und schlüssig erzählt. Die Regie wirkt aber besonders bei den Schlüsselszenen nicht besonders ideenreich, sondern harmlos, teils sogar zäh und nimmt so doch einiges von der Dramatik von Wagners „Opus summum“. Jubel und ein paar schüchterne Buhs für die Regie! „Die Walküre“ folgt im März 2014.

Fazit

Inszenierung: Uwe Eric Laufenberg lässt die Geschichte wenig ideenreich in einem Beduinenzelt ablaufen.

Musik: Wenige dramatische Akzente

KURIER-Wertung:

Szenenbilder von "Rheingold"

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