Kultur
12.03.2013

Aus alt und mau wird neu und chic

Refurbishment: Historische Bauten intelligent aufzurüsten, kann aufregend unaufgeregte Lösungen bringen

Der ORF hat noch nicht angerufen, um sich Ideen für eine eventuelle Nachnutzung des Küniglbergs zu holen. Dabei hat sich das Architekturbüro BEHF, u. a. Gestalter des „Fabios“, des „Merkur“ am Hohen Markt oder des „Motto am Fluss“, schon viel einfallen lassen, wenn es darum ging, vorhandene Häuser anders und besser zu nutzen.

„Alte Gebäude brauchen neue Ideen“, sagt Stephan Ferenczy. Wobei es aber für den Architekten „kein Kunststück ist, aus dem Palais Hansen am Ring ein Kempinski-Hotel zu machen“, wie es Boris Podrecca und Dieter Hayde geplant haben.

Die Branche nennt die Neugestaltung von Immobilien „Refurbishment“. Und das ist mehr als bloß eine Renovierung oder ein „Facelifting“. Vorhandenes intelligent „umnutzen“ sei ein Gebot der Zeit. Schließlich mangelt’s an Platz in den Zentren der Städte. Klassiker sind die als Loft genutzten Gewerbeflächen von New York.

Refurbishment: Neuer Glanz in alten Bauten

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Architektur…

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Kempinski Hotel Hansen

Palais Hansen Kempinski Wien_Chefs Table.jpg

Palais Hansen Kempinski Wien_Zigarren Lounge.jpg

Werte schaffen

Die Herausforderung ist, Struktur und Nutzung von Gebäuden an einen veränderten Kontext anzupassen. „Für die bestehende Substanz neue Inhalte oder Qualitäten zu schaffen“, so Ferenczy. Dabei entsteht mitunter sehr aufregend unaufgeregte Architektur, wenn etwa eine alte Fabrik zum modernen Wohnhaus oder Bürokomplex wird, oder sie überhaupt ein flexibel nutzbares Raumkonzept erhält.

„Ein wichtiger Aspekt des Refurbishments ist das Understatement“, so Ferenczy. „Es genügt, die bestehende Qualität herauszuputzen, damit sie neu gesehen werden kann. Man muss gar nicht großartig dazu zaubern und inszenieren, sondern nur Vorhandenes wachküssen. Das ist eine sehr vornehme Aufgabe der Architektur: Unspektakulär Werte zu schaffen.“

Beim Projekt Lloonbase 36 in Wien Favoriten kamen in ein mehr als 100 Jahre altes Fabrikgebäude, eine ehemaligen Maschinenfabrik, auf zwei Ebenen Gewerbe-, Lager- und Büroflächen. Und der zentrale, mit Glas überdachte Raum wird als Veranstaltungsraum vermietet.

Eine Verbindung von alter Substanz mit neuen Elementen wurde auch am Fleischmarkt 1 hergestellt: Das ehemalige Kaufhaus im denkmalgeschützten Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1909 erhielt eine moderne Innenraumgestaltung mit schwarz lackierten Decken. Auf sechs Etagen mit 12.500 Fläche befinden sich jetzt „Premium Offices“ mit der Energieeffizienz eines Niedrigenergiehauses.

Kreativ aufpoliert

Die typische BEHF-Handschrift trägt auch das nur 20 kleine, aber feine Rondell im Hochhaus Herrengasse:

Was in einer toten Ecke zum Rumpelkammerl verkommen war, wurde mit viel Gspür zur wohl kleinsten Weinbar der Stadt: Das „Unger und Klein im Hochhaus“ im Glaszylinder, ein stylisches Lokal mit deutlichen Art-déco-Anleihen, markiert den Eingangsbereich des Hochhauses in der Herrengasse 6–8, in dem Ferenczy selbst auch wohnt: „Zu uns kommt man, wenn es ein Problem gibt, wenn etwas nicht gut läuft, wenn an einer Stelle mit einer Funktion ein Datum abgelaufen ist.“

Wenn etwa H & M Fürnkranz überholt, ergeben sich neue Anforderungen. So sollten bei Merkur am Hohen Markt etwa 3000 Verkaufsfläche auch noch mit einem Erlebnisfaktor verbrämt werden.

Ferenczy: „Da waren Funktion und Atmosphäre zu gewährleisten, dass das eine Attraktion und kein Dilemma ist.“

Wo sonst ist „Refurbishment“ gelungen? „Wenn kleine Erdgeschoß-Geschäfte etwa in der Kaiserstraße zu Kulturräumen umgenutzt werden“, so Ferenczy, der auch ein Faible für wilde Dachbehausungen in Hongkong hat, „kleine Hütten in spektakulärer Lage, quasi das klassische Penthouse für Piraten. Das finde ich inspirierend im Sinne von: Was ist möglich?“

Orte zum Wohlfühlen

Unternehmensprofil
BEHF, geleitet von Armin Ebner, Susi Hasenauer und Stephan Ferenczy, besteht seit 1995 und hat rund 100 Mitarbeiter. Das Architekturbüro macht auch geförderten Wohnbau, aber hat vor allem Aufträge, die das Wiener Stadtbild prägen und als „Orte zum Wohlfühlen“ konzipiert sind.

Projekte
Das Büro hat sich zuletzt mit der Gestaltung vieler Szene-Hotspots in der Wiener City einen Namen gemacht, u. a. „Unger und Klein im Hochhaus“ in der Herrengasse, „Fabios“ in der Tuchlauben, der „Merkur“-Flagshipstore am Hohen Markt, „Motto am Fluss“ am Franz Josefs Kai, „Café Bar Bloom“ in der Rotenturmstraße ...

www.behf.at